Harold lässt grüßen

Mini Cooper Clubman D

Der Mini Clubman D © Foto: AG/Mertens

In diesem Auto ist einem eines gewiss: Man wird auffallen. Denn der Mini Clubman fällt mit seiner Kombi-Form im Straßenbild auf.

Von Frank Mertens

You can do what you want. Cat Stevens hat es bereits in dem 1971 gedrehten Filmklassiker «Harold and Maude» besungen. Du kannst machen was Du willst. Und hätte es den Mini Cooper Clubman schon damals gegeben, wäre dem Jaguar E-Type vielleicht das Schicksal erspart geblieben, von dem spleenigen Teenager in nächtelanger Schweißarbeit in einen, na ja, Bestattungswagen umgebaut zu werden.

Ungewöhnliche Proportionen

Ein wenig erinnert dieser Kombi der BMW-Tochter mit seinen ungewöhnlichen Proportionen schon an den umgebauten Jaguar aus dem Kultstreifen. Gut, der Mini verfügt nicht über eine kilometerlange Motorhaube wie der Jaguar. Aber was dahinter kommt, zieht sich ähnlich in die Länge. Der Mini ist Kult und der Clubman ist dank seiner Verlängerung kein verkappter Viersitzer wie der Mini Cooper. Nein, im Clubman finden vier Personen wirklich Platz. Mit seinen 3,95 Metern ist er gleich 24 Zentimeter länger als der kleine Bruder.

Dieser Längenzuwachs kommt vor allem den Mitreisenden im Fond zu Gute. Dort sind die Sitzflächen so tief geraten, dass zwei Erwachsene bequem sitzen können. Ihnen stehen acht Zentimeter mehr Beinfreiheit zur Verfügung.

Gegenläufig zu öffnende Tür

Die Seitentür am Mini Clubman Foto: AG/Mertens

Platznehmen im Fond kann man im Clubman unbeschadet und ohne gymnastische Einlagen - zumindest von der rechten Seite. Dort gibt es nämlich eine zusätzliche Tür. Sie lässt sich entgegengesetzt zur Beifahrertür öffnen und ermöglicht so ein unproblematisches Einsteigen. Wenn es wirklich einmal sein muss, dann finden auf der zweigeteilten Rückbank auch drei Personen Platz, dann sollten sie den Kinderschuhen aber noch nicht entwachsen sein.

Der Längenzuwachs macht sich auch im Kofferraum bemerkbar, der schon ansatzweise seinen Namen verdient. Denn dort finden im Clubman immerhin 260 Liter Platz, im kleineren Cooper sind es 100 Liter weniger. Damit bekommt man - eine intelligente Packweise vorausgesetzt - schon Gepäck für drei Personen unter. Wer zu zweit unterwegs ist, kann die Rücksitze umklappen und erhält so 930 Liter Stauraum. Der Laderaum wird durch eine zweitgeteilte Heckklappe zugänglich, die allerdings den Blick nach hinten deutlich einschränkt. Eine elektronische Parkhilfe wird damit zum Muss.

Ausreichend Platz

Der Vierzylinder-Dieselmotor leistet 110 PS Foto: AG/Mertens

Fahrer und Beifahrer müssen sich über Platzmangel auch nicht beklagen. Sie sitzen bequem - und das auch über längere Strecken. Die Sitze im Clubman sind straff, aber nicht unbequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Das Cockpit ist auch im Clubman so wie in anderen Minis: Die Mittelkonsole wird durch das fast dartscheibengroße Tachometer dominiert. Die Bedienung von Licht und Fensterhebern erfolgt über Kippschalter. Das sieht zwar hipp aus, aber wirklich praktisch ist das nicht. Für einen Premiumkleinwagen würde man sich an der Mittelkonsole etwas weniger Plastikanmutung wünschen.

Ist man im Clubman unterwegs, vergisst man das schnell. Auch der Kombi ist ein Spaßmacher. Der 1,6 Liter große Vierzylinder-Diesel stellt 110 PS zur Verfügung, mit denen man recht sportlich unterwegs sein. So steht das Drehmoment von 240 Newtonmeter (mit Overboost-Funktion sind es sogar 260 Newtonmeter) zwischen 1750 und 2000 Touren zur Verfügung. Aus dem unteren Drehzahlbereich ist damit für genügend Vortrieb gesorgt, was man im Stadtverkehr zu schätzen weiß.

Stärken auf der Landstraße

Gut, mit dem Clubman kann man auch schnell fahren, genauer gesagt bis zu 193 km/h. Doch seine Stärken offenbart er auf der Landstraße, hier ist er in seinem Element. Das Fahrwerk ist glänzend abgestimmt - so können Kurven rasant genommen werden. Dazu passt auch das knackig ausgelegte manuelle Sechsgang-Getriebe und die direkt ansprechende Lenkung.

Bei normaler Fahrweise verspricht Mini einen Verbrauch von durchschnittlich 4,1 Liter - das hört sich gut an, wurde aber bei unseren Testfahrten nicht erreicht. Hier waren 1,3 Liter mehr fällig. Vielleicht wäre noch weniger möglich gewesen, doch das Start-Stopp-System im Mini war während der Minusgerade in den zurückliegenden Wochen so gut wie nicht im Einsatz - es schaltet den Motor bei Stopps nur ab einer Temperatur von 3,5 Grad ab, darunter funktioniert sie leider nicht. Doch das schmälert die Freude am Clubman nur marginal.

Spaßfreie Zone

Das Heck des Mini Clubman Foto: AG/Mertens

Das sieht bei den Preisen leider anders aus. Hier betritt man eine spaßfreie Zone: Für seine Individualität wird man von Mini kräftig zur Kasse gebeten. Hier steht der Clubman D seit März mit 22.600 Euro in der Preisliste (bis Februar er war noch für 1000 Euro weniger zu bekommen). Mit einigen Extras wie Lichtpaketen, Bordcomputer, Klimaautomatik etc. ist man schnell bei 25.000 Euro dabei. Das sorgt für ein schmerzverzerrtes Gesicht. You can drive what you want. Wenn man es denn bezahlen kann. Oder man muss wie Harold selbst das Schweißgerät in die Hand nehmen und aus einem Mini Cooper einen Clubman machen