Kauf eines Elektroautos: Von Preis bis Reichweite

Darauf sollte man achten

Ein Elektroauto an der Ladestation. © dpa

Die Elektromobilität nimmt so langsam Fahrt auf. Ab dem kommenden Jahr rechnen viele Experten mit einem Markthochlauf für Elektroautos.

Doch nicht wenige Kunden stehen vor der Frage, ob sie sich beim Kauf für einen Verbrenner oder ein Elektroauto entscheiden sollen. Neben rein ökologischen Aspekten geht es dem Neuwagenkäufer neben dem Modellangebot auch um die Infrastruktur und den Preis.


Wer sich derzeit für ein Elektroauto entscheidet, der muss deutlich mehr Geld auf den Tisch des Händlers legen als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Wer zu seinem bisherigen Fahrzeug ein elektrisch angetriebenes Vergleichsmodell aus einer ähnlichen Klasse sucht, der wird je nach Fahrzeugklasse zwischen 10.000 und 20.000 Euro bezahlen müssen – vor Abzug der Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro für ein E-Auto.

Batteriegröße bestimmt den Preis

Der Seat Mii eelctric ist das erste reine E-Auto der Spanier. Foto: Seat

Der Preis hängt bei einem E-Auto aber entscheidend von der Batteriegröße ab: je kleiner sie ist, umso günstiger ist das Fahrzeug. So kommen ab dem kommenden Jahr beispielsweise mit dem VW e-up, dem Seat Mii electric und dem Skoda Citigo iV drei Kleinstwagen mit einem Preis von je nach Hersteller zwischen 20.600 bis 22.000 Euro auf den Markt – vor Abzug der Kaufprämie. Worauf sollten E-Autokäufer achten.

Reichweite

Wer den Wagen als praktische Einkaufshilfe nutzt und keine weiten Strecken fährt, der kann mitunter auch einen E-Wagen wählen, der eine niedrige Reichweite von 150 Kilometer hat. Je nach Modell, Hersteller und Reichweite sind diese Fahrzeuge wie der Renault Twizy bereits für unter 10.000 Euro erhältlich.

Wer ein E-Auto mit großer Reichweite besitzt, der braucht sich im Alltag weniger Sorgen machen als der Besitzer eines Autos mit geringerer Reichweite. Bei seinen Fahrten sollte man die Kilometer überschlagen, die man zurücklegen will. So vermeidet man böse Überraschungen. In höherpreisigen E-Autos wird die Reichweite des E-Autos im Navigationssystem angezeigt. Dort sind im Regelfall auch die Ladestationen entlang der programmierten Strecke abgelegt.

Generell sollten E-Autofahrer die Reichweite niemals zu knapp berechnen. Jeder kennt es: Eine Straße wird gesperrt und die Umleitung ist gleich mehrere Kilometer länger. An der Reichweite zu sparen, ist somit der falsche Weg, da auch die Aufladung nicht so fix funktioniert, wie eine übliche Tankfüllung. Wer sich selbst unsicher ist oder vor Ort nicht die besten Voraussetzungen findet, der braucht dennoch nicht völlig auf das E-Auto zu verzichten. Die sogenannten Plug-in-Hybrid-Autos werden ebenfalls staatlich gefördert (3000 Euro) und lösen das Reichweitenproblem.

Kauf oder Miete der Batterie?

Je nach Hersteller kann die Batterie gekauft oder gemietet werden. So besteht beispielsweise beim Renault Zoe die Option, sie für mindestens 74 Euro im Monat zu leasen bzw. sie für 8090 Euro zu kaufen.

Wie sind die Kosten des Unterhalts?

Versicherung: Sie unterscheidet sich nicht von der üblichen Kfz-Versicherung. Es sollte jedoch eine spezielle Elektroauto-Versicherung gewählt werden, denn diese bietet mitunter den Akku-Schutz. Wichtig: Die Versicherung sollte immer den Brand am Fahrzeug oder Feuer, welches durch das Fahrzeug verursacht wurde, beinhalten, wie auch einen Passus, der die Zahlung trotz Bedienfehler des Akkus miteinbezieht. Ein genauer Blick auf verschiedene Tarife ist sinnvoll, da sich so mitunter einiges an Geld sparen lässt.

Steuern

Elektroautos sind von der Kfz-Steuer befreit. Der größte Vorteil ist natürlich. Wer sein E-Auto dienstlich nutzt, braucht den geldwerten Vorteil indes nur mit 0,5 des Bruttolistenpreises versteuern. Bei Verbrennern sind es ein Prozent.

Ladestation

Aldi Süd baut das Netz von Stromtankstellen aus. Foto: dpa

Wer die Ladestation zu Hause installiert, der sollte dies immer von einem Fachmann erledigen lassen. Sie wird mit Starkstrom betrieben, was bedeutet, dass mitunter eine neue Starkstromleitung gezogen werden muss. Die Ladung via Kabel an der gewöhnlichen Steckdose ist nicht empfehlenswert, da sie lange dauert und aufgrund der langen Steckdosenbelastung gerade bei älteren Leitungen Überhitzungsgefahr drohen kann. Akzeptable Wallboxen mit einer Ladeleistung von 11 KW kosten ab 400 Euro.

Die Infrastruktur

Die Ladeinfrastruktur gehört zu den Punkte, die viele Käufer davon abhalten, sich für ein Elektroauto zu entscheiden. Insgesamt verzeichnet das Statistische Bundesamt im dritten Quartal dieses Jahres 16.062 Stationen.

Aufteilung

Die Karte von Chargemap.com zeigt sehr deutlich, dass die Vielzahl der Stationen natürlich in den Metropolen liegt. Autointeressenten sollten also für sich vor Ort prüfen, wie es um das Ladenetz bestellt ist.

Anbieter der Ladestationen

Auch die Anbieter der Ladestationen sollten geprüft werden. Wie wird der Ladevorgang abgerechnet? Kann ich per App zahlen oder brauche ich eine Ladekarte? Wie verhält es sich mit den Anschlusssteckern? Mitunter werden Adapter notwendig.

Geschwindigkeit

In der Zahl werden alle Ladestationen erfasst, also auch die mit langsamen Ladegeschwindigkeiten. In Deutschland werden aber immer mehr Schnellladstationen errichtet wie derzeit beispielsweise die des Joint-Ventures Ionity.

Erreichbarkeit

Dem Fahrer eines E-Autos nutzt es nichts, wenn die nächsten Ladestationen Stadtteile entfernt liegen. Es sollte wenigstens eine in der unmittelbaren Nähe sein.
Besonders einfach ist es natürlich, wenn der Arbeitgeber die Elektromobilität unterstützt und auf dem Parkplatz Ladesäulen einsetzt. Auch Supermärkte bieten immer häufiger Ladeparkplätze an. Es gibt übrigens auch Probleme bei der Ladung zu Hause:

Mieter

Sie benötigen nicht nur die Genehmigung des Vermieters, die Infrastruktur der Parkplätze erlaubt eine private Ladung auch nicht. Steht der Wagen nicht an einem festen Parkplatz oder in der Garage, ist die Ladung kaum möglich. Immerhin kann das Kabel nicht aus dem Kellerfenster über den Gehweg an den Straßenrand gelegt werden.

Eigentumswohnung

Eigentümerversammlungen haben ein Mitbestimmungsrecht, wenn eine Ladestation in einem für alle zugänglichen Bereich errichtet werden soll. Darunter fällt beispielsweise die Tiefgarage. Ist eine Partei gegen eine Ladestation, hat man Pech gehabt.

Ohne Frage bedarf die Entscheidung für ein E-Auto einer längeren Überlegung. Vieles steht und fällt mit der vorhandenen Infrastruktur, deren Ausbau sich deutlich auf die Städte und Metropolen konzentriert, während die ländlichen Regionen eher auf private Angebote wie die von Supermärkten setzen müssen. Dennoch kann sich der Umstieg auf das Fahrzeug lohnen, gerade dann, wenn ein Zweitwagen gesucht wird, der keine zu hohe Reichweite benötigt.