«Wie Weihnachtsmänner ohne Rentiere»

Projekt Elektromobilität Berlin

Jürgen Großmann, Dieter Zetsche und Rainer Brüderle (v.l.) © Foto: dpa

In Berlin wurde am Donnerstag die zweite Stufe des Projekts «e-mobility» gestartet. Damit sei emissionsfreies Autofahren ab sofort möglich. Daimler-Chef Dieter Zetsche mahnte jedoch zum Realismus.

Von Frank Mertens

Der Daimler-Konzern hat am Donnerstag zusammen mit dem Stromerzeuger RWE die zweite Stufe seines Elektromobilitätsprojekts «e-mobility Berlin» eingeläutet. Mit der Übergabe von zwei Smart Electric Drive an Privatkunden sind ab sofort die ersten Elektrofahrzeuge dieser Kooperationsvereinbarung auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs.

Sechs Millionen Euro von der Regierung

«In Kopenhagen wird derzeit noch diskutiert, in Berlin wird bereits gehandelt», sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mit Blick auf den derzeit noch laufenden Klimagipfel in der dänischen Hauptstadt. Zur Förderung dieses Projekts stellt die Bundesregierung dem Daimler-Konzern eine Summe von sechs Millionen Euro zur Verfügung, wie Brüderle ankündigte. Derzeit stellt die Bundesregierung für den Aktionsplan Elektromobilität 500 Millionen Euro zur Verfügung.

«Mit dem heutigen Tag beginnen wir damit, an der Spree 100 batteriebetriebene Fahrzeuge der Marken Smart und später auch von Mercedes-Benz auf die Straßen zu bringen», sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die in Berlin an zwei Privatpersonen vergebenen Fahrzeuge, die für einen All-Inclusive-Preis von 700 Euro monatlich geleast werden können, gehören zu einer Serie von insgesamt 1000 Fahrzeugen, die seit November im Smart-Werk im französischen Hambach produziert werden. Die Smarts kommen dank einer modernen Lithium-Ionen-Batterie auf eine Reichweite von 135 Kilometern und beschleunigen in gerade einmal 6,5 Sekunden auf Tempo 60.

Einsatz in acht Ländern

Wie Zetsche sagte, plane Daimler den Elektro-Smart im nächsten Jahr in acht Ländern in Kundenhand zu geben, um weitere Erfahrungen mit dem Thema Elektromobilität zu sammeln. So werden weitere «E-Mobility-Projekte» in 2010 beispielsweise in Rom, Mailand, Pisa und Zürich auf den Weg gebracht. Beim derzeitigen Hype um das Thema Elektromobilität warnte Zetsche jedoch davor, die Erwartungen an derartige Autos zu hoch zu schrauben. «Bei allen Fortschritten wird die Reichweite batteriebetriebener Autos aus heutiger Sicht begrenzt bleiben. Das Batterie-Auto ist auch in Zukunft vor allem ein Stadt-Auto, aber genau als solches war der Smart auch von Anfang an konzipiert.» Der Daimler-Chef hob in Berlin noch einmal die Bedeutung nachhaltiger Mobilität für den Unternehmenserfolg hervor. «Eine gute Geschäftsbilanz wird es nicht ohne eine gute Ökobilanz geben.»

Smart Electrive Drive Foto: Dpa

Um das Projekt auch zum Erfolg zu bringen, bedarf es jedoch der entsprechenden Infrastruktur an Ladestationen. Ohne Strom seien Elektroautos sonst schließlich ungefähr so mobil wie «Weihnachtsmänner ohne Rentiere», sagte Zetsche. Doch dafür sorgt in Berlin der Energieversorger RWE. Er hat in Berlin bislang bereits 70 Ladestationen an zentralen Stellen der Stadt aufgebaut, berichtete RWE-Boss Jürgen Großmann. Er versicherte am Donnerstag dann noch einmal, dass RWE für dieses Projekt ausschließlich regenerativen Strom verwenden werde.

Keine Proteste

Als das Projekt «e-mobility» vor über einen Jahr vorgestellt wurde, hatte es noch lautstarke Proteste («Smart und Kohlestrom von RWE = Klimaschwein») von der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegeben. Sie hatte kritisiert, dass Daimler sich für dieses Projekt ausgerechnet RWE als Stromlieferanten ausgesucht hat.

Damals hatten die Umweltaktivisten ausgerechnet, dass ein mit Kohlestrom von RWE aufgeladener Smart nicht auf die versprochenen Null-Emissionen kommen würde, sondern auf einen CO2-Ausstoß von 90 Gramm pro Kilometer. Dieses Jahr blieb es indes ruhig. Geändert hat sich an der Auffassung von Greenpeace indes nichts. «Natürlich hat auch RWE grünen Strom im Portfolio, doch überwiegend hat man leider nicht regenerativen Strom im Angebot. Hier wird der Strom nur umdeklariert, die Ökobilanz bleibt gleich schlecht», sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck der Autogazette.

Wie RWE-Boss Großmann sagte, würde sich der Anteil regenerativer Energie am Strommix bei RWE derzeit auf fünf Prozent belaufen. Allerdings sei man dabei, diesen Anteil bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Bleibt zu hoffen, dass Großmann sich nicht an dem von ihm zitierten Kölner Sprichwort orientiert: «Versprechen und halten geht nicht»