Grüner Strom von RWE für BYD

Elektromobilität

Ladesäule von RWE und Harting © Foto: RWE

RWE bereitet den Weg in die elektrische Zukunft. Mit zwei weiteren Partnern soll der Übergang in die Elektromobilität einfacher gestaltet werden.

Von Thomas Flehmer

Der Zeitpunkt war gut ausgewählt. Am Tag als sich die Automobilhersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen auf ein modulares Stecksystem zum Laden von Elektrofahrzeugen mit einem Stecker nach der IEC 62196 – 2 Typ 2-Norm einigten, stellte der Stromanbieter RWE seinen neuen Kooperationspartner vor. Die Firma Harting arbeitet nun ganz eng mit dem Energieversorger aus Essen zusammen. Das neue marktreife Produkt des Unternehmens aus dem ostwestfälischen Karl-May-Spielort Espelkamp verkörpert die neuen Steckergeneration, die ab November in Serienfertigung geht – natürlich nach der IEC 62196-2 Typ 2-Norm.

Sich zierende Franzosen

Nun klingt die Kooperation mit einem Steckerhersteller nicht gerade umwerfend, doch im Bereich Elektromobilität kann ohne Stecker auch keine Batterie mehr aufgeladen werden. Und nicht jeder Stecker passt in jede Dose. "Wir gehen davon aus, dass sich der E-Mobility-Stecker Typ 2 Mitte 2011 als internationaler Standard durchsetzen wird", sagt Carolin Reichert, Leiterin E-Mobility bei RWE.

Auf europäischer Ebene herrscht dabei schon fast Einigkeit, dass dieser Steckertyp in Europa eingesetzt wird. Nur die Franzosen, die eher einen anderen Steckertyp bevorzugen, haben ihr Plazet noch nicht erteilt. "Die Franzosen zieren sich noch ein wenig, aber sie werden schon noch zusagen", ist sich Reichert sicher. So werde Renault mit seinen Elektrofahrzeugen auch auf das Stecksystem von Harting zurückgreifen, denn Renault ist seit geraumer Zeit auch schon Kooperationspartner von RWE.

450 Elektro-Tankstellen in Deutschland

Ladesäulen gehören in London zum Erscheinungsbild Foto: dpa

Der Vorteil bei dem Stecker von Harting gegenüber anderen Produkten liege dabei hinter dem Steckergesicht, das Reichert zufolge demnächst europäische Ausmaße annehmen werde. "Der Steckergriff ist aus Aluminium und außen gummiert", sagt Hartmut Schwettmann, Geschäftsführer Entwicklung/Produktmarketing bei Harting. Gemeinsam mit dem leicht erreichbaren Steckplatz an der Ladestromstelle avanciert das Laden von Elektrofahrzeugen zum Kinderspiel.

Und das sei nicht immer so gewesen, so Projektleiter Thorsten Günther von RWE. Etwas fummelig schien die Bedienung an den elektrischen Zapfsäulen, von denen es derzeit rund 450 Standorte in der Bundesrepublik gebe, davon ein Drittel in Berlin. Für eine monatliche Grundgebühr von 19 Euro kann der Elektrofahrer seine Batterie für weitere 22 Cent pro Kilowattstunde aufladen, wenn er nicht den Smart, Elektromini oder sonst ein elektrisches Derivat an das heimische Stromnetz anschließt.

Überschaubare Elektroflotte

Der iOn kommt noch in diesem Jahr auf den Markt Foto: AG/Flehmer

Rund 500 Standorte sollten bis Ende des Jahres in der Hauptstadt entstehen, rund 1000 in ganz Deutschland, doch "dieses Ziel werden wir nicht schaffen", sagt Reichert. Starke Bauchschmerzen verursacht die Zielverfehlung bei den Stromtankstellen, aus denen laut Reichert "nur zertifizierter Ökoström aus Wind und Wasser" fließen soll, nicht. Kein Wunder, angesichts der noch überschaubaren Elektroflotte in Deutschland.

Die deutschen Hersteller starten erst langsam ihre ersten Flottenversuche, während Mitsubishi, Peugeot und Citroen Ende des Jahres die ersten Fahrzeuge vom Band rollen lassen, die aber zumeist nur als Dienstfahrzeuge von Geschäftskunden fungieren werden.

Zwei Autos für Europa

Der e6 ist ein reines Elektroauto Foto: BYD

Und natürlich schreckt der derzeit noch hohe Preis für Elektrofahrzeuge viele Interessenten ab. Erst die Masse des Angebots wird auch den Preis sinken lassen. Darum hat RWE nach Daimler und Renault einen weiteren Autohersteller ins Boot geholt. BYD, sprich Build Your Dreams, ist der wichtigste chinesische Hersteller im Hinblick auf Elektrofahrzeuge.

Ab dem kommenden Jahr sollen deshalb ein reines Elektroauto und ein Hybridfahrzeug auf europäischen Straßen zum Flottenversuch starten und ein Jahr später in Serie gehen. Das rein elektrisch betriebene Auto E6 soll über eine Reichweite von 300 Kilometern verfügen, der Plug-in-Hybrid F3DM insgesamt 500 Kilometer schaffen.

Kompetenter Partner BYD

Angesichts der grandios gescheiterten Versuche der chinesischen Hersteller Landwind oder Brilliance nicht nur aufgrund fehlender Sicherheitsstandards wird erst einmal skeptisch schauen. Doch BYD beäugte die Versuche der beiden Mitbewerber sehr kritisch und verwies darauf, die Fahrzeuge den jeweiligen Verhältnissen anzupassen. Reichert ist deshalb vom Kooperationspartner überzeugt. "Die Chinesen lernen schnell. BYD wird den Marktstart so gut vorbereiten, damit so etwas nicht passiert."

Und BYD ist bereits jetzt als kompetenter Partner angesehen. Mit Daimler wird ein gemeinsames Elektrofahrzeug für den chinesischen Markt entwickelt und produziert und Volkswagen verwirklicht gemeinsame Träume bei der Batterietechnologie. Da könnte sich der Kreis schließen, wenn das Unternehmen aus Wolfsburg ebenso eine Partnerschaft mit RWE einginge. Doch VW ist bereits mit E.on verbandelt. Eine allzu große Vereinheitlichung schadet dem Konkurrenzgeschäft und somit dem Geschäft, ein gemeinsames Handeln bei der Steckerauswahl reicht erst einmal.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.