Die lautlose Hoffnung

Fahren unter Strom

E-Auto: der Opel Ampera © Foto: Opel

Dem Elektroantrieb kommt in den kommenden Jahren eine besondere Bedeutung zu. Noch aber bestimmen exotische Fahrzeuge das Angebot.

Von Heiko Haupt

Die Rettung rollt lautlos und elektrisch - darauf läuft derzeit im Zusammenhang mit dem Auto alles hinaus. Denn während die Hersteller noch versuchen, sich einigermaßen durch die aktuelle Krise zu lavieren, wird auch überlegt, wie die Zukunft des Automobils aussehen könnte. Nachdem einst über Wasserstoff und Brennstoffzellen als Alternative nachgedacht wurde, scheint man sich nun für den Einsatz von Elektromotoren entschieden zu haben. Doch obwohl auf den Automessen immer wieder derartige Prototypen vorgestellt werden, ist es noch ein langer Weg, bis das elektrische Auto eine Selbstverständlichkeit auf den Straßen sein wird.

Exoten im Angebot

Die Suche eines Interessenten nach einem Elektroauto für den täglichen Einsatz dürfte derzeit meist ergebnislos enden: Als groß lässt sich das Angebot in diesem Bereich wahrlich nicht bezeichnen. So hat das Unternehmen Mindset aus der Schweiz zwar ein ungewöhnlich geformtes Familienvehikel präsentiert. Doch die Finanzierung des Projekts ist ebenso wie ein Serienstart ungewiss. Schlagzeilen hat auch die US-Marke Tesla mit ihrem elektrisch betriebenen Roadster gemacht: Den gibt es sogar schon zu kaufen - Preise um die 100.000 Euro garantieren jedoch einen absoluten Exotenstatus.

Bei den Großserienherstellern findet sich meist nichts rein Elektrisches, sondern nur eine übersichtliche Anzahl von Hybridmodellen - also solchen Autos, die einen herkömmlichen Motor und eine elektrische Energiequelle kombinieren. Erfolgreichstes Beispiel ist der Prius von Toyota, auch Honda hat mit dem Insight Ähnliches im Angebot. «Faktisch gibt es derzeit kein reines Elektroauto aus der Großserienproduktion», sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum im bayrischen Landsberg.

0,5 Prozent Marktanteil

Der Tesla Roadster Foto: Tesla

Welchen Stellenwert Autos mit elektrischem Antrieb haben, zeigt eine Prognose des Automobilforschers Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: «Wir gehen für das Jahr 2009 von etwa 13,5 Millionen verkauften Autos in Europa aus. Davon werden 80.000 Fahrzeuge einen rein elektrischen oder einen Hybrid-Antrieb haben - das entspricht einem Marktanteil von 0,5 Prozent.»

Das liegt aber nicht an einem mangelnden Interesse der Autofahrer, sondern neben der allgemeinen Kaufzurückhaltung auch an der Verfügbarkeit. Denn dass die Menschen sich sehr wohl für das lautlose Fahren interessieren, zeigt zum Beispiel ein kleines Pilotprojekt von BMW und dem Stromanbieter Vattenfall: Die Firmen wollen in Berlin eine Testflotte von 50 Elektro-Minis auf die Straßen schicken - und suchten dafür Teilnehmer, die sich mit den Autos durch die Großstadt wagen wollten. Als Nutzungsgebühr wurde eine Summe von monatlich rund 400 Euro verlangt. Am Ende hatte man laut BMW-Sprecher Andreas Klugescheid deutlich über 700 Bewerber für die 50 Autos.

Ampera als Vorreiter

Bei der Präsentation mit Wolfgang Tiefensee Foto: Opel

Weil das Interesse grundsätzlich da ist, erwarten Experten für die kommenden Jahre auch mehr Modelle, die in der einen oder anderen Form auf elektrische Hilfe zurückgreifen. Dudenhöffer nennt als Zeitpunkt für eine verstärkte Markteinführung die Jahre 2010 und 2011.

Auch der krisengeschüttelte Hersteller Opel hat im März auf dem Autosalon in Genf seine elektrische Zukunftshoffnung vorgestellt: den Ampera. Das futuristisch gezeichnete Auto wird zwar als Elektrofahrzeug bezeichnet, soll dem Fahrer die Angst vor leeren Batterien aber durch einen kleinen Verbrennungsmotor nehmen. Rein elektrisch kommt der Ampera vorerst nur 60 Kilometer weit.

Große Hoffnungen in Rüsselsheim

Das Interesse am elektrischen Auto führt aber auch bei Opel zu hohen Absatzhoffnung. Der Ampera soll nicht - wie bislang üblich - in einer zwar werbewirksamen, aber kleinen Auflage entstehen: Vielmehr soll es sich laut Opel-Sprecher Patrick Munsch um eine Serienproduktion wie bei jedem anderen Auto handeln. Man gehe daher von «mehreren 10.000 Fahrzeugen» aus, die von den Bändern laufen.

Die Hoffnung scheint nicht unbegründet: Experte Dudenhöffer prognostiziert, dass schon 2015 in Europa 1,5 Millionen Hybrid- und Elektroautos verkauft werden - was dann einem Marktanteil von rund 10 Prozent entspreche. «Im Jahr 2030 wird es dann kein neues Auto mehr geben, das ohne Elektro- oder Hybridantrieb kommt.» Die reinen Elektromobile sieht Ferdinand Dudenhöffer jedoch weiterhin vornehmlich als kleinere Modelle für das urbane Umfeld. Für Langstrecken dürfte es auch in Zukunft eher der Hybrid sein.

Knackpunkt Batterie

Damit diese Prognosen eintreten, gibt es aber noch eine ganze Menge zu tun. Schließlich wurde am Verbrennungsmotor mehr als 100 Jahre entwickelt - ein Vorsprung, den andere Techniken erst aufholen müssen. Außerdem gelten immer noch die Preise der Batterien sowie deren Kapazitäten als Knackpunkt.

Und nicht zuletzt ist da auch noch das Thema Infrastruktur: Noch gibt es außerhalb von Gebäuden kaum Steckdosen oder Stromtankstellen zum Aufladen. Und wenn sich dort nichts tut, rollt die Zukunft nicht elektrisch - sie bleibt vielmehr saftlos stehen. (dpa/tmn)