Das E-Auto macht Druck

Elektromobilität

Das E-Auto macht Druck
Der Mini E an der Elektro-Tankstelle © Foto: Mini

Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Bain & Company sieht schon heute einen beträchtlichen Markt für elektrisch angetriebene Autos.

Nach Auffassung des Beratungsunternehmens Bain & Company ist das Elektroauto schon in zehn Jahren „ein Massenprodukt“. Bereits die Hälfte aller dann weltweit neu zugelassenen Fahrzeuge würde einen Elektroantrieb besitzen. Achtzig Prozent dieser Autos hätte aber „neben dem Elektroantrieb noch einen Verbrennungsmotor an Bord haben – entweder als Range Extender oder als Hybrid. Zehn Prozent aller Neuwagen werden 2020 ausschließlich durch die Batterie gespeist, also reine E-Autos sein,“ heißt es in einer aktuellen Untersuchung. Die heute noch kostentreibende Batterie-Technik würde sich infolge der Massenproduktion in hohen Stückzahlen im Jahr 2020 auf ein Drittel des heutigen Niveaus reduzieren lassen.

Gefahren für deutsche Hersteller

Die Studie geht weiterhin davon aus, dass sich das Elektroauto zunächst insbesondere bei Kunden durchsetzt, die „vom emissionsfreien und lautlosen Fahren begeistert sind“. Sie besäßen in der Regel schon ein Premiumfahrzeug im Anschaffungswert von etwa 60.000 Euro wollten das Elektroauto vor allem als Stadtwagen einsetzen. Dafür akzeptierten sie die höheren Anschaffungskosten. Das derzeitige Potenzial dieser Käuferschicht schätzt die Untersuchung mit weltweit 350.000 ein. Bain-Experte Gregor Matthies sieht durch diese Entwicklung insbesondere die deutschen Automobilhersteller herausgefordert. „Die ersten E-Autos, die jetzt auf den Markt kommen, sind Basisfahrzeuge der Klein- bis Mittelklasse“, analysiert er. „Doch das ist nicht das, was die derzeitigen potenziellen Kunden im Premium 2.0-Segment suchen. Deshalb sieht Bain die Chance der deutschen Hersteller darin, als erste Anbieter mit wirklich hochwertig ausgestatteten und fahrdynamischen Angeboten zu punkten. Aber sie müssen jetzt schnell aus den Pilot- und Kleinserien hin zu echten Serienprodukten kommen.“ Zudem weist man darauf hin, dass derzeit die größte Gefahr von neuen Anbietern auf dem Markt besteht, die sich aufgrund niedrigerer Herstellungskosten und der wesentlich geringeren Zahl der Bauteile im Antriebsstrang eines Elektrofahrzeuges etablieren könnten.

Warten auf Infrastruktur unnötig

Matthies rät, nicht auf eine zuvor funktionierende Infrastruktur zu warten. Öffentliche Ladestationen wären nur für die wenigsten Kundengruppen notwendig. 50 bis 80 Prozent der E-Auto-Nutzer verfügten über eine eigene Garage oder einen Stellplatz, an dem sie ihr Fahrzeug über Nacht an die normale Haussteckdose anschließen und aufladen könnten. Die nächtliche Ladeleistung von acht bis zehn Stunden für eine Vollladung decke bei weitem den täglichen Energiebedarf des Fahrzeugs ab. 40 bis 70 Prozent der künftigen Nutzer könnten ihr Elektrofahrzeug auf einem Firmenparkplatz im Büro aufladen, wenn der Arbeitgeber die entsprechenden Lademöglichkeiten einrichtet. (AG)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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