Elektroautobauer e.Go Mobile in der Krise

Schutzschirmverfahren beantragt

Der e.Go Life. © e.Go Mobile

Der Elektroautobauer e.Go Mobile steckt in einer tiefen Krise. Das Unternehmen hat zur Rettung des Unternehmens ein Schutzschirmverfahren beantragt.

„Die e.Go Mobile AG stellte heute einen Antrag auf Anordnung der Eigenverwaltung beim Amtsgericht Aachen“, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Dieses Verfahren bewahrt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen.


Das Gericht habe dem Antrag bereits stattgegeben, hieß es vom Unternehmen. Als vorläufiger Sachwalter ist der Anwalt Paul Fink der Kanzlei FRH einberufen worden. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet. Der Hersteller steckte bereits vor dem Ausbruch der Coronakrise in Schwierigkeiten.

Produktion steht seit Mitte März in Aachen

Seit Mitte März steht die Produktion von e.Go wie bei vielen anderen Autobauern bis auf Weiteres still. Zuvor hatte das Aachener Unternehmen angekündigt, staatliche Hilfen beantragen zu wollen. Dies sei jedoch nicht möglich gewesen, da die Hausbanken bei der Finanzierung dafür Eigenanteile hätten übernehmen müssen. „Unsere überwiegend strategischen Investoren haben uns bis hierhin stark unterstützt und uns ermöglicht, als einziges Start-Up in Europa einen E-Pkw in Serie auf die Straße zu bringen. Jetzt haben sie verständlicherweise andere Prioritäten“, sagte e.Go-Gründer Günther Schuh, der zuvor auch den Elektrotransporter Streetscooter mit aus der Taufe gehoben hatte, dessen Aus die Post zuletzt verkündet hatte.

Das Unternehmen gehe zuversichtlich in diese Phase und wolle vermeiden, Mitarbeiter zu entlassen, sagte Schuh dem „Handelsblatt“. „Ich bin jetzt einfach mal optimistisch, trotz Corona.“

Selbst gesteckten Ziele nicht erreicht

Der e.Go-Stand auf dem Autosalon Genf 2018. Foto: Mertens

Während e.Go selbst trotz des beantragten Schutzschirmverfahrens davon spricht, die Krise überstehen und 2021 und 2022 wieder stark wachsen zu wollen, ist Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer weniger optimistisch: e.Go habe derzeit einen Marktanteil von weniger als einem Prozent im Markt für batteriebetriebene elektrische Fahrzeuge. „Wenn man ehrlich ist, bedeutet das, so gut wie nicht sichtbar.“ Nach der Krise dürften alle großen Autobauer ihre Elektroautos aufwendig bewerben, prognostiziert Dudenhöffer. „Die Sichtbarkeit von e.Go wird damit noch schwächer.“

Der Aachener Elektro-Autobauer hatte 2019 seine selbst gesteckten Ziele nicht erreichen können. Statt wie ursprünglich angepeilt 1000 Autos zu verkaufen, waren es letztlich nur 540. (dpa)

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