IAA Mobility: Das Ende des ganz großen Glanzes

IAA Mobility: Das Ende des ganz großen Glanzes
Mehr als 600 Kilometer schafft der Mercedes EQE, der nicht zuletzt dem Tesla Model S Kundschaft abjagen soll © Mercedes

Corona-Pandemie und angekündigte Proteste überschatten die Messe im Wandel. Ohne den Trend zum E-Auto sähe es düster aus.

Auf der vergangenen IAA vor zwei Jahren waren E-Autos noch die hoffnungsvollen Newcomer. 2021 stehen in den Messehallen kaum noch Autoneuheiten ohne Stecker. Das hat zum einen mit dem anhaltenden Siegeszug der Elektromobilität in Westeuropa zu tun. Zum anderen mit dem neuen Fokus der nach München umgezogenen Internationalen Automobil-Ausstellung. Die nämlich trägt nun den Beinamen „Mobility“ und will bis 12. September mehr sein als eine reine Neuwagen-Ausstellung.


Schon 2019 in Frankfurt hat man ahnen können: Die ganz große Zeit der glitzernden Automobil-Messen ist vorbei. Zahlreiche Hersteller-Absagen und anhaltende Proteste von Umweltschützern trübten den Glanz von Europas Leitmesse. Der veranstaltende Automobilindustrie-Verband VDA hat das Spektakel daher gedimmt und aus der reinen Auto-Show eine Mobilitätsmesse mit Pkw, Sharing-Mobilen und sogar Fahrrädern gemacht. Die Drahtesel nehmen in München gleich zwei der längst nicht mehr übervollen Hallen ein. Kostenlos zugängliche Präsentationsflächen in der Innenstadt sollen die Messe und ihre Themen zudem in die Öffentlichkeit tragen und im Idealfall zum Nachdenken über neue Formen der Mobilität anregen.

Viele Absagen internationaler Hersteller

Präsentiert werden die Neuheiten vergleichsweise nüchtern und bescheiden. Foto: Mercedes

Eine Autoausstellung gibt es natürlich immer noch. Allerdings eine deutlich weniger glanzvolle als zu besten Frankfurter Zeiten. Weil viele internationale Hersteller abgesagt haben, hat das Ganze nun eher den Charakter einer deutschen Heimmesse mit ein paar koreanischen und französischen Gästen. Neben Hyundai, Kia und Genesis liefern Renault, Polestar und die chinesischen Marken Wey und Ora etwas weltläufiges Flair.

Weniger Aussteller bedeutet natürlich auch weniger Premieren. Der Verband der Automobilhersteller VDA zählt mit gutmütigem Blick rund 100. Wer strenger hinschaut, kommt auf ein knappes Dutzend Neuheiten, die für die normalen Verbraucher interessant sind. Fast alle davon fahren zumindest zeitweise mit Batterie. Über 600 Kilometer weit kommt auf diese Weise etwa der Mercedes EQE, der elektrische Cousin der E-Klasse, der nicht zuletzt dem Tesla Model S Kundschaft abjagen soll. Auch BMW nimmt die Kalifornier ins Visier und stellt seinem 3er den Elektro-Ableger i4 an die Seite. Gleichzeitig soll der iX die solvente X5-Käuferschaft von der E-Mobilität überzeugen. VW bleibt weiter eine starke Triebkraft für das E-Auto und gewährt einen Ausblick auf einen künftigen Kleinwagen sowie den elektrischen Bulli – beide zählen zu den Sympathieträgern der Messe.

Kaum Premieren ohne E-Schwerpunkt

Der elektrische Mégane soll die Erfolgsstory des Zoe anderthalb Klassen höher fortsetzen. Foto: SP-X

Auch die beiden wichtigsten internationalen Premiere hängen am Kabel: der elektrische Mégane soll die Erfolgsstory des Zoe anderthalb Klassen höher fortsetzen, der Kia Sportage Plug-in-Hybrid eine nahbare Alternative zum Elektro-SUV EV6 werden. Der koreanische Neuling ist auch mit Diesel oder Benziner zu haben und zählt damit neben dem BMW 2er Coupé zu den wenigen echten Pkw-Premieren ohne E-Schwerpunkt. Dabei hätte es durchaus interessante Modelle gegeben, die kurz vor Marktstart stehen, etwa das Stellantis-Trio Opel Astra, Peugeot 308 und DS4. Aber der komplette Konzern bleibt diesmal der IAA fern. Auch Toyota verzichtet auf eine Messe-Premiere für sein volumenstarkes Mini-SUV Yaris Cross. Nicht vertreten sind auch die klassischen Traumauto-Marken von Ferrari bis Bentley. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Präsentiert werden die Neuheiten vergleichsweise nüchtern und bescheiden. Hat Mercedes auf der Frankfurt-IAA noch die mehrstöckige Jahrhunderthalle bespielt, muss heute ein schnöder Standard-Messestand reichen. Im Vergleich zu Frankfurt sind die Standplätze innerhalb der Hallen auch deutlich diverser besetzt: Zulieferer stehen neben Forschungsinstituten, Wirtschaftsförderer der Bundesländer neben IT-Start-ups. Pro Halle gibt es nur einzelne Autohersteller. Wer als Besucher vor allem wegen der Fahrzeuge kommt, hat trotz der überschaubaren Zahl an Ausstellungsstücken einiges zu laufen.

Immer noch gilt: groß, schnell, stark

Die Audi-Studie Grandsphere ist nicht nur äußerlich sehr gelungen. Foto: Audi

Auch wenn statt Geprotze und Geprange zunehmend architektonische und stilistische Bescheidenheit angesagt ist, ist hinter der Fassade doch nicht alles anders als die Jahre zuvor. Das zeigt beispielhaft einer der Stars der Messe, die Audi-Studie Grandsphere Concept. Die Oberklasselimousine ist nicht nur äußerlich gelungen, sondern überführt die Innenraumgestaltung überzeugend und einigermaßen realitätsnah in die Roboauto-Ära – inklusive versenkbarem Lenkrad und Breitwand-Bildschirm.

Mit 5,35 Metern Länge, ähnlich ausladender Breite und 530 kW/721 PS bleibt sie allerdings dem alten Höher-Schneller-Edler-Motto vor allem der deutschen Autohersteller verhaftet. Audi ist da keine Ausnahme: Auch andere Hersteller setzen bei ihren E-Offensiven vor allem auf große, schnelle und starke Autos. Selbst Kleinwagenhersteller Smart verabschiedet sein wendiges Stadtauto zugunsten eines stämmigen Kompakt-SUV, von dem nun die erste Studie zu sehen ist.

Nicht „Alles in anders“ also auf der Münchner IAA. Auch die Corona-Pandemie und erneut angekündigte Proteste überschatten die Messe im Wandel. Ob es sie in dieser Form wieder geben wird, bleibt ungewiss. (SP-X)

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