DHL installiert feste Lieferstrecke für Paket-Drohne

DHL hat in China die erste innerstädtische Drohnen-Lieferstrecke eingerichtet. © dpa

Paketlieferung per Drohne? In Deutschland klingt das noch nach Zukunftsmusik. In China hat DHL Express jetzt die erste automatisierte Lieferstrecke zu einem Unternehmenskunden eingerichtet.

Die erste innerstädtische Drohnen-Lieferroute startete ihren Betrieb in der südchinesischen Metropole Guangzhou. Zwischen zwei Lande-Stationen bringen die unbemannten Fluggeräte vollautomatisch jeweils bis zu fünf Kilogramm schwere Kisten mit Express-Sendungen über eine acht Kilometer lange Entfernung. Kooperationspartner sind das Logistik-Joint-Venture DHL-Sinotrans und der chinesische Drohnenhersteller EHang. Es ist das erste Mal, dass ein internationales Express-Unternehmen eine solche Drohnen-Strecke in China betreibt.


Die Verbindung wurde speziell für einen nicht näher genannten Unternehmenskunden im Bezirk Songshanhu der 13 Millionen Einwohner zählenden Megacity eingerichtet. Er lässt seine Express-Umschläge jetzt zweimal am Tag – bei Bedarf auch öfter – per Drohne abholen und zum DHL-Servicezentrum in Liaobu in Dongguan bringen. „Die Dynamik des sich rasant entwickelnden chinesischen Marktes macht ihn zum idealen Platz für die Route», sagte Jack O’Neill, Vizepräsident bei DHL-Express in China, am Donnerstag bei der Eröffnung.

Drohne mit 260 Kilogramm Zuladung

Was mit dem Auto bisher 40 Minuten dauerte, kann per Drohne in acht Minuten erledigt werden – ohne Staus und Luftverschmutzung, wie die Betreiber betonen. Die Drohne landet auf der gelben Station, die beim Anflug automatisch das Dach für den Landeplatz öffnet. Der Kunde kann – nach Identifizierung über Personalausweis und Gesichtserkennung – eine Klappe öffnen, um seine Sendung abzugeben oder herauszuholen.

„Wir gehen davon aus, dass intelligente Drohnen-Lieferungen ausgeweitet und in weiteren Gebieten verwirklicht werden“, sagt Hu Huazhi, Gründer von EHang. Während bei der DHL-Route eine kleine Drohne vom Typ Falcon mit fünf Kilogramm Zuladung und zehn Kilometer Reichweite eingesetzt wird, stellte der Hersteller bei der Präsentation seine neue Drohne 184L vor, die sogar 260 Kilogramm laden kann. Außerdem fliegt sie 25 Kilometer weit, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern.

Nicht die erste Drohnen-Lieferung

DHL ist zwar das erste Unternehmen mit einer innerstädtischen Route in China, aber nicht das erste, das mit Drohnen seine Sendungen transportiert. Der große chinesische Online-Händler JD.com beliefert seit November in entlegene, ländliche Regionen an bestimmte Landeplätze. Von hier aus müssen die Lieferungen jedoch noch per Boten zum jeweiligen Adressaten gebracht werden.

Mehr als zwei Dutzend Ländern experimentieren mit Drohnen-Lieferdiensten. Auch der Markt in China ist riesig. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 50 Milliarden Auslieferungen an Kunden – mehr als in den USA, Japan und Europa zusammen. „Wir wollen zusätzliche Kunden auskundschaften“, sagte DHL-Express-Vizepräsident O’Neill. Es hänge aber vom Bedarf und den Genehmigungen ab. „Das ist nicht so schnell zu bekommen.“

Luftraum von Militär kontrolliert

So sprach Chinas Luftverkehrsbehörde CAAC bei der DHL-Lieferstrecke auch nur von einem Pilotprojekt. Ohnehin kontrolliert das Militär den Luftraum, was auch im zivilen Flugverkehr häufig zu Problemen und Verspätungen führt.

Wie schwierig das Drohnen-Geschäft in China sein kann, zeigte sich bei der Feier zur Eröffnung der Lieferroute am Firmensitz von EHang. Hier war eigens ein vollautomatisierter Landeplatz aufgebaut, um den geladenen Gästen die Lieferung mit dem unbemannten Fluggerät vorzuführen. Kurzfristig war aber ein Flugverbot für das Gebiet erlassen worden, so dass die Vorführung ausfallen musste. (dpa)