Bundesregierung verteidigt umstrittene Rekordfahrt

DBM Energy

Das Elektroauto von DBM Energy nach der ersten Rekordfahrt © dpa

Erstmals äußert sich nun auch die Bundesregierung zu dem Streit um die Rekordfahrt des sogenannten lekker-Mobils der Berliner Firma DBM Energy. In einer parlamentarischen Antwort widerspricht sie Kritikern des Projekts.

Die Bundesregierung hat sich jetzt erstmals zu den umstrittenen Umständen der von ihr geförderten Rekordfahrt eines Berliner Elektroautos Ende Oktober zu Wort gemeldet und Manipulationen ausgeschlossen. In ihrer Stellungnahme bestätigt sie die Angaben der Firma DBM Energy, die mit einer von ihr entwickelte Batterie in einem umgebauten Audi A2 die 600-Kilometer-Strecke von München nach Berlin gefahren war, ohne dass der Akku unterwegs nachgeladen werden musste.

In der Antwort auf eine parlamentarischen Anfrage der Grünen erklärt die Bundesregierung jetzt, warum das Projekt mit 275.000 Euro gefördert wurde. So sei es das Ziel des Vorhabens gewesen, „mit bereits heute verfügbarer Technik einen Pkw-Demonstrator zu entwickeln und zu erproben, der eine akzeptable Reichweite (mehr als 300 km) erreichen und zugleich ein Höchstmaß an Sicherheit und Umweltfreundlichkeit erfüllen kann.“

Daten zur Technik

In der Antwort widerspricht die Bundesregierung Kritikern des Projektes, die wie etwa der ADAC bezweifelt hatten, dass es bei der Rekordfahrt von München nach Berlin stets mit rechten Dingen zugegangen sei. Der ADAC hatte unter anderem bemängelte, dass bis heute keine nachprüfbaren Informationen zu der Akku-Technik vorlägen. In der Antwort dagegen heißt es: „Die Bundesregierung kann dies nicht bestätigen. Datenblätter mit technischen Angaben zum Rekordfahrzeug und Akku wurden anlässlich des VDE-Kongresses am 8. bis 9. November 2010 öffentlich gemacht und den etwa 1.600 Fachbesuchern zur Verfügung gestellt.“

Weiter heißt es in dem Papier. „Während des Kongresses bestand die Möglichkeit, das Fahrzeug vor Ort anzuschauen und sich mit Fragen an die Firma DBM Energy und den Fahrzeug-Umrüster zu wenden. Darüber hinaus ist die Akku-Technik bei der Firma PAPSTAR seit September 2010 bei Gabelstaplern im Dauereinsatz und funktioniert nach Angabe des Unternehmens bislang reibungslos (wartungsfrei, 70 Prozent weniger Stromverbrauch, keinerlei Ausfälle und Störungen).“

Weitere Überprüfungen

Die Fraktion der Grünen wollte darüber hinaus wissen, welche Maßnahmen geplant sind, um weitere Zweifel an der Technik auszuräumen? Dazu ist in dem Antwortschreiben zu entnehmen: „Die Bundesanstalt für Materialsicherheit und -forschung (BAM) führt seit dem 17. Januar 2011 auf Wunsch des BMWi ein umfangreiches Test-Programm zur Überprüfung der Sicherheit der Lithium-Metall-Polymer-Technik der Firma DBM Energy durch. Grundlage für die Tests sind die im Jahr 2009 erschienenen aktuellen Empfehlungen des UN-Prüfhandbuchs zur Beförderung gefährlicher Güter. Auf der Grundlage dieser weltweit akzeptierten Standard-Prüfmethoden für Lithium-Ionen-Speicher sind 8 Einzeltests vorgesehen: Höhensimulation, thermische Prüfung, Schwingungstest, Schlagtest, äußerer Kurzschluss, Aufprall-Test, Überladung und erzwungene Entladung. Zusätzlich wird die BAM die Crash-Sicherheit und das Brandverhalten der Zellen bei Unterfeuerung untersuchen. In den nächsten Monaten sind darüber hinaus weitere Tests mit einem kompletten Fahrzeug-Akku geplant.“

DBM Energy habe außerdem gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium bestätigt, dass mit der DEKRA ein unabhängiger Reichweiten-Check für Ende Februar 2011 vereinbart wurde. Der Termin sei bereits für Dezember 2010 vorgesehen gewesen, musste aber wegen eines Brandes in einer Berliner Lagerhalle am 11. bis 12. Dezember, bei dem das Rekord-Fahrzeug zerstört wurde, verschoben werden. Inzwischen wird ein Ersatzfahrzeug aufgebaut, mit dem die Tests nachgeholt werden sollen. (AG)