«Haben bei der Elektromobilität nichts verschlafen»

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Daimler-Chef Zetsche neben dem neuen Mercedes S-Klasse Cabrio.
Daimler-Chef Zetsche neben dem neuen Mercedes S-Klasse Cabrio. © Daimler

Weder Audi, BMW noch Mercedes haben bei der Elektromobilität für einen derartigen Hype gesorgt wie gerade Tesla mit dem Model 3. Hat man das Thema verschlafen? Nein, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Dieter Zetsche war entspannt, sichtlich locker. Das zeigt sich auch in seiner Kleidung. Statt in Anzug und Krawatte erscheint der Daimler-Chef bei öffentlichen Auftritten immer öfter in Jeans und aufgeknöpften Hemd. So war es auch auch an diesem Freitag bei der Präsentation des neuen S-Klasse Cabrios von Mercedes in Südfrankreich.

Zur Lockerheit hat Zetsche auch allen Grund. Es läuft rund für den Autobauer - und damit auch für ihn. Am Mittwoch konnte Zetsche den Aktionären bei der Hauptversammlung im City Cube in Berlin nicht nur eine Rekord-Dividende von 3,25 Euro präsentieren, sondern mit 2015 auch das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte.

Wer so etwas zu vermelden hat und auch für dieses Jahr wieder erneute Rekordwerte ankündigt, der hat keinen Grund zur Mürrigkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zetsche macht einen guten Job, der den Autobauer spätestens bis 2020 zur Spitze unter den Premiumherstellern führen soll.

Tesla gibt Taktrate vor

Doch macht Daimler alles richtig? Beispielsweise bei der Elektromobilität? Hier sorgt nicht Daimler für Schlagzeilen, sondern Elon Musk mit Tesla. Von dem gerade vorgestellten Model 3 lagen bereits innerhalb kurzer Zeit mehr als 276.000 Vorbestellungen vor. Vorbestellungen, für die der Kunde bereit war, 1000 US-Dollar zu bezahlen, ohne das Auto jemals live gesehen zu haben.

Und Daimler? Man kündigt für Ende des Jahres den neuen Elektro-Smart an. Erst als Zweisitzer, danach auch den Viersitzer. Doch was hat man jetzt im Angebot? Es gibt acht Plug-in-Hybride (bis 2017 werden es zehn Modelle sein) und die B-Klasse Electric Drive. Doch die findet im Gegensatz zu einem Tesla Model S oder jetzt dem Model 3 unter der Wahrnehmungsschwelle statt. Doch Zetsche hat keine Sorge, dass Daimler beim Thema Elektromobilität (oder der Brennstoffzelle) etwas verschlafen habe, wie er sagte. Ganz im Gegenteil.

So verweist er auf die Investition von 500 Millionen Euro in den Bau einer zweiten Batteriefabrik im sächsischen Kamenz und ein neues Elektroauto mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometer. Wann es genau auf den Markt kommen wird, dazu wollte Zetsche sich nicht äußern. Er sagte nur so viel, dass man dazu in Kürze mehr erfahren werde. Man darf gespannt sein.

Dass Tesla mit seinen E-Autos wie zuletzt dem Modell 3, das um die 31.000 Euro kosten wird, derart viel Aufmerksamkeit errregt, nötigt Zetsche durchaus Respekt ab. "Das ist eine tolle Leistung. Vor allem für ein Modell, das man noch nicht fahren kann." Doch bei aller Wertschätzung für Tesla und dessen Chef Elon Musk äußerte sich Zetsche auch kritisch. So habe Musk noch kein Thema nachhaltig vorangebracht und bislang auch noch kein Geld mit seinen Autos verdient. Das sei ein Geschäftsmodell, das für Daimler nicht in Frage käme. Würde man so verfahren, hätte man nicht eine derart ruhige Hauptversammlung wie jetzt in Berlin erlebt. Tesla hatte im Vorjahr weltweit 50.580 Fahrzeuge abgesetzt, plant in diesem Jahr mit einem Absatz von 80.000 bis 90.000 Einheiten.

Diskussion um Kaufprämie

Dass die Politik derzeit trotz einer Vielzahl von Diskussionen immer noch keine Kaufprämie verabschiedet hat, nimmt Zetsche zur Kenntnis. Er selbst, so sagt er, hätte nie eine Kaufprämie gefordert. Er habe nur darauf hingewiesen, dass man das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 nur dann erreichen werde, wenn es auch eine entsprechende Förderung gibt.

Dass seitens der Politik auch darüber diskutiert wird, dass die Autoindustrie sich finanziell an einer Kaufprämie beteiligt, eracht Zetsche als nicht sonderlich sinnig. Und wie schaut es neben der Produktion von Batterien mit der Zellfertigung in Deutschland aus? Dazu wird es auch in absehbarer Zukunft nicht kommen. "Das lässt sich wirtschaftlich nicht darstellen", so der Daimler-Chef.

Damit erteilt er zugleich dem Vorschlag der Betriebsräte von BMW, VW und Daimler nach einer gemeinsamen Zellproduktion eine Absage. Die Arbeitnehmervertreter der drei Autobauer hatten gefordert, das Geschäft mit der Zellproduktion nicht den Asiaten zu überlassen. Der Daimler-Chef warnte mit Blick auf die heimische Zellproduktion davor, einer Chimäre nachzulaufen. (AG/FM)