Feldversuch für Lang-Lkw ausgeweitet

Zwölf Bundesländer beteiligt

Feldversuch für Lang-Lkw ausgeweitet
Mehr statt weniger Verkehr durch Lang-Lkws? © dpa

An dem bis Ende 2016 dauernden Feldversuch für Lang-Lkw beteiligen sich nun auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt möchte nach Abschluss gleich in den Serienbetrieb wechseln.

Der umstrittene Test mit Riesenlastern wird auf neue Straßen ausgeweitet. Die überlangen Transporter dürfen ab sofort auf rund 90 zusätzlichen Streckenabschnitten fahren, wie das Bundesverkehrsministerium am Mittwoch mitteilte. An dem Feldversuch bis Ende 2016 sind nun zwölf Bundesländer beteiligt, neu dabei sind Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Für die gut 25 Meter langen Laster waren bisher schon rund 10.150 Kilometer Straße freigegeben, darunter mehr als die Hälfte der deutschen Autobahnen.

45 Unternehmen mit 119 Lkw am Start

"Mein Ziel ist es, nach Abschluss des Feldversuchs mit den Lang-Lkws in den Regelbetrieb zu gehen", erklärte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Skeptischer sieht das SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Zuvor brauche es den unwiderruflichen Nachweis, dass die Sicherheit im Straßenverkehr nicht beeinträchtigt werde. "Ansonsten sehe ich keine Möglichkeit, die Bedenken der Bevölkerung zu überwinden und eine breite Akzeptanz für den Lang-Lkw zu erreichen", sagte der SPD-Verkehrsexperte der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher beteiligen sich 45 Unternehmen mit 119 Lang-Lkws an dem Test, der Anfang 2012 gestartet war. Die Riesenlaster dürfen bis zu 25,25 Meter messen - 6,50 Meter mehr als sonst zulässig. Damit können zwei Lang-Lkws die Ladung von drei herkömmlichen transportieren. Die Bundesregierung erhofft sich davon Vorteile etwa für Paketdienste, Automobilzulieferer oder die Lebensmittelbranche.

„Ich bin sicher, dass zahlreiche Transportunternehmen die Chance nutzen, Ökologie und Ökonomie auf diese Weise in Einklang zu bringen. Gemeinsam mit der Landesregierung werden wir den Einsatz der Lang-Lkw jetzt konstruktiv und offen begleiten“, sagte Wolfgang Bernhard, im Daimler-Vorstand verantwortlich für Lkw und Busse. Die Lang-Lkw des Unternehmens werden ab dem 27. Juli ab die Mercedes-Benz Werke in Sindelfingen und Rastatt anfahren.

Grüne warne vor Monster-Lkw

Die Grünen im Bundestag warnen dagegen vor den "Monster-Lkws". Schon im Test gebe es "massive Sicherheitsprobleme", etwa in Kreisverkehren oder an engen Kreuzungen. "Statt Überlänge-Lkws, die ein Ärgernis für jeden Autofahrer sind, brauchen wir endlich ein Konzept, das mehr Verkehr auf die Schiene bringt und damit die deutschen Straßen von Lkws entlastet", forderte Fraktionsvize Oliver Krischer. Auch der Linken-Obmann im Verkehrsausschuss, Herbert Behrens, sagte: "Schwerer Güterverkehr gehört auf die Schiene oder Binnenschiffe."

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, mit den Lang-Lkws würden pro transportierter Tonne bis zu 25 Prozent klimaschädliches CO2 eingespart. Er forderte: "Auch die Bundesländer, die bisher noch zögern, sollten sich für den Feldversuch rasch öffnen." Komplett beteiligen sich bereits Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen, mit Einschränkungen Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Die grün-rote Stuttgarter Landesregierung hat nun auf Drängen der heimischen Autoindustrie drei Autobahnabschnitte freigegeben, dazu etliche Bundesstraßen und Nebenstrecken, die zur Belieferung von Werken benötigt werden. NRW lässt eine 17,80 Meter lange Kurzvariante der Lang-Lkw ins Land, sperrt sich aber gegen die ganz langen Laster.

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann steht Lang-Lkw nach wie vor skeptisch gegenüber, wie er unlängst im Interview mit der Autogazette gesagt hatte. „Wenn man wirklich CO2 einsparen will, braucht man nur, etwas polemisch gesagt, ein paar weniger SUVs verkaufen. Bezogen auf das gesamte CO2-Budget sind die Einsparpotenziale der Lang-Lkw bedeutungslos. Es steht ja noch nicht einmal fest und wir bezweifeln es auch, ob der Einsatz von Lang-Lkw zu einer großen CO2-Einsparung führt“, so der Grünen-Politiker.

„Warten wir jetzt erst einmal diesen Test ab. Es wäre fatal, wenn man Lang-Lkw einführt und in der Folge würden noch mehr Güter auf den Straßen transportiert und noch weniger auf der Schiene. Dann hat man für den Klimaschutz nichts gewonnen und die Straßen würden noch voller werden. Denn bei den CO2-Emissionen schneidet der Lang-Lkw deutlich schlechter ab als die Schiene", fügte Hermann hinzu, (AG/dpa)

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