EU lässt Supercredits zu

Endgültige Entscheidung am Donnerstag

Je nach Verbrennungsmotor wird mehr oder weniger Feinstaub ausgestoßen © dpa

Autohersteller können bei den für 2020 festgelegten Abgaswerten auf so genannte Supercredits setzen. Kritik gab es nach den Verhandlungen in Brüssel von den Umweltschutzverbänden.

Die EU hat sich auf neue Klimaschutz-Vorgaben für Autos geeinigt. Vertreter von EU-Staaten, Europaparlament und EU-Kommission gingen am späten Montagabend mit einem Kompromiss auseinander, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Diplomaten betonten allerdings, als verlässlich könne der Beschluss erst gelten, wenn die Botschafter der 27 EU-Staaten am Donnerstag grünes Licht geben. Das Thema ist heftig umstritten.

Supercredits bis zum Jahr 2023

Mit den Vorgaben will die EU festlegen, wie die europäischen Autobauer Grenzwerte des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) erreichen können. Für das Jahr 2020 gibt es einen Zielwert von 95 Gramm pro Kilometer im Durchschnitt aller europäischen Neuwagen.

Zum Einsatz sollen dabei nun auch spezielle Boni für Elektroautos oder andere schadstoffarme Fahrzeuge kommen. Mit Hilfe dieser Supercredits können sich Hersteller solche Fahrzeuge gleich mehrfach für ihre Klimabilanz anrechnen lassen und müssen so weniger bei konventionellen Wagen sparen. Im Jahr 2020 sollen sich die Autobauer für jedes schadstoffarme Fahrzeug zwei anrechnen lassen können, erklärten EU-Diplomaten. 2023 soll dieser Bonus auslaufen.

"Supercredits eine Subventionierung von deutschen Spritschluckern"

Greenpeace bezeichnete die Entscheidung als Ärgernis. "Wieder einmal zeigt sich die Macht der Autohersteller. Denn Premiummarken wie Daimler und BMW haben es mit Hilfe der deutschen Regierung geschafft, sogenannte Supercredits im Gesetz zu verankern", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck, "Supercredits sind Boni, die als gut gemeinte Förderung für Elektro-Autos daherkommen. De facto ist er eine Subventionierung von deutschen Spritschluckern, in dem er den Herstellern Strafzahlungen in Millionenhöhe erspart."

Lohbeck sieht damit die gesamten, auch zukünftigen Ziele in Gefahr. Für das Jahr 2025 hatte der EU-Umweltausschuss einen CO2-Ausstoß zwischen 68 und 78 Gramm pro Kilometer vorgesehen. Durch die Verschiebung der Ziele von 2020 auf 2023, wenn dann die Supercredits auslaufen, geraten auch die Ziele für 2025 in Gefahr. Greenpeace hatte sogar für 2025 ein Ziel von 60 Gramm CO2 pro Kilometer vorgeschlagen.

Solche Vorgaben hatten die Automanager in Panik versetzt. VDA-Präsident Matthias Wissmann bezeichnete die Vorgaben als Jobkiller und warnte vor kleinen, gesichtslosen Autos. Dem entgegnet Lohbeck, dass in der Vergangenheit strengere Grenzwerte auch immer der Motor für technische Innovationen waren.