Continental erwartet sinkende Profitabilität

Schwache Automärkte beeinflussen Geschäft

Continental-Chef Elmar Degenhart . © dpa

Die schwachen Automärkte haben auch Einfluss auf das Geschäft der Zulieferer: so erwartet der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental 2019 eine sinkende Profitabilität.

Die Marge auf Basis des um Sondereffekte bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde zwischen 8 und 9 Prozent liegen, teilte der Konzern am Montag in Hannover mit. Von Bloomberg befragte Experten hatten bisher für das laufende Jahr eine Marge von zirka 9,2 Prozent auf dem Zettel. 2018 fiel die Marge auf zirka 9,2 (2017: 10,8) Prozent.


Das angepeilte Margenband sei das wahrscheinlichste Szenario, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Zulieferer rechnet auch im ersten Halbjahr mit einer rückläufigen Entwicklung am Markt. „Die Abrufe im Januar in China waren ganz schwach“, sagte Schäfer mit Blick auf die Teile, die die Hersteller bei den Zulieferern für die laufende Produktion ordern. „Und wir rechnen auch mit einem ganz schwachen ersten Quartal in China.“ Seit der Jahresmitte 2018 war der chinesische Automarkt eingebrochen, weil die Verbraucher im Land sich angesichts des Zollstreits mit Autokäufen zurückhielten.

Handelsstreit zwischen China und USA belastet

Stützmaßnahmen aus Peking für den Markt wie in den Flauten vorheriger Jahre kalkuliert Conti nicht ein. „Im Moment sehen wir die nicht“, sagte Schäfer. Auf nationaler Ebene habe es unter anderem Gesetzesänderungen gegeben, die eine Senkung der Mehrwertsteuer für Autokäufe erschwerten. Neben einem schwachen China-Geschäft dürften auch der Handelsstreit zwischen USA und China sowie weiter geringe Abrufzahlen in Folge der WLTP-Umstellung in Europa den Konzern belasten.

Beim Umsatz peilt Continental 2019 einen Anstieg auf rund 45 bis 47 Milliarden Euro an. Die relativ große Bandbreite von 1,4 bis knapp 6 Prozent Wachstum begründete Schäfer unter anderem auch mit etwas Unsicherheit in der Reifensparte. Das Ersatzreifengeschäft laufe relativ stabil und folge etwa der guten Marktentwicklung in den letzten drei bis vier Jahren. Aber in der Erstausrüstung bestünden angesichts der Produktionsaussichten Unsicherheiten. Zudem hänge der Bereich ContiTech, der unter andere die Industrie mit Kunststoffteilen beliefert, von der konjunkturellen Lage ab.

Umsatz zog leicht an

Im vergangenen Jahr zog Contis Konzernumsatz nach vorläufigen Zahlen um rund ein Prozent auf 44,4 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis sank dagegen um knapp 14 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Damit wurden zumindest die im vergangenen Jahr zweimal reduzierten Ziele erreicht. An der Börse sorgten die 2019er-Ziele zunächst für Kursverluste. Die seit einiger Zeit stark unter Druck stehende Aktie gab in den ersten Minuten des Xetra-Handels bis zu 3,16 Prozent ab, konnte das Minus aber schnell reduzieren und legte am Nachmittag sogar um 0,8 Prozent zu. Der Kurs der im Dax notierten Aktie hatte in den vergangenen zwölf Monaten fast um die Hälfte nachgegeben – damit zählt das Papier in diesem Zeitraum zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex.

Über das Jahr gesehen geht Schäfer davon aus, dass das Produktionsvolumen von Autos und leichten Nutzfahrzeugen ungefähr auf dem Vorjahresniveau liegen wird – ein schwächeres erstes Halbjahr sollte durch ein besseres zweites ausgeglichen werden.

Conti gibt die Prognosen für das laufende Jahr erstmals in Bandbreiten an. Schäfer begründete dies mit dem zunehmend volatilen Marktumfeld. „In Phasen solch tiefgreifenden, technologischen Wandels in der Automobilindustrie wie derzeit und eines zunehmend mehrdeutigen, unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes suggerieren punktgenaue Prognosen eine Genauigkeit, die sie schlicht nicht mehr haben können“, sagte er.

Investoren nicht enttäuschen

Angesichts des gegenüber früheren Planungen geringeren Mengenwachstum von Mitte 2018 bis voraussichtlich Mitte dieses Jahres habe das Unternehmen seine Kostenpositionen angepasst, sagte Schäfer. Nach Einschätzung von Lampe-Analyst Christian Ludwig geht Continental dieses Mal mit den Prognosen bewusst vorsichtiger ins neue Jahr, um so die Investoren nicht wieder enttäuschen zu müssen.

Vor allem sei die Prognose für die Marge auf den ersten Blick eine Enttäuschung. Alles in allem werde 2019 erneut ein schwieriges Jahr für das Unternehmen. Er bestätigte nach den Eckdaten für 2018 und der Prognose für 2019 seine „Hold“-Einstufung und das Kursziel von 140 Euro.

Börsengang für Antriebssparte bekräftigt

Conti-Chef Elmar Degenhart bekräftigte trotz des stürmischen Marktumfelds die Pläne für den Börsengang der Antriebstechnik-Sparte. Die angekündigte rechtliche Verselbstständigung sei zum Jahresanfang planmäßig vollzogen worden. „Bis Mitte des Jahres soll die neue rechtliche Einheit für einen möglichen Teilbörsengang vorbereitet werden.“ Die Sparte soll dann auch einen neuen Namen erhalten. Dieser solle in Kürze bekanntgegeben werden, hieß es.

Schäfer sagte angesichts der Marktschwäche, die Bedingungen und der Zeitpunkt für den Börsengang müssten stimmen. „Wenn das Marktfenster nicht da ist, machen wir das auch nicht“, sagte er. „Wir haben nichts zu verschenken.“ Für den abzugebenden Teil müsse eine vernünftige Bewertung erzielt werden. Sinnvoll sei es in jedem Fall, vorbereitet zu sein und handeln zu können, wenn die Bedingungen stimmten. (dpa)

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