Krise der Autoindustrie: Continental mit Gewinnwarnung

Continental-Chef Elmar Degenhart . © dpa

Die kriselnde Autoindustrie zeigt auch beim Autozulieferer und Reifenhersteller Continental Wirkung. Beim Umsatz und Ergebnis strich der Konzern seine Ziele zusammen.

Weil die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr wohl um 5 Prozent sinken dürfte statt stabil zu bleiben, wird der Umsatz wohl nur noch 44 bis 45 Milliarden Euro erreichen, wie der Dax-Konzern am Montagabend in Hannover mitteilte. Zuvor waren 45 bis 47 Milliarden Euro angepeilt worden.


Anleger reagierten auf die Nachrichten kaum geschockt. Im Gegenteil. Die Aktien von Continental setzten sich mit einem Kurssprung von 4,70 Prozent an die Dax-Spitze. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund fünf Prozent gewonnen, in den zurückliegenden zwölf Monaten steht aber ein Minus von über einem Drittel zu Buche. Analysten hatten bereits mit einer Gewinnwarnung gerechnet. Überraschend sei dies nicht, schrieb Expertin Gungun Verma von der US-Investmentbank Goldman Sachs in einer ersten Reaktion.

Anleger bleiben gelassen

Anleger könnten angesichts der ausgeprägten Schwäche der Branche bereits mit einer Gewinnwarnung der Hannoveraner gerechnet haben. So sprach Analyst Erwann Dagorne von der Barclays Bank von einem „Deja-vu“. Experte Jose Asumendi von der US-Bank JP Morgan geht nun davon aus, dass Continental einen Sparplan vorlegen wird. Er beließ den Autozulieferer und Reifenhersteller auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 119 Euro.

Bei der um Sondereffekte bereinigten Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern rechnet das Conti-Management um Vorstandschef Elmar Degenhart nur noch mit einem Wert zwischen 7 und 7,5 Prozent. Conti war schon vorsichtig ins Jahr gegangen mit dem ursprünglichen Ziel von 8 bis 9 Prozent. Auch bei der für Investoren wichtigen Entwicklung des Bargeldzuflusses muss Finanzchef Wolfgang Schäfer zurückstecken, statt 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro Zufluss vor Zukäufen sowie der Abspaltung der Antriebssparte bleiben wohl nur 1,2 bis 1,4 Milliarden in der Kasse.

Abwärtrend hält an

„Für das zweite Halbjahr sind wir nun weniger optimistisch als zuvor“, sagte Schäfer. Grund dafür sei der fortlaufende Abwärtstrend der Autoproduktion in Europa, Nordamerika und insbesondere in China. „Auch die weiter ungelösten Handelskonflikte tragen zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei“, ergänzte er.

Das zweite Quartal lief deutlich schwächer für die Hannoveraner. Von April bis Juni erzielte Conti einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro nach 11,4 Milliarden ein Jahr zuvor. Die bereinigte operative Marge lag mit 7,8 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert von 10,2 Prozent. Allerdings seien diese Zahlen noch im Rahmen der Analystenerwartungen, gab Conti an.

Vor allem für die Autozuliefersparte, die direkt vom Produktionsvolumen der Autohersteller abhängt, werden die Aussichten aber immer düsterer. Im zweiten Halbjahr könnte es zudem zu Rückstellungen für Gewährleistungsfälle kommen, warnte Conti vor weiterer Belastung. Die Ursachen für diese möglichen Gewährleistungskosten und damit deren konkrete Höhe seien zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht aufgeklärt.

Marge nur noch bis 4,8 Prozent

Die Hannoveraner schätzen die operative Marge 2019 in ihrem größten Geschäftsbereich nun nur noch auf 4,2 bis 4,8 Prozent – im ohnehin schon schwachen Vorjahr lag sie bei 7 Prozent. Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik ist ohnehin rentabler, kann sich den Problemen aber auch nicht ganz entziehen. Auch hier senkte der Konzern die Erwartungen, allerdings nur leicht.

Conti reiht sich mit den trüben Aussichten ein in eine ganze Welle von Gewinnwarnungen und Prognosesenkungen aus der Autoindustrie, aber auch aus anderen Branchen. Seit der chinesische Markt für Autobauer und Zulieferer nicht mehr rund läuft und auch der europäische Markt gegen Produktionsrückgänge kämpft, hat die einst so erfolgsverwöhnte Branche arg zu knabbern. Conti musste bereits im vergangenen Jahr zweimal den eigenen Geschäftsausblick kappen. Zuletzt fielen auch Premiumautobauer wie Daimler und BMW mit schlechten Nachrichten auf. (dpa)

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