CO2-Grenzwerte: «Klimaschutzmotor ist aus»

Umweltverbände «gratulieren»

Auch bei den CO2-Tests wurde manipuliert.
Auch bei den CO2-Tests wurde manipuliert. © dpa

Die neuen Klimavorgaben der EU sorgen besonders bei den Umweltverbänden für Unverständnis. Während die Politiker die CO2-Grenzwerte begrüßen, sehen Greenpeace und Co. eine Aufweichung der EU-Vorgaben.

Während Politiker und Autohersteller die noch nicht abgesegneten neuen CO2-Grenzwerte bejubeln, steht die Flagge bei den Umweltschutzverbänden auf Halbmast. «Die Deutsche Umwelthilfe gratuliert den deutschen Autobossen als ehrlicher Verlierer zu ihrem erfolgreichen Kampf für mehr spritdurstige Neuwagen auf Europas Straßen», sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), Jürgen Resch, sarkastisch.

Merkel «erfolgreich ferngesteuert»

In der Sitzung am Dienstagabend haben Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten die Einsetzung des CO2-Grenzwertes von 95 Gramm pro Kilometer um ein Jahr auf Ende 2020 verschoben. Zudem werden so genannte Supercredits von 2020 bis 2022 verteilt, bei denen die geringen oder gar nicht vorhandenen Emissionen von Elektroautos oder Plugin-Hybriden mehrfach zählen und so den CO2-Flottenwert der jeweiligen Hersteller massiv senken. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Das könnte bereits am Freitag der Fall sein.

«Mit dieser Entscheidung profiliert sich der ehemalige Klimaschutzvorreiter Deutschland auch auf der internationalen Bühne endgültig als einer der wichtigsten Bremser gegen konkrete Fortschritte bei der Klimarettung», so Resch weiter. So habe Daimler-Chef Dieter Zetsche Kanzlerin Angela Merkel «erfolgreich ferngesteuert».

Greenpeace kritisiert «Aufweichung der EU-Vorgaben»

Die CDU-Politikerin hatte einen bereits im Sommer verhandelten Kompromiss in letzter Sekunden platzen lassen. «Angela Merkel bekämpft damit erneut aktiv die Klimaschutzziele, die sie 2007 als EU-Ratspräsidentin und Kanzlerin der letzten Großen Koalition beim EU-Gipfel in Brüssel selbst gegen den Widerstand anderer EU-Mitgliedstaaten durchgesetzt hatte», sagte Resch zu der 180 Grad-Wende der Kanzlerin, «der Klimaschutzmotor Deutschland stottert nicht mehr, er ist aus.»

Die Umweltorganisation Greenpeace beklagt den sich abzeichnenden Kompromiss zu Klimaauflagen für Neuwagen als «Aufweichung der EU-Vorgaben». «So machen sich Deutschland und die EU mitschuldig an den künftigen Opfern des Klimawandels», kritisierte Franziska Achterberg von Greenpeace Brüssel am Mittwoch.

Auch die Autozulieferer werden das Ergebnis aus Brüssel eher zähneknirschend hinnehmen. Für Bosch und Co. laufen die Entwicklungen für neue Systeme und Motoren, die den Grenzwert schaffen, auf Hochtouren. Eine weitere Verschiebung zieht für die Zulieferer auch hohe Kosten nach sich. (AG/dpa)