Citroen C4: Beim TÜV nicht ganz unproblematisch

Citroen C4: Beim TÜV nicht ganz unproblematisch
Die zweite Auflage des Citroen C4 wirkt gefällig. © Citroen

In der Kompaktklasse führte in Deutschland lange kein Weg am VW Golf vorbei. Daran konnte auch der Citroen C4 nichts ändern. Doch wie schlägt er sich als Gebrauchtwagen?

Eigentlich ganz gut, auch wenn die TÜV-Prüfer durchaus Beanstandungen haben. Doch der Reihe nach: Gebaut wurde der Citroen C4 (Typ N) der zweiten zwischen 2010 und 2018
Ziemlich normal sah der C4 bei seinem Debüt 2010 aus.


Anders als der Peugeot-Bruder 308, der damals mit seinem riesigen Kühlergrill für Aufsehen sorgte, hatten sich die Citroen-Designer bei der zweiten Auflage des Kompaktmodells für fast unaufdringliche Formen entschieden: Er wirkt so deutlich erwachsener und seriöser als der 308. Im Vergleich zur ersten Generation hat der C4 um 5 Zentimeter auf eine Länge von 4,33 Meter zugelegt und gehört damit zu den Großen im Segment. Die zusätzlichen Zentimeter kommen Passagieren und Gepäck zugute. Mit 408 Litern verfügt der Kofferraum zudem über überdurchschnittlich viel Volumen, mit umgelegter Rückbank passen bis zu 1.183 Liter hinein.

Sachlicher Innenraum

Auch bei der Gestaltung des Innenraums lag der Fokus auf Sachlichkeit. Die typischen Spielerein wie Parfumspender für die Klimaanlage oder das Lenkrad mit der feststehenden Nabe sucht man vergebens. Dafür gibt es einen soliden verarbeiteten Innenraum.

Anders als das Vorgängermodell gibt es die zweite Generation ausschließlich als fünftüriges Steilheck, die Rolle des Coupé-Schönlings wurde an den technisch verwandten Citroen DS4 ausgelagert, der zwischen 2011 und 2018 gebaut wurde. Obwohl dieser auf den ersten Blick wie ein Dreitürer wirkt, verfügt er durchaus über – pfiffig versteckte – Fondtüren. Eine Außenseiterrolle auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt spielt zudem die Stufenhecklimousine C4 Lounge, die vor allem für Russland und China gebaut wurde.

Facelift im Jahr 2015

2015 erhielt der Kompakte ein Facelift. Die Modelle sind unter anderem an einer leicht veränderten Lichtsignatur mit LED-Tagfahrlicht zu erkennen. Im Innenraum hält ein Sieben-Zoll-Touchscreen-Einzug.

Zum Marktstart standen drei Benziner und drei Diesel zur Wahl. Basis-Otto ist ein 1,4-Liter-Sauger mit 95 PS. Ebenfalls ein Sauger ist der aus der Kooperation mit BWM erhältliche 1,6-Liter mit 120 PS. Dieser lässt sich alternativ zum manuellen Fünfgang-Getriebe mit einer Viergang-Automatik kombinieren. Beide Sauger eignen sich eher für geduldsame Fahrer. Wer etwas mehr Punsch erleben möchte, ist beim 156 PS starken 1.6er starken Turbo mit 240 Nm besser aufgehoben. Der Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern liegt 0,2 bis 0,3 Liter über den Saugern. Allerdings wird der 156 PS-Turbo ausschließlich mit einem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe offeriert.

Benziner in Rente

Zum Facelift schickte Citroen diese Benziner in Rente. Als Ersatz fungierte bis zum Modellende ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo, der in zwei Ausbaustufen mit 110 PS und 130 PS verfügbar war. In der Spitzenversion stehen 230 Nm zum Abruf bereit, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 4,8 Litern. Anders als bei der 110 PS-Version übernimmt ein Sechsgang-Schaltgetriebe die Kraftübertragung. Optional gibt es eine Sechsgang-Automatik.

Das Dieselangebot umfasst zunächst einen 1,6-Liter mit 92 PS und 112 PS sowie einen Zweiliter mit 150 PS. Die 112 PS-Variante ist immer an das automatisierte Schaltgetriebe gekoppelt. Die Motoren begnügen sich im Schnitt mit Werten von 3,8 bis 4,7 Litern. Mit dem Facelift und der Umstellung auf die Abgasnorm Euro 6 kommen die 1.6er auf 99 PS und 120 PS und verbrauchen im Schnitt zwischen 3,3 und 3,8 Litern. Die 120 PS-Variante ist nun auch mit einer Automatik bestellbar. Der Top-Diesel mit 150 PS wird Ende 2016 aus dem Programm genommen.

Auch Keyless im Angebot

Ab Werk (Attraction) sind unter anderem Klimaanlage, elektrische Helfer für Fenster und beheizbare Außenspiegel und ein Geschwindigkeitsregler an Bord. Im zweiten Komfortniveau sorgen etwa 16-Zoll-Felgen, mehr Chrom und abgedunkelte Fenster für einen schicken Auftritt. Die höchste Ausstattung „Exclusive“ wartet mit Ungewöhnlichem wie Massagesitzen mit Teillederpolsterung auf.

Seit dem Lifting Anfang 2015 gibt es zudem ein Keyless-System und einen Touchscreen für das Cockpit. Für Sicherheit sorgen auch bei den älteren Modellen ESP und sechs Airbags, moderne Assistenten gibt es jedoch nur für die höheren Ausstattungs-Level. Beim Euro-NCAP-Crashtest erzielte der C4 2010 eine Fünf-Sterne-Bewertung.

Besseres Fahrwerk

Die gute Nachricht: Der C4 der zweiten Generation ist besser geworden. Die schlechte: Richtig überzeugen kann er die TÜV-Prüfer bei der Hauptuntersuchung (HU) trotzdem nicht. Immerhin ist der Franzose bei den oft teuren Fahrwerksproblemen eine Klasse besser geworden, ohne jedoch komplett zu überzeugen. Regelmäßigen Ärger gibt es jedoch bei den Bremsen: Die Scheiben verschleißen deutlich schneller als bei einem Durchschnittsfahrzeug. Auch die Auspuffanlage macht Ärger. Gebrauchtwageninteressenten sollten zudem auch ein Auge auf die Lichteinstellung werfen.

Der Citroen C4 ist ein Kompakter mit vielen Qualitäten: Das Design ist stimmig und keinen modischen Extravaganzen unterworfen, das Platzangebot und Verarbeitung überzeugen. Bei der HU leistet er sich aber viele Aussetzer. Hier hält er Abstand zum Vorbild aus Wolfsburg. Gebrauchtwageninteressenten holen sich am besten vor dem Kauf fachkundigen Rat ein. Um die 3.000 Euro werden für ältere Exemplare des französischen Golfs fällig. (SP-X)

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