Chevrolet Orlando: Angekommen in Europa

Neuer Familien-Van

Chevrolet Orlando: Angekommen in Europa
Der Chevrolet Orlando erhält einen modernen Turbobenziner. © Chevrolet

Chevrolet wird im März des kommenden Jahres den Orlando auf den Markt bringen. Der Familien-Van der GM-Tochter bringt alles mit, der Konkurrenz Marktanteile streitig zu machen.

Von Frank Mertens

Markus Leithe sitzt während der ersten Testfahrten des neuen Chevrolet Orlando entspannt auf dem Beifahrersitz. "Dieses Auto", sagt der Deutschland-Chef von Chevrolet, "wird uns auf unserem Wachstumskurs neue Impulse verleihen."

Diese Impulse sind auch nötig. So war das Jahr eins nach der Abwrackprämie für die GM-Tochter kein einfaches. Schließlich konnte man der Kaufzurückhaltung in diesem Krisenjahr der Branche nur ein einziges neues Modell entgegenstellen, den Kleinwagen Spark. Doch darüber müsse man jetzt nicht mehr großartig Reden, sagt Leithe. "Wir wussten, was auf uns zukommt und wir haben das Beste daraus gemacht." Dass heißt, dass Chevrolet in Deutschland dieses Jahr wohl rund 24.000 Autos absetzen wird. "Damit sind wir zufrieden." Auf den Spark, der nach Anlaufschwierigkeiten erst in den zurückliegenden vier Monaten bei den Verkäufen deutlich an Fahrt aufnehmen konnte, werden dann 10.000 Einheiten entfallen. "Er hat damit die Zielstellungen erfüllt."

Chevrolet mit sieben Modellneuheiten

Leithe blickt lieber nach vorn. Man kann es verstehen. Wer schaut schon gern auf ein Jahr zurück, in dem man seinen Kunden gerade einmal ein neues Modell anzubieten hatte. 2011 wird da ganz anders. Gleich sieben neue Modelle wird die GM-Tochter auf den Markt bringen, darunter auch den Orlando. Im Segment der Familien-Vans hatte Chevrolet seinen Kunden bislang kein Angebot machen können, ab März wird das mit dem Siebensitzer anders. Dann stellt sich der Orlando so starker Konkurrenz wie beispielsweise dem Mazda 5, dem Ford C-Max oder auch dem VW Touran.

Die Abdeckung der Mittelkonsole im Chevrolet Orlando lässt sich hochklappen Chevrolet

Dass das kein leichtes Unterfangen ist, weiß auch Leithe. Doch Chevrolet hat alles getan, sich ein Stück des Kuchens im Segment zu sichern. So wird die Einstiegsversion des Orlando, der 1.8 Liter-Benziner mit 141 PS, ab 18.990 Euro beim Händler stehen – ein Kampfpreis.

Das räumt auch Wayne Brannon im Gespräch mit der Autogazette ein, der Europachef der Marke. Doch wer neu im Segment ist, der müsse für Aufmerksamkeit sorgen. Brannon macht keinen Hehl daraus, dass man lange, sehr lange, über den Preis diskutiert habe, bis man ihn endlich festgesetzt hatte. Doch allein mit einem attraktiven Preis verkauft man keine Autos – da muss das Gesamtpaket stimmen. Und beim Orlando stimmt es.

Chevrolet Cruze machte den Anfang

Nachdem die Neuausrichtung der Marke im Vorjahr mit dem Cruze begann, setzt der Orlando diesen Weg nun konsequent fort. Spätestens mit dem Orlando ist Chevrolet bei den Standards angekommen, die die Kunden in Europa von einem Auto erwartet. Gut, dass Design des Orlando versetzt einen nicht in Verzückung, aber das tut auch ein VW Touran nicht. Der Orlando ist grundsolide und braucht sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken.

Wer sich für einen Familien-Van interessiert, dem geht es insbesondere um den Platz, der ihm und den Mitreisenden zur Verfügung steht. Im 4,65 Meter langen Orlando können bis zu sieben Personen mitfahren. Dabei sollten die beiden Sitze in der hintersten Reihe indes nur Kindern vorbehalten bleiben. Bequem können Erwachsene dort nämlich nicht sitzen – aber auch das ist bei den Mitbewerbern nicht anders.

Im Fond des Orlando sitzt es sich bequem Chevrolet

Dafür bietet der Orlando sowohl Fahrer als auch Beifahrer und den Passagieren im Fond ausreichend Bewegungsfreiheit. Vor allem überrascht der Orlando dabei mit Sitzen, die recht straff gepolstert sind und zudem einen guten Seitenhalt bieten. So etwas hätte man sich bereits von vielen anderen Modellen der Marke gewünscht. Selbst Sitzriesen brauchen sich über zu wenig Platz nicht zu beklagen.

Auch mit Blick auf die Qualität hat Chevrolet deutliche Fortschritte gemacht. Von Plastikcharme ist da nichts mehr zu spüren. Die Materialien sehen nicht nur wertig aus, sondern fühlen sich auch so an. Dabei wartet der Orlando auch mit kleinen Nettigkeiten auf, wie einer aufklappbaren Mittelkonsole, hinter der sich Kleinkram wie beispielsweise ein iPhone verstauen lässt. Dass hier und da ein paar Dinge nicht wirklich gelungen sind, soll nicht verschwiegen werden. So sind beispielsweise die Drehknöpfe für das Radio und das Navigationsgerät schlichtweg zu flach geraten: Das nervt auf Dauer und sollte bis zum Marktstart unbedingt behoben werden.

Wenig optimal ist auch die Anordnung der Instrumente gelöst. Statt hinter einer durchgehenden Scheibe sind die Instrumente separiert worden, was die Ablesbarkeit erschwert. Zudem ist der Kilometerzähler nicht korrekt ablesbar, wenn das Lenkrad in die höchste Position gestellt wird. Aber das ist es dann auch schon, was im Innenraum zu kritisieren ist.

Gutes Kofferraumvolumen

Die Seitenlinie des Chevrolet Orlando Chevrolet

Kommen wir zum Kofferraumvolumen: Hier stehen 454 Liter zur Verfügung, wenn man den Orlando als Fünfsitzer bewegt, nutzt man ihn als Siebensitzer, kommt man über Kompromisse bei der Zuladung nicht umhin, dann stehen gerade einmal nur noch 89 Liter bereit. Legt man die Sitzreihen zwei und drei um, lassen sich im Orlando 1500 Liter verstauen – der Fahrt zum nächsten Baumarkt steht also nichts mehr entgegen. Nicht ganz gelungen ist der Aufklappwinkel der Heckklappe. Große Menschen ab 1,90 Meter müssen hier den Kopf senken, um den Orlando zu beladen, wollen sie mit dem Kopf nicht gegen die Kante der Heckklappe zu donnern.

Und wie fährt sich der Orlando nun? Trotz seiner erhöhten Karosserieform erstaunlich dynamisch. Unterwegs waren wir während der Testfahrten mit dem 2.0 Liter Commonrail-Diesel mit 163 PS. Wem das zu viel Leistung ist, kann sich auch noch für die 130 PS-Version entscheiden. Doch die stärkere Version sei hier empfohlen, denn das Gefühl, damit übermotorisiert unterwegs zu sein, kommt nicht auf. Kein Wunder, mit 1655 Kilogramm ist der Orlando kein Leichtgewicht.

Der Vierzylinder-Diesel verhält sich bei den verschiedensten Fahrsituationen ausgesprochen laufruhig, nur wenn er bei höheren Drehzahlen bewegt wird, wird das Aggregat doch recht präsent. Den Sprint auf Tempo 100 bringt der Orlando in flotten zehn Sekunden hinter sich, die Spitzengeschwindigkeit wird mit 195 km/h angegeben. Das maximale Drehmoment von 360 Newtonmetern liegt bei 2000 Umdrehungen an. Der Preis des 2.0 Diesel mit 163 PS beginnt übrigens bei 23.290, der der 131 PS-Version bei 22.390 Euro. Für diesen Preis bekommt man dann aber auch schon ein anständig ausgestattetes Auto mit Klimaanlage, Einparkhilfe und CD-Radio.

2011: Noch 5000 Orlandos in Deutschland

Das Heck des Chevrolet Orlando Chevrolet

Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber keineswegs unkomfortabel. Die Lenkung könnte jedoch etwas direkter abgestimmt sein, vermittelt bei kleinen Lenkbewegungen doch zu viel Spiel. Die manuelle Sechsgangschaltung verrichtet einen guten Job, die Gänge lassen sich knackig einlegen, wenngleich bei unserem Testwagen beim Herunterschalten vom fünften in den vierten Gang es etwas hakelig zuging. "Das sind noch Fahrzeuge der Vorserie", sagt Leithe. Als Normverbrauch gibt Chevrolet für den Orlando sechs Liter an. Bei den Testfahrten standen 6,9 Liter auf dem Bordcomputer – immer noch ein guter Wert für ein solches Fahrzeug.

Nach dem Ende der Testfahrten steigt Leithe angesichts des positiven Feedbacks zufrieden aus dem Orlando und sieht sich bestätigt, dass dieses Auto der Marke in Deutschland weiteren Schwung verleihen wird. Für das kommende Jahr will Chevrolet laut Brannon in Europa mindestens 20.000 Einheiten vom Orlando absetzen, davon sollen 5000 Fahrzeuge auf Deutschland entfallen. "Vielleicht werden es am Ende auch noch ein paar mehr", sagt Leithe.

Für 2011 peilt der Chevrolet-Deutschlandchef einen Absatz von 30.000 Fahrzeugen an. Angesichts dessen, was Chevrolet mit dem Orlando und den noch in der ersten Jahreshälfte auf den Markt kommenden Captiva, der Hatchback-Variante des Cruze und dem Kleinwagen Aveo anzubieten hat, eine sehr zurückhaltende Zielsetzung. Die US-Marke ist mit seiner Qualität endgültig in Europa angekommen und die Konkurrenz braucht der Orlando auch nicht zu scheuen, nicht nur wegen seines Preises.

Keine Beiträge vorhanden