Chevrolet Cruze: Neues Bandmitglied

Als Diesel überzeugend

Der Chevrolet Cruze steht als Fünftürer bei den Händlern. © Chevrolet

Chevrolet setzt seine Modelloffensive mit der Fließheckvariante des Cruze fort. Was das jüngste Modell der GM-Tochter zu bieten hat, zeigt unser Test mit dem 1.6 Liter-Einstiegsbenziner.

Von Frank Mertens

Im Kompaktsegment wird die Musik gespielt, sagt Steffen Raschig. Hier, in der Golf-Klasse, kann so richtig Volumen gemacht werden. Und das möchte natürlich auch Raschig, der Geschäftsführer von Chevrolet Deutschland. Mittelfristig will der Manager den Absatz der GM-Tochter auf 60.000 Autos verdoppeln, in diesem Jahr dürften bereits mehr als 32.000 Autos an Kunden ausgeliefert werden. Ein wichtiges Modell zur Zielerreichung ist dabei die Fließheckvariante des Chevrolet Cruze, der bereits seit kurzer Zeit zu einem Einstiegspreis von 14.990 Euro für den 1.6 Liter-Benziner mit 124 PS bei den Händlern steht.

Hohe Nachfrage nach Fünftürer erwartet

Momentan werden vom Viertürer pro Monat 500 Autos verkauft. Das ist für einen Importeur wie Chevrolet nicht schlecht, aber letztlich zu wenig für einen ambitionierten Manager wie Raschig, auch wenn er das so nicht sagt. Raschig verspricht sich einiges vom neusten Modell. "Ich gehe davon aus, dass zukünftig 80 Prozent der Verkäufe beim Cruze auf den Fünftürer entfallen", glaubt er. Die Kunden will Raschig außerhalb des GM-Konzerns für den Chevrolet Cruze gewinnen, in Konkurrenz zur Schwestermarke will er mit dem neusten Modell nicht treten, wie er nachdrücklich betont.

Das Cockpit im Cruze ist übersichtlich gestaltet Chevrolet

Doch was hat der 4,51 Meter lange Cruze nun zu bieten außer einem attraktiven Einstiegspreis? Zum einen ein durchaus ansprechendes Design, dem eine dezente Dynamik bei seinem äußeren Auftritt nicht abzusprechen ist. Die Linienführung beim Cruze ist nicht nur auf der Motorhaube markant, sondern setzt sich auch mit einer leicht nach hinten ansteigenden Seitenlinie fort.

Das Heck wird von der abfallenden Dachlinie mit dem dezent über der Heckklappe angebrachten Spoiler bestimmt. Der Cruze sorgt so zwar für kein Design-Erlebnis der besonderen Art, doch verstecken muss er sich auch nicht.

Ansprechende Qualität im Innenraum

Der Innenraum bietet bei Chevrolet mittlerweile eine Qualität, über die man sich nicht zu beklagen braucht. Die Materialien sehen anständig aus, fühlen sich überwiegend auch ebenso gut an. Der gute Gesamteindruck wird indes ein wenig von silbernen Plastikapplikationen am Lenkrad gestört, die den Eindruck von Chrom vorspiegeln sollen.

Auch der Plastikdeckel des kleinen Ablagefachs auf der Mittelkonsole macht nicht den Eindruck, als würde er sehr stabil sein. Doch das sind Kleinigkeiten. Der Rest überzeugt: Die Sitze sind europäisch straff und bieten einen guten Seitenhalt. Auch im Fond braucht man sich über zu wenig Platz nicht beklagen. Hier finden zwei Erwachsene und ein Kind ausreichend Platz. Trotz der abfallenden Dachlinie gibt es im Cruze auch ausreichend Kopffreiheit, worüber sich vor allem Großgewachsene freuen. Der Kofferraum im Cruze bietet mit 413 Liter ausreichend Zulademöglichkeiten, um auch mit der Familie in den Urlaub zu fahren. Legt man die Rücksitze um, werden es 883 Liter.

Der Kofferraum bietet 413 Liter Volumen Chevrolet

Und wie schaut es mit den Fahrleistungen aus? Der Einstiegsbenziner ist trotz seiner 124 PS kein Ausbund an Agilität. Wer sich für diese Motorisierung mit einem maximalen Drehmoment von 154 Nm entscheidet, der muss sich in Zurückhaltung üben und keinen gesteigerten Wert auf Sportlichkeit legen. Den Sprint auf Tempo 100 absolviert der 1305 Kilogramm schwere Cruze in zwölf Sekunden, für den Zwischensprint von 80 auf 120 km/h werden im fünften Gang 20 Sekunden benötigt. Die Spitzengeschwindigkeit wird bei 190 km/h erreicht. Das manuelle Fünfganggetriebe verrichtet ebenso einen guten Job wie die direkt ansprechende Lenkung.

Nicht zu beanstanden ist auch das straff abgestimmte Fahrwerk. Als Durchschnittsverbrauch verspricht Chevrolet für den Cruze 6,6 Liter auf 100 Kilometer (CO2-Wert 153 g/km). Ein Wert, der bei den Testfahrten nicht erreicht wurde, doch mit 7,4 Litern braucht er sich hinter Wettbewerbern nicht verstecken.

Selbstbewusste Ansage

Das Heck des Chevrolet Cruze Chevrolet

Auch wenn der 1.6er-Benziner nicht die sportlich orientierten Fahrer anspricht, reicht er dennoch für alle anderen Fahrer vollkommen aus, die bequem von A nach B kommen wollen. Wer auf mehr Dynamik aus ist, dem sei der überzeugende 2.0 Liter-Diesel mit 164 PS empfohlen. Der Commonrail-Diesel mit seinem manuellen Sechsganggetriebe verfügt über ein maximales Drehmoment von 360 Nm, das zwischen 1750 und 2750 Touren anliegt. Dieses Aggregat passt bestens zum Cruze und kann mit seinen Fahrleistungen (0 auf 100 in 8,5 Sekunden) vollauf überzeugen.

Mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern lag der Diesel nach Ende der Testfahrten auch nur um 0,3 Liter über dem vom Hersteller angegebenen Wert. Dieses Aggregat lässt sich Chevrolet in Kombination mit der höchsten Ausstattungsvariante LTZ aber auch mit stolzen 22.450 Euro bezahlen. Das ist eine selbstbewusste Ansage. Doch selbstbewusst sind auch die Absatzziele der GM-Tochter.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.