DriveNow: Carsharing-Projekt startet in Berlin

Kooperation von BMW und Sixt

DriveNow gibt es unter anderem auch in Berlin. © DriveNow

Nach München startet nun auch in Berlin das gemeinsame Carsharing-Projekt DriveNow von BMW und Sixt. Zum Start stehen in der Hauptstadt zunächst 250 Fahrzeuge im Innenstadtbereich zur Verfügung.

Von Frank Mertens

Carsharing setzt sich immer mehr durch. Nach dem Erfolg des Carsharing-Projekts Car2Go von Daimler entdecken immer weitere Autobauer wie beispielsweise VW Audi oder neuerdings auch Opel dieses Mobilitätskonzept für sich. Nun bringt der Autobauer BMW zusammen mit dem Autovermierter Sixt sein Carsharing-Projekt DriveNow auch nach Berlin.

Carsharing DriveNow startete in München

In München läuft das Gemeinschaftsprojekt von BMW und Sixt bereits seit dem 9. Juni dieses Jahres. Mit großem Erfolg, wie DriveNow-Geschäftsführer Andreas Kottmann am Donnerstag in Berlin sagte. Dort werden die 300 Fahrzeuge des Typs Mini und BMW bereits von 6000 Nutzern bewegt. „Eine Zahl, die uns in so kurzer Zeit überrascht hat.“ In Berlin wird DriveNow zunächst 250 Fahrzeuge auf die Straßen der Hauptstadt schicken, deren Zahl bereits bis zum nächsten Jahr auf 500 Fahrzeuge ansteigen soll. Auch hier erwartet Kottmann eine große Nachfrage. Bereits vor dem offiziellen Start liegen fast 1000 Registrierungen vor.

„Junge Menschen wollen selbst kein eigenes Auto mehr besitzen. Für sie rückt ein Fahrzeugkauf in weite Ferne“, sagte Kottmann. Dieser Gruppe will DriveNow ein entsprechendes Mobilitätsangebot machen: Unkompliziert auf ein Auto zurückgreifen können, ohne jedoch ein eigenes Auto besitzen zu müssen - und das zu einem überschaubaren Preis. Die Anmeldung kostet einmalig 29 Euro und für die Nutzung fallen pro Minute 29 Cent an. In dieser Gebühr enthalten sind alle Kraftstoff-, Versicherungs-, Park- und Reinigungskosten. Wer die Fahrt unterbricht, beispielsweise um Shoppen zu gehen, muss pro Minute zehn Cent bezahlen, falls er seine Buchung zuvor nicht unterbricht. Wer sich beispielsweise neben einem BMW 1er für einen im Angebot befindlichen Mini entscheidet, braucht pro Stunde jedoch maximal nur 14,90 Euro bezahlen.

Keine feste Stationen erhöhen Flexibilität

Das Besondere an DriveNow ist die Flexibilität, wie die Verantwortlichen betonen. So muss das Auto nicht an einer festen Station abgeholt werden, sondern steht irgendwo im Innenstadtbereich zur Verfügung und kann dort ebenso wieder abgestellt werden. Um das Ziehen eines Parkscheins muss sich der Nutzer eines DriveNow-Fahrzeuges übrigens beim Abstellen seines Fahrzeuges im Regelfall nicht kümmern. Denn in den Berliner Bezirken, in denen es eine Parkraumbewirtschaftung gibt , also Gebühren anfallen, werden diese vom Fahrzeug automatisch über das Handy-Parken beglichen.

Den Standort des nächsten verfügbaren Fahrzeugs erfährt der Nutzer übrigens entweder über eine App auf seinem Smartphone oder über einen Anruf in der DriveNow-Zentrale. Für die Nutzung des Fahrzeuges bedarf es noch nicht einmal eines Schlüssels, dafür reicht ein auf dem Führerschein angebrachter Chip, um das Fahrzeug über das Lesegerät an der Windschutzscheibe zu öffnen. Für das Starten des Fahrzeuges reicht dann die Eingabe des persönlichen Pincodes.

Mit einer App können die Standorte der Fahrzeuge von DriveNow angerufen werden DriveNow

Wie beim klassischen Carsharing mit festen Abhol- und Rückgabestationen, bei dem laut dem Bundesverband Carsharing (BCS) im vergangenen Jahr ein Zuwachs um 20,3 Prozent auf 190.000 Teilnehmer gemessen wurde, erfreut sich auch das flexible Carsharing hoher Zuwachsraten. Kottmann rechnet laut ihm vorliegenden Erhebungen damit, dass die Zahl der Carsharing-Nutzer von 170.000 im Jahr 2009 bis 2016 schon auf 1,6 Millionen anwachsen wird. Davon will auch DriveNnow profitieren, entsprechend denken BMW und Sixt laut Kottmann auch darüber nach, perspektivisch auch in anderen Städten in Europa mit DriveNow aktiv zu werden. Entscheidungen, welche Städte folgen sollen, gibt es indes noch nicht, zumindest äußert man sich hierzu noch nicht.

Wegbereiter für Elektromobilität

Da BMW im Gegensatz beispielsweise zu der Daimler-Tochter Smart noch kein eigenes Elektroauto auf dem Markt hat, gibt es ein entsprechendes E-Auto auch nicht in der DriveNow-Flotte. Doch das soll anders werden, wie Kottmann verspricht, der Carsharing als Wegbereiter für die Elektromobilät ansieht. Schon im kommenden Jahr sollen Testweise die ersten E-Autos in die Flotte aufgenommen werden. „Ein BMW i3 wäre hier ein ideales Auto.“ Das Elektroauto BMW i3 wird jedoch erst ab 2013 auf den Markt kommen.

Neben einem BMW 1er gehört auch der Mini zur Flotte DriveNow

Doch bis dahin sei Carsharing auch mit der bisherigen Flotte gut für die nachhaltige Mobilität, sagte Friedemann Kunst von der Berliner Senatsverwaltung, die das Carsharing-Projket begrüßt. Bereits heute sei es so, dass ein Carsharing-Fahrzeug „fünf bis acht Fahrzeuge ersetzt“, die sonst individuell angemeldet worden wären.

So wie DriveNow beispielsweise derzeit mit dem ADAC kooperiert, der seinen Mitgliedern günstigere Tarife anbietet, so wäre es natürlich wünschenswert, wenn es auch zu einer Kooperation mit der BVG kommen würde, den Berliner Nahverkehrsbetrieben, findet Kunst. Ein Ansatz, dem auch Kottmann offen gegenüber steht. Schließlich sind bereits heute zwei Drittel der Carsharingnutzer auch mit dem Öffentlichen Nahverkehr unterwegs.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.