«Cadillac muss sich mit Jaguar Land Rover messen»

Cadillac Europa-Chef Thomas Sedran

Thomas Sedran wird Chefstratege bei VW.
Thomas Sedran wird Chefstratege bei VW. © AG/Flehmer

Cadillac startet einen neuen Anlauf in Europa. Im Interview mit der Autogazette spricht Cadillac-Chef Thomas Sedran über den Aufbau eines neuen Images, neue Modelle und den Beitrag zur strengeren CO2-Norm.

Mit dem CTS startet Cadillac einen neuen Anlauf, um in Europa Fuß zu fassen. «Der Unterschied zum letzten Versuch besteht darin, dass wir dieses Mal sehr viel in Eigenregie machen. Wir haben einen Fünfjahres-Plan aufgestellt, der auf realistischen Stückzahlen und Wachstumsraten basiert», sagt Cadillac-Chef Thomas Sedran im Interview mit der Autogazette. So hofft Sedran in diesem Jahr auf eine Verdoppelung der Verkaufszahlen in Europa. «Wenn wir den Absatz der 400 Einheiten des letzten Jahres verdoppeln, würde noch keiner eine Champagnerflasche aufmachen, aber das wäre okay.»

«Müssen Modernisierung der Marke darstellen»

Für den neuen Anlauf wurde das Marketingbudget verfünffacht. Doch viel wichtiger ist Sedran der Aufbau eines neuen Images. «Wir müssen die Modernisierung der Marke darstellen. Viele verbinden Cadillac noch mit Pink Cadillac, großen Motoren, Heckflossen und natürlich viel Sprit. Die heutigen Cadillacs sind sehr viel moderner und eigenständig. Das müssen wir rüberbringen.»

Zugleich wird Cadillac die Angebotspalette nach unten erweitern «und auch bei den Motoren werden wir im Hinblick auf den ab 2021 geltenden CO2-Ausstoß von 95 Gramm tätig werden, auch wenn wir den Vorteil genießen – wie andere Premiummarken auch – in einem Konzernverbund eingegliedert zu sein», so Sedran, «aber wir müssen natürlich auch von unserer Seite einen Beitrag leisten.»

«Realistische Stückzahlen und Wachstumsraten»

Mit dem CTS startet Cadillac einen neuen Anlauf in Europa.
Der neue Cadillac CTS Cadillac

Autogazette: Herr Sedran: Sie bekleiden jetzt innerhalb eines dreiviertel Jahres nach Opel und Chevrolet bei Cadillac den dritten Chefposten eines Unternehmens. Welchen Posten werden Sie am Ende des Jahres bekleiden?

Thomas Sedran: Zunächst einmal ist es nach wie vor noch derselbe Posten. Denn auch zum 1. Juli 2014 war der Titel «President Managing Director Chevrolet and Cadillac Europe». Und ich habe ja noch ein wenig zu tun hier. Chevrolet geht noch bis Ende 2015 und der Aufbau von Cadillac wird einige Jahre andauern, um die Marke richtig zu etablieren.

Autogazette: Chevrolet verlässt den europäischen Markt und Cadillac versucht den dritten Anlauf in Europa seit 2008. Was macht Sie denn optimistisch, dass der Anlauf diesmal gelingen wird?

Sedran: Der Unterschied zum letzten Versuch besteht darin, dass wir dieses Mal sehr viel in Eigenregie machen. Wir haben einen Fünfjahres-Plan aufgestellt, der auf realistischen Stückzahlen und Wachstumsraten basiert. Wir haben relativ vernünftige Marketingbudgets, die nicht auf den reinen Verkauf von Fahrzeugen zielen, sondern auch auf den Aufbau der Marke. Der Plan wurde intensiv über vier, fünf Monate mit GM-Chefin Mary Barra und dem Opel-Aufsichtsratsvorsitzenden Dan Amman diskutiert. Wir erfahren eine hundertprozentige Unterstützung und können beweisen, dass wir es ernst meinen.

Autogazette: Wie sieht die Unterstützung aus?

Sedran: Wir können Geld in die Hand nehmen, um die Marke bekannter in Deutschland, der Schweiz und anderen Kernmärkten zu machen.

«Starten auf einem sehr niedrigen Niveau»

Der Cadillac ATS ist der kleinste Vertreter der Modellpalette.
Der Cadillac ATS Cadillac

Autogazette: Welche Zahlen sollen dann in fünf Jahren stehen?

Sedran: Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Zahlen werden wir erst kommentieren, wenn wir sicher sind, diese Zahlen zu erreichen.

Autogazette: . . . Cadillac fängt aber in Europa quasi bei Null an . . .

Sedran: . . . wir starten auf einem sehr niedrigen Niveau. In Europa verfügen wir derzeit über 40 Händler und 140 Servicepunkte, haben im letzten Jahr aber kaum Verkauf gehabt. Von der Marketingseite her waren wir im letzten Jahr nur in Frankfurt und Genf vertreten. Dieses Jahr haben wir das Marketingbudget verfünffacht. Da wir in diesem Jahr den Autosalon Paris im Herbst auslassen werden, werden wir mehr in Direktmarketingmaßnahmen investieren.

Autogazette: Wie viele Cadillacs wurden im letzten Jahr in Europa zugelassen?

Sedran: Um die 400 Einheiten in Westeuropa. Hinzu kommen etwa 1500 Einheiten in Russland.

Autogazette: In wie weit wird die Krim-Krise den russischen Markt beeinflussen?

Sedran: Schwierig vorherzusagen, wie sich das Geschäft in Russland weiterentwickelt. Kurzfristig ist erkennbar, dass das Verbraucherverhalten negativ beeinflusst wird. Aber ich glaube, derzeit kann keiner Prognosen aufstellen.

«Müssen Marke präsenter gestalten»

Der Cadillac Escalade kostet unter 95.000 Euro.
Cadillac hat den Hybridantrieb beim Escalade eingestellt Cadillac

Autogazette: Müssen Sie ein neues Image für Cadillac aufbauen?

Sedran: Ja. Wir müssen Wege finden, die Marke bei den potenziellen Kunden präsenter zu gestalten. Und wir müssen die Modernisierung der Marke darstellen. Viele verbinden Cadillac noch mit Pink Cadillac, großen Motoren, Heckflossen . . .

Autogazette: . . . hohe Verbräuche . . .

Sedran: . . . und natürlich viel Sprit. Die heutigen Cadillacs sind sehr viel moderner und eigenständig. Das müssen wir rüberbringen.

Autogazette: In Deutschland wurden im letzten Jahr 138 Cadillacs verkauft, davon mit 69 Stück genau die Hälfte des großen SUV Escalade. Wird dadurch nicht dem alten Image gefrönt?

Sedran: Der Escalade ist eine Ikone der Marke, ein Fahrzeug für eine sehr spezifische Zielgruppe. Der Spritverbrauch ist im Vergleich zu den Mitbewerbern mit Fünf- oder Sechslitermotoren okay. Es ist sicherlich kein Ökofahrzeug. Fahrzeuge in dieser Größenordnung haben einen gewissen Energiebedarf. Und viele der verkauften Escalade waren Hybridfahrzeuge . . .

Autogazette: . . . die nicht mehr produziert werden . . .

Sedran: . . . dafür haben wir jetzt eine Zylinderabschaltung an Bord. In der Corvette zeigte der Motor mit Zylinderabschaltung erstaunlich niedrige Verbräuche an.

Autogazette: Bisher stehen im Angebot von Cadillac fünf Modelle. Wie viele neue Modelle können in den nächsten Jahren erwartet werden?

Sedran: In Richtung 2020 werden wir den Bedarf unserer Modellpalette nach unten erweitern. Und auch bei den Motoren werden wir im Hinblick auf den ab 2021 geltenden CO2-Ausstoß von 95 Gramm tätig werden, auch wenn wir den Vorteil genießen – wie andere Premiummarken auch – in einem Konzernverbund eingegliedert zu sein. Aber wir müssen natürlich auch von unserer Seite einen Beitrag leisten. Ein Fahrzeug wird der ELR sein . . .

Autogazette: . . . ein rein elektrisch angetriebenes Coupé, das 2015 in Europa eingeführt werden soll . . .

Sedran: . . . aus meiner persönlichen Sicht das perfekte Auto für den wohlhabenden Pendler, der im Taunus wohnt und seine Anwaltskanzlei in Frankfurt hat.

Warten auf Dieselmotor von Cadillac

Autogazette: Europa ist Dieselmarkt. Ist es ein Nachteil, keine Diesel im Angebot zu haben?

Sedran: Es ist definitiv ein Vorteil, wenn man einen wettbewerbsfähigen Diesel im Angebot hat, der die Anforderungen des Premiumsegmentes erfüllt. Daran arbeiten wir.

Autogazette: Wann kann mit einem Dieselmotor gerechnet werden?

Sedran: Wenn wir genau wissen, wann die Diesel in die Autos kommen, werden wir dieses kommunizieren.

Autogazette: Drei Jahre dauert ungefähr die Entwicklung eines Motors. Das heißt, die Entwicklung hat gerade begonnen?

Sedran: Wir arbeiten als Konzern seit über einem Jahr an einer modularen Fahrzeug- und Powertrain-Architektur. Cadillac ist Bestandteil dieser Architektur. Wir haben den Anspruch, dass die Fahrzeuge Premiumkunden zufrieden stellen.

«Wollen keine Paläste, sondern Markenwelten»

Der Cadillac SRX Cadillac

Autogazette: Wie viele Händler und Standorte sollen in Europa installiert werden?

Sedran: Zunächst ist es für uns wichtig, dass die Partner, mit denen wir bereits zusammenarbeiten, Geld verdienen. In den nächsten Jahren werden die Volumina nicht so hoch sein, dass dabei große Vermögen zustande kommen. Von heute 40 Händlern werden es mit Sicherheit in der Zukunft an die 100 bis 120 sein. Wie schnell wir in dieser Beziehung wachsen werden, wollen wir vom Verkaufserfolg der Fahrzeuge abhängig machen und auch vom Erfolg der Vertriebsformate, die wir mit unseren Händlern betreiben werden.

Autogazette: Wie werden diese aussehen?

Sedran: Wir wollen weniger in Bau, Steine, Erden investieren. Wir planen also keine großen Niederlassungen oder Paläste, sondern wollen Markenwelten auf 200 oder 300 Quadratmetern darstellen. Diese Markenwelten werden wir dann mit Test-Drive-Centern oder Event-bezogenen Vertriebsmaßnahmen.

Autogazette: Steht auch ein Hotel-Lounge-Konzept à la Infiniti zur Diskssion?

Sedran: Das ist eine der Optionen. Ob dieses Konzept vom Return-Investment gut ist, sehe ich kritisch, weil der Traffic nicht hoch genug ist. Aber man muss auch gewisse Dinge ausprobieren.

«Cadillac muss sich mit Jaguar Land Rover messen»

Der Range Rover Evoque begeistert eher männliche Vertreter.
Der Range Rover Evoque als Vorbild Land Rover

Autogazette: Sie haben in Genf Jaguar Land Rover als Vorbild bezeichnet . . .

Sedran: . . . damit meine ich nicht nur die Fahrzeuge und Bodystyles, sondern auch die Motoren. Jaguar Land Rover haben ganz gute Dieselmotoren und haben mit dem Evoque ein sehr erfolgreiches Fahrzeug auf den Markt gebracht. Das ist sicherlich eine Größenordnung, mit der sich Cadillac messen muss.

Autogazette: Das heißt, bei Cadillac wird auch ein Fahrzeug wie der Evoque kommen?

Sedran: Das wäre ein Fahrzeug unterhalb des SRX. Wenn wir einen Beitrag zu 95 Gramm CO2-Ausstoß leisten wollen, müssen wir Fahrzeuge in dieser Größenordnung anbieten.

Autogazette: Welche Zahl verkaufter Einheiten in Europa schwebt Ihnen bis zum Ende des Jahres vor?

Sedran: Wenn wir den Absatz der 400 Einheiten des letzten Jahres verdoppeln, würde noch keiner eine Champagnerflasche aufmachen, aber das wäre okay.

Das Interview mit Thomas Sedran führte Thomas Flehmer