Bisher kein «EU-Knöllchen» in Deutschland vollstreckt

Eine Frage der Zeit

Raser sind am häufigsten in der Flensburger Datei vertreten © dpa

Seit Herbst 2010 können im Ausland begangene Verkehrsdelikte auch in der Heimat vollstreckt werden. Bußgeld musste bisher noch nicht gezahlt werden, doch sollten sich Autofahrer auf Auslandsreisen an die Verkehrsregeln halten.

Drängeln in Dover, Brettern am Brenner: Für Verkehrsverstöße im Ausland musste bislang noch kein deutscher Autofahrer zahlen, der nicht an Ort und Stelle zur Kasse gebeten wurde. Zwar dürfen seit Herbst 2010 hierzulande Bußgeldbescheide aus anderen EU-Ländern vollstreckt werden. Seitdem seien aber gerade einmal 247 «EU-Knöllchen» beim Bundesamt für Justiz (BfJ) in Bonn eingegangen - überwiegend aus Holland, teilte der TÜV Süd mit. Und Bußgeld eingefordert wurde noch in keinem Fall, weil das BfJ Rücksprachebedarf über rechtliche Details mit den Behörden im Ausland hat, erklärte die Prüforganisation.

Vorsicht vor Fehlinterpretation

Raser und andere Verkehrsrüpel seien allerdings vor einer Fehlinterpretation dieser Situation gewarnt: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Bußgelder eingetrieben würden, betonte ein Sprecher. Autofahrer sollten sich vor Auslandsreisen deshalb gut über die Verkehrsregeln des jeweiligen Landes informieren und sich auch daran halten. Denn für Verkehrssünden im Ausland drohen teilweise deutlich höhere Geldstrafen als für Verstöße auf deutschen Straßen, wie eine exemplarische Übersicht des TÜV Süd zeigt:

Temposünden: In Großbritannien sind bis zu 2900 Euro fällig, wenn das Tempolimit um mehr als 50 km/h überschritten wird. Die Polizei in Österreich verlangt in diesem Fall maximal 2180 Euro, ihre französischen Kollegen fordern bis zu 1500 Euro.

Hohe Bußgelder

Alkohol: In den meisten Ländern liegt der Grenzwert für Kraftfahrer bei 0,5 Promille. In Polen und Schweden sind es nur 0,2 Promille. Ein striktes Alkoholverbot gilt in Tschechien und Ungarn. Wer sich angetrunken ans Steuer setzt, muss in Tschechien mit Bußgeldern ab 400 Euro rechnen, in Ungarn ab 370 Euro.

Telefonieren: Autofahrer, die in Italien mit einem Handy am Ohr erwischt werden, zahlen mindestens 150 Euro Strafe. 180 Euro kassieren die holländischen Behörden, 100 Euro die Belgier. Mit 40 Euro und einem Punkt auf dem Flensburger Konto fällt die Strafe für Handytelefonierer in Deutschland dagegen vergleichsweise gering aus. Nur in Schweden gibt es kein ausdrückliches Handy-Verbot am Steuer.

Rote Ampeln: Bei Rot über eine Kreuzung in Italien zu brettern, kann mit mindestens 310 Euro sehr teuer werden. In Kroatien müssen Rotlichtsünder mit 270 Euro Bußgeld rechnen, in Italien ab 160 Euro aufwärts. Da sind die Behörden in Polen und Österreich etwas nachsichtiger: Sie verlangen 75 beziehungsweise 70 Euro. (dpa/tmn)