Experten sehen durch Brexit nur kurzfristige Probleme

BMW betont zurückhaltend

Mini-Produktion in Oxford
Mini-Produktion in Oxford © Mini

Der Brexit werde der deutschen Autoindustrie laut des Instituts für Automobilwirtschaft auf lange Sicht keine negativen Folgen nach sich ziehen. Institut-Chef Willi Diez sieht in dem Finanzplatz Großbritannien eine Art zweiter Schweiz entstehen.

Der Brexit hat für die deutsche Autoindustrie nach Einschätzung eines Experten auf lange Sicht keine negativen Folgen. Nach kurzfristigem Kurseinbruch werde das britische Pfund wohl stärker und dadurch den Absatz deutscher Autos in Großbritannien ankurbeln, sagte der Chef des Instituts für Automobilwirtschaft (Ifa), Willi Diez, am Freitagmorgen. "Für die deutsche Automobilindustrie wird es nur kurzfristig schwieriger."

Seine Argumentation: Der Finanzplatz Großbritannien könnte zu einer Art zweiter Schweiz in Europa werden, wo Kapitalanlagen nicht dem Zugriff der EU-Finanzpolitik ausgesetzt seien. Das stärke den Finanzplatz London, was dem Kurs vom Pfund Auftrieb geben werde.

Die Sorgen deutscher Industriemanager vor Handelsschranken zwischen Kontinentaleuropa und dem Vereinigten Königreich hält Diez für unbegründet. Weder der EU noch Großbritannien sei an solchen Hemmnissen gelegen, vielmehr wollten beiden Seiten weiter einen guten und reibungslosen Austausch von Waren und Dienstleistungen. "Die enge Anbindung der Briten an Europa wird erhalten bleiben", sagte Diez.

BMW erwartet Phase der Unsicherheit

Dagegen hat BMW betont zurückhaltend auf die Entscheidung der britischen Wähler reagiert. "Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind heute noch nicht absehbar. Klar ist, dass nun eine Phase der Unsicherheit beginnt", teilte der Autokonzern am Freitag in München mit. "Wir erwarten jedoch zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Aktivitäten in Großbritannien."

Großbritannien ist für BMW nach China und den USA der drittgrößte Auslandsmarkt. Der Konzern verkauft bislang mehr als zehn Prozent seiner Autos in Großbritannien - im vergangenen Jahr waren das 236.000 Fahrzeuge. Außerdem baut BMW in England jährlich mehr als 200.000 Minis und Rolls-Royce-Limousinen und beschäftigt dort 24.000 Mitarbeiter.

BMW wartet Auswirkungen ab

Nach dem Brexit-Votum erklärte BMW, die Bedingungen für den Personen- und Warenverkehr müssten nun neu verhandelt werden. "Bevor die neuen Rahmenbedingungen nicht im Detail definiert sind, können wir uns zu konkreten Auswirkungen auf unsere Aktivitäten in Großbritannien nicht äußern."

Über Auswirkungen auf die Produktionsstandorte - Oxford, Hams Hall, Swindon und Goodwood - werde der Konzern nicht spekulieren. BMW hat dort rund 2,2 Milliarden Euro investiert. (dpa)