«Elektroautos werden Ausnahme bleiben»

Interview mit Bosch-Geschäftsführer Bernd Bohr

Bernd Bohr © Bosch

Das Drei-Liter-Auto ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Im Interview mit der Autogazette spricht Bosch-Geschäftsführer Bernd Bohr über verbrauchsgünstige Motoren und die Mobilität der Zukunft.

Bernd Bohr sieht keine schnelle Marktreife für Elektroautos. «Das Elektroauto wird kommen! Davon sind wir überzeugt. Es wird aber noch länger dauern, bis das Elektroauto für Jedermann interessant wird», sagte der Vorsitzende des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik bei Bosch im Interview mit der Autogazette.

30 Prozent Verbrauchsersparnis

Bis dahin wird es jedoch weitere Fortschritte bei den Verbrennungsmotoren geben. So geht Bohr davon aus, dass mit Bosch-Technik in den Fahrzeugen eine Verbrauchsersparnis bei Dieseln und Benzinern von gut 30 Prozent zu schaffen sei. «Die Automobilhersteller selbst haben aber auch noch viele Ideen, um den Verbrauch eines Dieselautos nahezu zu halbieren und den eines Benziners um gut 40 Prozent zu senken. Da spart der Autofahrer beim Tanken und schont zugleich die Umwelt.»

«Lösungen müssen noch entwickelt werden»

Der Chevrolet Volt Foto: dpa

Autogazette: Herr Bohr, Sie warnen schon seit Monaten davor, die Verbreitung des Elektroautos zu überschätzen. Warum?

Bernd Bohr: Das Elektroauto wird kommen! Davon sind wir überzeugt. Es wird aber noch länger dauern, bis das Elektroauto für Jedermann interessant wird. Viele Lösungen - etwa bei der Batterietechnologie - müssen noch weiter entwickelt werden, damit Gewicht, Größe und Reichweite stimmen. Zudem müssen die Kosten gesenkt werden. Denn das Elektroauto soll ja auch für alle bezahlbar sein.

Autogazette: Mitsubishi hat aber ein erstes Modell für diesen Sommer in Europa angekündigt. Renault präsentierte gerade einen Elektro-Kangoo. GM steht mit dem Chevrolet Volt in den Startlöchern. Werden da unstillbare Erwartungen geweckt?

Bohr: Die Automobilhersteller wollen mit Kleinstserien starten, um Erfahrungen zum elektrischen Antrieb zu sammeln. Wir begrüßen das. Denn es beschleunigt die Entwicklung des Elektroautos. Trotzdem werden Elektrofahrzeuge wegen hoher Batteriekosten und geringer Reichweite noch längere Zeit die Ausnahme auf unseren Straßen bleiben.

«30 Prozent Ersparnis beim Diesel»

TSI-Motor im Skoda Octavia Foto: Skoda

Autogazette: Gleichzeitig haben Sie angekündigt, den Verbrauch von Dieseln und Benzinern weiter um 25 bis 30 Prozent zu drosseln. Meinen Sie wirklich den Motor oder das jeweilige Gesamtfahrzeug?

Bohr: Wir meinen damit allein den Motor - hier können wir mit Bosch-Technik wesentlich zur Verbrauchsersparnis beitragen - gut 30 Prozent beim Diesel wie auch beim Benziner sind zu schaffen. Die Automobilhersteller selbst haben aber auch noch viele Ideen, um den Verbrauch eines Dieselautos nahezu zu halbieren und den eines Benziners um gut 40 Prozent zu senken. Da spart der Autofahrer beim Tanken und schont zugleich die Umwelt.

Autogazette:Wodurch wollen Sie die Motoren weiter zügeln?

Bohr: Die Motoren werden kleiner und nutzen die Energie des Kraftstoffs besser. Und das bei gleicher Motorleistung. Der Autofahrer merkt davon beim Fahren nichts, spart aber beim Tanken. Wir liefern die notwendige Technik dafür.

Autogazette: Wie weit lässt sich das Verkleinern, das sogenannte Downsizing der Motoren, eigentlich noch fortsetzen?

Bohr: Natürlich gibt es Grenzen, denn Sie wollen ja in etwa gleiche Leistungen aus weniger Hubraum, mitunter weniger Zylindern, haben. Das hat sowohl für die Mechanik wie den Komfort Grenzen. Wo die genau liegen, lässt sich aus heutiger Sicht schwer beantworten. Es gibt noch zahlreiche Ideen, die wir in den nächsten Jahren umsetzen wollen.

«Nur noch drei Zylinder»

Aufladung des Mini E Foto: BMW

Autogazette: Wodurch kann ein Mittelklasseauto wie der Audi A4 zum Drei-Liter-Auto werden?

Bohr: Losgelöst von einzelnen Automarken: Heute hat ein solches Mittelklasseauto einen Dieselmotor mit 1,8 oder 2 Liter Hubraum, mit 120 bis 130 PS, mit vier Zylindern. Durch unsere neuen Techniken wird der Motor nur noch 1,1 Liter Hubraum und drei Zylinder haben, aber trotzdem die gleiche Leistung. Zusätzlich verfeinert der Autohersteller die Karosserie, macht das Auto leichter, gibt ihm Leichtlaufreifen mit und dann verbraucht das Auto nur noch 3 Liter Sprit auf 100 Kilometer - in wenigen Jahren gibt es solche Autos zu kaufen.

Autogazette: Bedeutet das auch, dass man die derzeit sehr populären Kleinwagen noch verbrauchsgünstiger machen kann?

Bohr: In allen Fahrzeugklassen - beim Benziner ebenso wie beim Diesel - können wir mit solchen modernen Techniken Sprit sparen.

«Kluge Autofahrer wird umdenken»

Autogazette: Verbrauchsgünstig ist wichtig, aber kann man das auch bezahlen?

Bohr: Der kluge Autofahrer wird umdenken. Mit einem kleinen Aufpreis für die verbesserte Technik wird er viel Sprit sparen. Für die meisten technischen Maßnahmen gilt: Spätestens nach drei Jahren hat der Autokäufer das Geld wieder in der Tasche.

Autogazette:Wann sehen wir die genannten Entwicklungsschritte auf der Straße?

Bohr: Das passiert von heute an in mehreren Schritten. In wenigen Jahren fährt dann das 3-Liter-Auto auf der Straße. Und der Autofahrer wird beim Fahren davon nichts merken - nur beim Tanken.

Das Interview mit Bernd Bohr führte Martin Woldt