«Zweite Heimat» spielt ab 2016 «Erste Geige»

BMW-Werk Spartanburg

BMW-Kommunikationsspezialist Steve Wilson vor dem Werk Spartanburg.
BMW-Kommunikationsspezialist Steve Wilson vor dem Werk Spartanburg. © AG/Flehmer

BMW investiert kräftig in das Werk Spartanburg. Die amerikanische Filiale, in der fast alle Modelle der X-Familie gefertigt werden, avanciert zur größten Produktionsstätte und kann den Münchnern dabei auch noch Probleme bereiten.

Von Thomas Flehmer

Das BMW-Werk in Spartanburg wird in den kommenden zwei Jahren den unternehmensinternen Titel «Zweite Heimat» zumindest bei der Produktionskapazität ablegen. «Wir erhöhen bis 2016 die Kapazität um 50 Prozent von 300.000 auf 450.000 Einheiten pro Jahr», sagte Manfred Erlacher. Der Präsident des Werkes im Bundesstaat South Carolina unterstreicht gleichzeitig, dass damit die «Zweite Heimat» von BMW zum größten BMW-Werk aufsteigen werde.

BMW X5 als Sprungbrett für Spartanburg

Gleich eine Milliarde Dollar investieren die Münchner in das 3,4 Hektar große Werk, das vor zwanzig Jahren mit der Produktion des BMW 318 begann. Seitdem haben 2,8 Millionen Fahrzeuge die Hallen verlassen. «Mit einer Montagehalle fing es an», sagt Fertigungsmanager Cevin Brain. Gleich nach der Dreier-Reihe wurde ab 1995 der Z3 gebaut, vier Jahre später fuhr der erste X5 von den Bändern. «Das war das Sprungbrett für uns», so Brain weiter.

Mittlerweile werden bis auf den X1 alle Modelle der X-Familie sowie der Z4 in Spartanburg gefertigt. «Wir sind das einzige Werk, in dem sowohl der X5 als auch der X6 vom Band laufen», sagt Brain. Derzeit verlassen pro Tag 160 Modelle des so genannten Sport Activity Coupé sowie 550 X5 die Hallen und werden dann per Bahn oder Truck nach Charleston oder an die Westküste verladen, um dort in alle Welt verschifft zu werden, wie Sprecher Steve Wilson sagt. Insgesamt laufen 1100 Einheiten pro Tag vom Band.

Neuer BMW X7 fest eingeplant

Ein Drittel aller Innovationen in 2014 kam von deutschen Herstellern.
Der BMW X6 bei der Reifenmontage AG/Flehmer

Dafür läuft das Werk bis auf Sonntags rund um die Uhr. «Zwei Zehn-Stunden-Schichten sowie eine normale dritte Schicht sorgen für Auslastung», sagt Brain, «hinzu kommen auch Überstunden, die bis zu 90 Minuten pro Tag einnehmen.» Stolz sind die Macher dabei auf die hohe Frauenquote von 25 Prozent. Dabei wird berücksichtigt, dass die Frauen an den Plätzen arbeiten, an denen Kraft nicht unbedingt gefragt ist.

Durch die Erhöhung der Kapazitäten werden zudem 800 neue Jobs entstehen und auch ein neues Modell wird in den Hallen gebaut werden. BMW-Chef Norbert Reithofer hat den Bau des X7 bereits bestätigt, aber ab wann die Produktion starten und das Modell aussehen soll, ist noch unklar.

Plugin-Hybride als Schlüsseltechnologie für BMW

Dass der X7 noch größer als die schon nicht unbedingt kleinen X5 und X6 ausfallen wird, ist dagegen klar. Und dass Nordamerika neben China ein Hauptmarkt für das neue Geländemodell sein wird, auch. Die vielen Xer verschaffen den Verantwortlichen dagegen nicht nur Freude. Aufgrund der CO2-Grenzen stehen für die Münchner laut BMW-Produktmanager Timo Resch «große Herausforderungen» an. «Wir wollen nicht diejenigen sein, die sich durch irgendwelche Strafzahlungen freikaufen müssen», sagte Resch der Autogazette.

Allerdings sieht der Produktmanager auch schon die technischen Fortschritte, die auch der X6 zum Beispiel macht, dessen zweite Generation ab dem 6. Dezember weltweit in den Markt eingeführt wird. So sollen die neuen Modelle bis zu 22 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen und somit auch den CO2-Wert senken. Und natürlich gibt es auch bei BMW bald die technische Lösung, die derzeit wohl als Allheilmittel bei den Premiumherstellern angesehen wird. «Ab 2015 kommen auch bei BMW Plugin-Hybride zum Einsatz», sagt Resch, «das ist eine der Schlüsseltheorien», die auch die Führungsrolle des Werkes Spartanburg bei den Kapazitäten sichern wird.