«Aerodynamik ist wichtiger Faktor der Sportlichkeit»

Cornelius Zirn, Leiter Fahrdynamik der BMW X-Baureihe

Cornelius Zirn zeigt die Air Curtains am BMW X5.
Cornelius Zirn zeigt die Air Curtains am BMW X5 © AG/Mertens

Der BMW X5 setzt mit einem Cw-Wert von 0,31 einen neuen Bestwert im Segment. Im Interview mit der Autogazette spricht der Leiter Fahrdynamik der X-Baureihe, Cornelius Zirn, über die Neuerungen beim neusten Modell der Münchner.

Der neue BMW X5 wird im November auf den deutschen Markt kommen. Der Geländewagen der Münchner wartet dann mit einer Vielzahl von Neuerungen auf, dazu gehört auch eine Verbesserung der Aerodynamik.

Cw-Wert von 0,31 ist Benchmark

Das Sport Activity Vehicle (SAV) wird dann mit 0,31 auch über einen optimierten Cw-Wert verfügen. «Die Aerodynamik ist für BMW ein wichtiger Faktor der Sportlichkeit.», sagte Cornelius Zirn, der bei BMW die Fahrdynamik der MKL/GKL/X-Fahrzeuge verantwortet, im Interview mit der Autogazette. Erreicht wurde eine Verbesserung des Luftwiderstandswerts mit einer Vielzahl von Maßnahmen, dazu gehören erstmals auch Air Curtains.

«Das ist ein Statement»

Autogazette: Herr Zirn, man kann bei vielen Herstellern den Eindruck gewinnen, dass nur von Leichtbau die Rede ist, aber nicht von der Verbesserung der Aerodynamik. Wie schaut das Thema mit Blick auf den neuen BMW X5 aus?

Cornelius Zirn: Die Aerodynamik spielte bei der Entwicklung des neuen BMW X5 eine wichtige Rolle. Das kann man auch daran sehen, dass der Cw-Wert von 0,32 auf 0,31 reduziert werden konnte. Das ist Benchmark im Segment und ein Statement.

Autogazette: Wenn wir uns die Verbrauchsreduktion von 1,2 Liter auf 6,2 Liter beim Volumenmodell 30d anschauen, welche aerodynamischen Maßnahmen haben zur Erreichung dieses Ziels den maßgeblichen Ausschlag gegeben?

Zirn: Es ist nicht auf eine einzelne Maßnahme zu beschränken. Es ist ein ganzes Maßnahmenpaket, das zu diesem guten Cw-Wert beigetragen hat. Ich nenne hier als Beispiel den Air Curtain und die Air Breather, die die Verwirbelungen am Rad reduzieren. Daneben gibt es noch eine etwas angestelltere Motorhaube und die Windabrisskante am Ende des Daches und die Airblades an den Seiten der Heckscheibe. Daneben gibt es noch viele andere Maßnahmen, die zu dieser Reduktion geführt haben.

«Bereits gute Ergebnisse mit EfficientDynamics erzielt»

Air Curtains am BMW X5
Air Curtains am BMW X5 AG/Mertens

Autogazette: Erstmals kommen beim X5 bei einem Fahrzeug der X-Baureihe die so genannten Air Curtains zum Einsatz. Warum war das bislang nicht der Fall?

Zirn: Weil wir bislang auch schon durch die Maßnahmen im Rahmen von EfficientDynamics gute Ergebnisse erzielt haben. Doch mit dem X5 wollten wir hier noch einmal ein Statement setzen – und das ist uns gelungen.

Autogazette: Beim X5 wurde auch das Dach um rund sieben Zentimeter verlängert. Was konnte damit erreicht werden?

Zirn: Das Dach wurde zum einen deshalb verlängert, um dem Fahrzeug noch einen stärkeren Charakter im Greenhouse zu verleihen. Auf der anderen Seite konnte durch die oberen und seitlichen Windabrisskanten noch eine Optimierung beim Cw-Wert mit Blick auf die Luftflusseigenschaften und gegen Verwirbelungen erreicht werden.

«Maximale Bodenhaftung ausnutzen»

Der Kühlergrill am neuen BMW X5.
Der Kühlergrill wurde ebenfalls modifiziert BMW

Autogazette: Welchen Einfluss hat die Aerodynamik auf die Fahrdynamik des neuen X5?

Zirn: Einen großen. Wenn beispielsweise die Windabrisskanten am Heck nicht stimmen, wird die Hinterachse extrem leicht und bei sportlicher Fahrweise bricht das Fahrzeug leichter aus. Sie sehen: Die Aerodynamik ist für BMW ein wichtiger Faktor der Sportlichkeit.

Autogazette: Spürt man denn als Durchschnittsfahrer eine solche Cw-Wert-Verbesserung überhaupt?

Zirn: Lassen Sie es mich so sagen: es ist ein Gen. Wenn ein Gen nicht stimmt, dann können Sie auch ein Auto mit den besten Ausprägungen nicht mehr gesundbeten. Es ist ein wichtiger Baustein für die Sportlichkeit, sodass Sie die maximale Bodenhaftung ausnutzen können.

Autogazette: BMW bezeichnet den X5 nichts als SUV, sondern als SAV, also als Sport Activity Vehicle. Ist das nicht nur Semantik?

Zirn: Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Als wir 1999 dieses Fahrzeug auf den Markt brachten, wurden SUVs mit Leiterrahmen gebaut. Damals war der X5 das einzige Fahrzeug, das mit einer selbsttragender Karosserie ausgestattet war. Resultierend daraus konnte man ihn ganz anders auf seine Fahreigenschaften hin trimmen. Dadurch konnte diesem Fahrzeug ein ganz anderer Charakter gegeben werden. Mittlerweile sind auch viele andere namhafte Hersteller von einem Trägersystem hin zu einer selbsttragenden Karosserie umgestiegen.

«Allrad sorgt für bessere Traktion»

Cornelius Zirn zeigt die Windabrisskante am Heck des BMW X5.
Cornelis Zirn zeigt die Windabrisskante am Heck AG/Mertens

Autogazette: Wie wichtig ist denn für ein Fahrzeug wie den X5 der Allradantrieb? Das Gros der Kunden ist mit diesem Auto doch ohnehin nur in der Stadt unterwegs.

Zirn: Allrad sorgt immer für eine bessere Traktion. Doch wenn ich diesen Aspekt nicht nur auf den Vortrieb beschränke, sondern auch die Sicherheit im Blick habe, dann entsteht dadurch im Alltag auch eine größere Sicherheit. Bereits bei unterschiedlichen Fahrbahnverhältnisse kommt unser xDrive zum Einsatz. Es gibt viele Alltagssituation, die wir durch unser xDrive, gar nicht mehr als Herausforderung ansehen.

Autogazette: Was wurde beispielsweise beim Volumenmodell 30d unternommen, um die Wankbewegungen der Karosserie noch weiter zu reduzieren?

Zirn: Das gefahrene Modell verfügte über eine dynamische Dämpferkontrolle. Dabei wird der Dämpfer, je nachdem, wie er angesprochen wird, etwas verhärtet und somit die erste Wankspitze abdeckt. Daneben gibt es die Einheits Einachsluftfeder an der Hinterachse und die Auftriebsbeiwerte für die Vorder- und Hinterachse. Das sind Faktoren, die zu geringeren Wankbewegungen beitragen.

Autogazette: Gibt es für Sie unter der Vielzahl der Neuerungen etwas, dass Sie besonders am neuen X5 begeistert?

Zirn: Ja, das Auto, es ist das Gesamtpaket, das einen begeistert.

Das Interview mit Cornelius Zirn führte Frank Mertens