«Wir haben mit dem BMW i3 ambitionierte Ziele»

BMW-USA-Chef Ludwig Willisch

Ludwig Willisch auf der Autoshow New York
Ludwig Willisch verantwortet das Nordamerikageschäft von BMW. © dpa

BMW will in diesem Jahr in den USA die erfolgreichste Premiummarke werden. Im Interview mit der Autogazette spricht USA-Chef Ludwig Willisch über die Mitbewerber, neue Modelle wie den X5 und die Bedeutung des Elektroautos i3.

Der Autobauer BMW will in diesem Jahr erneut erfolgreichster Premiumhersteller in den USA werden. «Gehen Sie davon aus, dass die Marke BMW Ende des Jahres mehr Autos als Mercedes abgesetzt haben wird», sagte BMW-Nordamerika-Chef Ludwig Willisch im Interview mit der Autogazette.

Mercedes hatte gerade erst angekündigt, dass man in diesem Jahr auf dem für die Premiumhersteller so wichtigen US-Markt mit über 300.000 Fahrzeugen die Nummer eins werden wolle. Derzeit liegt Mercedes nach den ersten acht Monaten des Jahres mit 190.359 Einheiten knapp vor BMW mit 188.997 Fahrzeugen.

«Mit BMW X5 ziemlich heißes Eisen im Feuer»

«Wir sehen derzeit keinen Grund, unser selbstgestecktes Ziel nicht zu erreichen, die Premiummarke Nummer eins in den USA zu werden. So steht gerade bei uns der neue BMW X5 vor dem Marktstart, mit dem wir ein ziemlich heißes Eisen im Feuer haben», sagte Willisch. Zugleich bringen die Münchner auch noch das 4er Coupé in den USA auf den Markt. «Und die USA sind für BMW der größte Coupémarkt. Sie sehen, wir haben allen Grund zur Zuversicht.»

«Ich habe allen Grund, optimistisch zu sein»

Autogazette: Herr Willisch, wer wird Ende des Jahres in den USA eigentlich die stärkste Premiummarke sein?

Ludwig Willisch: Die Marke BMW.

Autogazette: Mercedes hat gerade angekündigt, dass man dieses Jahr mit über 300.000 Autos in den USA erfolgreichster Premiumanbieter werden will. Nach acht Monaten liegt Mercedes mit 190.359 Autos auch vor Ihnen...

Willisch: ...aber nur hauchdünn. Die Kollegen liegen derzeit gerade einmal rund 1500 Autos vor uns. Gehen Sie davon aus, dass die Marke BMW Ende des Jahres mehr Autos als Mercedes abgesetzt haben wird.

Autogazette: Wie wollen Sie den Rückstand denn verkürzen? Mercedes hat gerade den CLA und die S-Klasse auf den Markt gebracht, ist Ihr Konkurrent da nicht leicht im Vorteil?

Willisch: Das sehen wir im Januar, wer hier im Vorteil ist. Wir sehen derzeit keinen Grund, unser selbstgestecktes Ziel nicht zu erreichen, die Premiummarke Nummer eins in den USA zu werden. So steht gerade bei uns der neue BMW X5 vor dem Marktstart, mit dem wir ein ziemlich heißes Eisen im Feuer haben. Zugleich bringen wir auch noch das 4er Coupé auf den Markt – und die USA sind für BMW der größte Coupémarkt. Sie sehen, wir haben allen Grund zur Zuversicht.

«Werden keine Spezialaktionen machen»

Der BMW X5 sorgt für hohe Steigerungsraten.
Der X5 soll für weiteres Wachstum sorgen BMW

Autogazette: Kommen die beiden Autos nicht relativ spät auf den Markt, damit Sie davon noch deutlich beim Absatz profitieren können?

Willisch: Nein, das wird uns noch einmal einen deutlichen Schub verschaffen. Der X5 wird zudem in unserem Werk in Spartanburg gebaut, entsprechend müssen wir hier auch mit keinen Lieferproblemen rechnen. Ich habe allen Grund, optimistisch zu sein.

Autogazette: Welches der beiden Modelle ist für Ihre Wachstumsstrategie das wichtigere Modell?

Willisch: Der BMW X5 ist nach wie vor für uns das wichtigere Fahrzeug. Sie brauchen sich nur vor Augen führen, dass mehr als die Hälfte der hier zugelassenen Fahrzeuge SUVs und SAVs sind.

Autogazette: Bis zum August konnten Sie vom BMW X5 insgesamt 26.600 Einheiten absetzen. Stellt Sie das zufrieden oder merken Sie schon vor dem Hintergrund des Marktstarts des neuen Modells eine gewisse Kaufzurückhaltung?

Willisch: Überhaupt nicht, wir sind ausgesprochen zufrieden. Wir hätten sogar noch mehr X5 absetzen können, doch wir haben leider nicht mehr zugeteilt bekommen.

«Was heißt eng?»

Der 4er BMW startet im Oktober.
Der BMW 4er BMW

Autogazette: Im Vorjahr konnte die Kernmarke BMW mit 281.000 Fahrzeugen mit einem Vorsprung von 7000 Autos die Nummer eins vor Mercedes werden. Wird es dieses Jahr auch so eng werden?

Willisch: Was heißt eng? 7000 Autos sind eine Menge. Doch wie es genau ausgehen wird, dazu gebe ich jetzt keine Prognose ab. Ich sage nur so viel, dass wir vor Mercedes liegen werden.

Autogazette: Zur Erreichung dieses Ziel schloss Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt jedoch Spezialaktionen aus. Trifft das auch auf Sie zu?

Willisch: Ja. Wir haben noch nie derartige Spezialaktionen gemacht und werden es auch in diesem Jahr nicht machen.

Autogazette: Im Vorjahr lag Mercedes bis November noch vor Ihnen, erst im Dezember sind Sie an ihrem Mitbewerber vorbeigezogen. Gelang das wirklich ohne verkaufsfördernde Maßnahmen?

Willisch: Ja, es war schlicht eine Frage der Verfügbarkeit. Wir hatten lange bei der 3er Limousine das Problem, hier Allradmodelle zu bekommen. Mehr als 50 Prozent aller BMWs, die in den USA verkauft werden, haben Allrad.

Autogazette: Die Absatzerwartung von Mercedes liegt bei über 300.000 Einheiten in diesem Jahr. Wo wollen Sie denn landen?

Willisch: Bei einer höheren Zahl.

«Ist unser Anspruch, besser zu sein als der Wettbewerb»

So sieht der neue BMW i3 aus.
Der BMW i3 BMW

Autogazette: Mittelfristig plant Mercedes in den USA mit einer Absatzerwartung von 350.000 Autos. Können Sie mir mehr dazu sagen, als dass Sie über dieser Zahl liegen wollen?

Willisch: Auch hier werde ich nicht konkreter. Ich sage Ihnen jedoch: Auch hier werden wir darüber liegen. Es ist unser Anspruch, immer besser zu sein als der Wettbewerb. Wir haben hier auch allen Grund, zuversichtlich zu sein. Denn im Juli haben wir mit BMW i eine neue Marke gelauncht, die wesentlich zu unserem Erfolg in den USA beitragen wird.

Autogazette: Wann findet denn der Marktstart des neuen BMW i3 in den USA statt?

Willisch: Im April des kommenden Jahres.

Autogazette: Und wie teuer wird der i3 bei Ihnen sein, der in Deutschland bei rund 35.000 Euro liegt?

Willisch: Er wird bei uns 41.350 US-Dollar kosten.

Autogazette: BMW geht ja davon aus, dass der i3 auf einen nennenswerten Absatz kommen soll. Welche Absatzerwartung haben Sie?

Willisch: Wir haben mit dem BMW i3 durchaus ambitionierte Ziele. Gerade in Bundesstaaten wie Kalifornien und Florida glauben wir, den i3 besonders gut absetzen zu können, aber auch in Teilen von Texas.

Autogazette: Das liegt an der besonderen Förderung von Elektroautos in diesen Staaten?

Willisch: Im gesamten Bereich der Vereinigten Staaten gibt es einen Steuervorteil von 7500 US-Dollar beim Kauf eines Elektroautos, in Kalifornien sind es zusätzlich 2500 Dollar. Entsprechend wird Kalifornien für uns der wichtigste Bundesstaat mit Blick auf den i3 sein.

«Mittelfristig in jeder Baureihe einen Dieselmotor»

Ludwig Willisch
Ludwig Willisch gibt sich zuversichtlich BMW

Autogazette: In Deutschland wurden in diesen Jahr gerade einmal rund 3400 E-Autos abgesetzt worden. Was erwarten Sie in Summe in den USA?

Willisch: Der Markt an Elektroautos war im vergangenen Jahr 15 mal so groß wie der in Deutschland, es wurden also ca. 53.000 Elektroautos abgesetzt und dieses Jahr sind es per August schon knapp 60.000.

Autogazette: Welchen prozentualen Anteil am Gesamtabsatz von Elektroautos will BMW mit dem i3 erreichen?

Willisch: Einen zweistelligen.

Autogazette: Sie bringen zeitgleich mit dem rein elektrisch angetriebenen i3 auch den i3 mit Range Extender. Können Sie sagen, mit welcher Verteilung Sie rechnen?

Willisch: Das überlassen wir dem Kunden.

Autogazette: Eine Stärke von BMW ist der Diesel. Sehen Sie perspektivisch für den Selbstzünder eine größere Verbreitung in den Staaten?

Willisch: Absolut. Mit Blick auf den X5 kommen wir auf einen Dieselanteil von rund 25 Prozent. In Zeiten, in denen der Spritpreis besonders hoch war, lag er bei 30 Prozent. Ich denke, dass wir den Diesel auch bei den anderen Modellen weiter nach vorn bringen können. So haben wir gerade den 328d und den 535d auf den Markt gebracht. Wir haben entsprechend vor, unsere Modellpalette Richtung Diesel in den USA auszubauen. Mittelfristig wollen wir in jeder Baureihe einen Dieselmotor anbieten.

«Rechnen mit Gesamtmarkt von 15,5 Millionen»

Der Mini Countryman ist als 1.6er-Benziner mit Allrad bestellbar.
DIe USA sind der wichtigste Mini-Markt BMW

Autogazette: Welches Wachstum erwarten Sie in diesem Jahr für den Gesamtmarkt in den USA, der im Vorjahr bei 14,5 Millionen Einheiten lag? Experten prognostizieren zu Jahresbeginn ein Plus von fünf Prozent. Teilen Sie diese Auffassung?

Willisch: Wir gehen von einem deutlichen Wachstum aus, wir rechnen in diesem Jahr mit einem Gesamtmarkt von ca 15,5 Millionen.

Autogazette: In den zurückliegenden Jahren gaben die Kunden immer mehr Geld für Premiumautos aus? Stellen Sie diese Tendenz auch bei BMW fest?

Willisch: Ja, das ist bei uns ebenso...

Autogazette: ...wo liegt denn Ihr Durchschnittspreis? Bei Mercedes liegt er bei 56.000 US Dollar.

Willisch: Er liegt bei uns derzeit bei ca 54.000 US Dollar

Autogazette: Wie sind Sie denn mit den bisherigen Verkäufen von Mini mit 44.300 Einheiten per August zufrieden? Schwächelt die Marke derzeit ein wenig?

Willisch: Nein, die Marke schwächelt nicht. Wir sind ganz stolz darauf, dass wir trotz des Auslaufens des Mini Hatch trotzdem noch ein Prozent besser als im Vorjahr unterwegs sind. Wir werden also den Vorjahresabsatz von rund 66.000 Einheiten erneut schaffen. Mit dem Markstart des neuen Mini werden wir mit der Marke dann wieder deutlich wachsen. Die USA sind der wichtigste Mini-Markt der Welt.

Autogazette: Wenn Sie an die Konkurrenz im Premiumsegment denken, denken Sie dann nur an Mercedes oder auch an Audi, die ja derzeit noch deutlich hinter Ihnen liegen?

Willisch: Das Gegenteil ist der Fall. In den USA haben wir nicht nur mit Audi und Mercedes zwei Hauptwettbewerber, sondern wir haben hier mit Lexus mindestens vier. Denn daneben haben wir auch noch Cadillac oder auch Infiniti, die wir nicht vergessen sollten. Die Wettbewerbsintensität im Premiummarkt ist in den USA deutlich höher als in Europa.

Das Interview mit Ludwig Willisch führte Frank Mertens