BMW Vision DC Roadster: Münchner Gedankenspiele

BMW Vision DC Roadster: Münchner Gedankenspiele
Absolut puristisch: die BMW Vision DC Roadster. © BMW

Könnte so ein Elektromotorrad von BMW ausschauen? Warum nicht. Mit der Vision DC Roadster präsentieren die Münchner ein Ausblick auf ein solches Bike.

Wer BMW einigermaßen kennt, weiß zwischen den verschiedenen Stufen der bayerischen Modell-Gedankenspiele zu unterscheiden. Ein „Concept“ ist – zumeist, aber nicht immer – die Vorstufe zu einem in den nächsten 12 bis 24 Monaten zu erwartenden Serienmotorrad, das freilich in vielen Teilen gegenüber der Studie abgewandelt sein wird. Zudem nehmen „Concepts“ keine Rücksicht auf Zulassungsvorschriften, weshalb in der Regel Spiegel, Kennzeichenhalter, mitunter auch Instrumente und andere designtechnisch lästige Kleinigkeiten weggelassen werden.


Noch deutlich weiter von einer möglichen Serienfertigung entfernt sind die „Visions“, also Visions-Bikes. Sie sind quasi in Materie gegossene Überlegungen, wie man ein für wichtig erachtetes Thema umsetzen könnte. Praktische Aspekte wie Licht, Wind- und Wetterschutz spielen nur eine geringe Rolle, weshalb beispielsweise ein Roadster eben idealtypisch als totales „Freiluftmotorrad“ in Szene gesetzt wird.

Mit einer starken Boxer-Note

Um eine Vision handelt es sich beim neuesten Gedankenspiel aus Bayern, dem Vision DC Roadster. Hinter diesem Fahrzeug steckt „die elektrische Erweckung des Boxermotors“, wie es in der Presseinformation aus München heißt. Im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung der BMW Group macht man sich natürlich auch in der Motorradabteilung des Designstudios Gedanken über Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

Angesichts der enormen Bedeutung des Boxermotors für BMW Motorrad hat man sich entschieden, dem Vision DC Roadster eine starke optische Boxernote mit auf den Weg zu geben. Dass elektrifiziertes Zweiradfahren durchaus hoch emotional sein kann, zeigt der BMW-Roller C Evolution schon seit fünf Jahren; auch die von Start-ups wie Zero oder Energica präsentierten E-Motorräder können in punkto Fahrdynamik faszinieren. Mit der Harley-Davidson Livewire steht das erste von einem traditionellen Motorradhersteller entwickelte E-Motorrad schon an der Startlinie: Im September soll die Kundenauslieferung beginnen.

E-Antrieb mit Kardan verbunden

BMW Vision DC Roadster: Noch eine Studie, aber wer weiß, vielleicht geht es irgendwann in Serie. Foto: BMW

BMW wählt – zumindest für das Visionsbike – jedoch einen unkonventionelleren Weg als Harley-Davidson. Man hält optisch am Boxermotor fest, obwohl an der Stelle, an der beim Verbrenner-Motorrad der Motor sitzt, nunmehr der Akku platziert ist. Doch seitlich ragen zwei Elemente mit Kühlrippen und integrierten Ventilatoren heraus, die zur Kühlung des Energiespeichers dienen.

Nicht anders als beim Boxermotor der Ur-BMW R 32 werden die Zylinder im Fahrtwind positioniert wurden, werden auch jetzt wieder die zu kühlenden Elemente hervorgehoben, optisch wie technisch. Der zylinderförmige E-Antrieb liegt unter dem Akku und ist direkt mit dem Kardan verbunden. Damit zeigt der BMW Motorrad Vision DC Roadster eine clevere Antriebsarchitektur, die optisch die Historie der Marke aufnimmt und weiterführt.

Ganz so dynamisch, wie der DC Roadster gezeichnet ist, wird das Serienmotorrad natürlich nicht gestaltet werden. Zu klein wäre vermutlich der Kundenkreis. Aber darauf muss ein Visionsbike keine Rücksicht nehmen. So darf man denn ganz entspannt die vielen Aufsehen erregenden Details des DC Roadsters betrachten: beispielsweise die flache und filigrane Gitterrahmenstruktur mit dem integrieren Sitz. Der Rahmen ist aus Aluminium gefräst und integriert den Akku mit den seitlich herausragenden Kühlsystemen. Diese fahren beim Starten des E-Motors seitlich aus und verdeutlichen die Fahrbereitschaft.

Mit LED-Tagfahrlicht unterwegs

Ausblick auf ein E-Motorrad der Münchner: die BMW Vision DC Roadster. Foto: BMW

Aber auch mechanische Elemente wie der Kardanantrieb – mit freiliegender Kardanwelle wie beim kürzlich vorgestellten Conceptbike R18 – und die Duolever-Gabel setzen Akzente. Eine solche Gabel baut BMW derzeit nur im Topklasse-Modell K 1600 ein. Der angedeutete Dreiecksrahmen zitiert ein typisches Merkmal früher BMW-Motorräder. Sogar deren weiße Linierung greift er auf, die hier im Dunkeln fluoresziert. An den Flanken der exklusiv von Metzeler für das Visionsbike gefertigten Reifen befinden sich je fünf etwa briefmarkengroße fluoreszierende Elemente, die einen interessanten grafischen Effekt erzeugen. Die Lichtanlage mit LED-Tagfahrlicht in dynamischer U-Form und zwei LED-Linsen pro Seite für Abblend- und Fernlicht ist wohl ebenfalls kaum in der Serie umsetzbar.

Visionär gestaltet BMW auch die Fahrerausstattung der Zukunft: Der funktionale Zweiteiler ist nicht so ohne weiteres als Schutzkleidung erkennbar, sondern stellt ein modernes Mode-Statement in den Vordergrund. Die eingenähten Protektoren sind kaum sichtbar, in den Anzug integrierte Technologien ermöglichen diverse Lichtfunktionen. Die asymmetrische Rucksackweste wird mit Magneten am Fahrerrücken befestigt.

Das visionäre Sinnbild von BMW Motorrad für die Zukunft mit alternativen Antrieben ist am ersten Juli-Wochenende öffentlich zu sehen, und zwar zusammen mit der Concept R18, die laut BMW in der zweiten Jahreshälfte 2020 als Serien-Cruiser erscheinen wird. Ausgestellt wird der Vision DC Roadster im Rahmen der BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen. (SP-X)

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