«Elektroautos kein Beitrag zum Klimaschutz»

Pilotprojekt mit Mini E in Berlin

Norbert Reithofer im Elektro-Mini © Foto: dpa

BMW wird im Frühjahr 50 Elektro-Minis in Berlin auf seine Alltagstauglichkeit hin testen. Kritik kam erneut von der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Von Frank Mertens

Der bayerische Automobilhersteller BMW und der Energieversorger Vattenfall Europe werden im Frühjahr kommenden Jahres in Berlin einen Alltagsversuch mit 50 Elektro-Minis starten. BMW-Chef Norbert Reithofer und Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka stellten am Dienstag in der britischen Botschaft in Berlin in Beisein von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) das Projekt vor.

«Neue Maßstäbe»

«Das Projekt von Vattenfall und BMW setzt in Sachen Umweltschutz und Breitenwirksamkeit neue Maßstäbe. Deshalb genießt es die volle Unterstützung des Bundesumweltministeriums», sagte Gabriel. Vor dem Hintergrund der Klimaschutzvorgaben der Europäischen Union für die Autoindustrie lobt Gabriel die Kooperation beider Unternehmen. «Es ist wichtig, jetzt in den Klimaschutz zu investieren», so Gabriel. Für den SPD-Politiker ist das Pilotprojekt «ein gelungenes Beispiel für moderne Umwelt- und Industriepolitik».

Protest von Greenpeace gegen Elektroautos Foto: dpa

Ab dem Frühjahr wird BMW in der Hauptstadt 50 Mini E in einsetzen. Angetrieben wird der Mini E von einem 204 PS starken Elektromotor, der seine Energie aus modernen Lithium-Ionen-Batterien speist. Die Reichweite soll bis zu 250 Kilometer betragen. «Wir wollen mit dem Großversuch sehen, wie sich Elektromobilität für unsere Kunden anfühlt», sagte Reithofer. Die Berliner Flotte ist Teil eines Großversuchs von BMW zur Elektromobilität. So werden neben den 50 Fahrzeugen in Berlin im kommenden Jahr ebenso viele Mini E in London und 500 Elektro-Minis in den Bundesstaaten Kalifornien, New York und New Jersey zum Einsatz kommen.

Zunächst 100 Ladestationen

Vattenfall-Europe wird dabei für den Testversuch in Berlin für die Startphase bis zu 100 Ladestationen bauen, wie Hatakka sagte. «Unsere Ladestationen stehen allen Fahrern von Elektroautos offen, nicht nur denen, die einen Mini E fahren.» Aufgeladen werden sollen die Elektrofahrzeuge dabei «mit zertifiziertem grünem Strom» aus regenerativen Energieträgern, wie Hatakka hinzufügte. Wie Gabriel sagte, müsse darauf geachtet werden, dass Elektrofahrzeuge erneuerbare Energien nutzen. Nur so könne gewährleistet werden, dass es Null-Emissionfahrzeuge sind, so Gabriel.

Der Mini E Foto: BMW

Mit BMW entdeckt damit ein weiterer Hersteller Berlin als Testareal für seine alternativen Antriebskonzepte. Zuletzt hatte Daimler bekannt gegeben, ab dem kommenden Jahr 100 Elektro-Smarts in der Hauptstadt testen zu wollen. Der Stuttgarter Autobauer arbeitet dabei mit dem Energieversorger RWE zusammen. Ob Vattenfall bei der Schaffung der Ladestationen mit RWE zusammen arbeitet und dabei Synergien nutzt, wollte Hatakka nicht ausschließen. Entschieden sei hier aber noch nichts. RWE selbst will 500 Ladestationen errichten.

Wie bereits bei der Vorstellung des Pilotprojektes von Daimler und RWE kam auch diesmal Kritik von Greenpeace. Aktivisten der Umweltschutzorganisation hatten am Berliner Alexanderplatz im Rahmen der «Nationalen Strategiekonferenz Elektromobilität» einen Smart und Mini mir rosa Farbe Ohren und Ringelschwänzchen zu einem Klimaschwein umdekoriert. Wie Verkehrsexperte Marc Specowius der Autogazette sagte, seien «Elektroautos kein Beitrag zum Klimaschutz». Wie Specowius hinzufügte, würde bei Elektroautos der nur Ort des Emissionsausstoßes verlagert - «nämlich hin zu den Kraftwerken».

So soll nach Berechnungen von Greenpeace ein Mini E mit Strom von Vattenfall rund 133 Gramm C02 pro Kilometer emittieren. Ermittelt hat Greenpeace diesen Wert anhand eines Verbrauchs des Minis E von 15 Kilowattstunden auf 100 Kilometer und dies auf den durchschnittlichen C02-Ausstoß pro Kilowattstunden von Vattenfall umgerechnet.

Die Umweltschutzorganisation fordert von der Autoindustrie deshalb, nicht scheinbar emissionsfreie Elektroautos zu testen, sondern ihre aktuelle Fahrzeugflotte mit umweltfreundlichen Verbrennungsmotoren auszustatten. Emissionsarme Verbrennungsmotoren gehören bei BMW indes längst zu Realität. Dort verfolgt man intensiv sein sogenanntes EfficientDynamics-Programm. So haben die Bayern derzeit 28 Modelle im Angebot, die weniger als 140 Gramm C02 pro Kilometer emittieren. Rechnet man den Mini E mit hinzu, sind es sogar 29.

«Zukunft liegt im Elektroantrieb»

Unabhängig von der Kritik von Greenpeace liegt für Experten die Zukunft des Automobils indes eindeutig im Elektroantrieb. «Zu Nullemissionsautos werden Plug-In-Hybride oder reine Elektrofahrzeuge nur dann, wenn sie mit zusätzlichem Ökostrom betrieben werden», sagte der Verkehrspolitische Sprecher der Bündnis-Grünen, Winfried Hermann. Für Hermann ist nun die Regierung gefordert, einen Vorschlag zu entwickeln, der dies sicherstellt.

Wie Bundesverkehrsminsiter Wolfgang Tiefensee (SPD) am Dienstag auf der Strategiekonferenz sagte, sollen bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge das Bild auf den deutschen Straßen bestimmen. Der Strombedarf für Elektroautos hält sich dabei laut Gabriel in Grenzen. «Bei einer Million Elektrofahrzeuge wird nur 0,3 Prozent mehr Strom benötigt. Bei zehn Millionen sind es fünf Prozent.» Dieses Mehrdarf an Strom könne mit regenerativen Energien bestritten werden. Neue Großkraftwerke müssten dafür nicht gebaut werden, fügte der Minister hinzu.