BMW steht in Paris unter Spionageverdacht

Absatzrekord im August

BMW steht in Paris unter Spionageverdacht
Der BMW i3 kommt im November auf den Markt. © BMW

BMW setzt seinen Erfolgskurs unverändert fort. Der Autobauer konnte im August um fast 15 Prozent wachsen. Getrübt wird die Freude indes von einem Spionageverdacht in Frankreich.

BMW hat auch im August einen Absatzrekord eingefahren. Der Münchner Oberklassehersteller verkaufte im vergangenen Monat weltweit 139.648 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce, ein Plus von fast 15 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. "Das Unternehmen ist damit auf einem guten Weg, auch im Gesamtjahr wie geplant einen Absatzzuwachs zu erzielen", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Seit Jahresbeginn hat BMW bereits rund 1,2 Millionen Autos verkauft.

Europa bleibt Herausforderung

Reithofer rechnet allerdings auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Trendwende auf den kriselnden europäischen Automärkten. "Europa ist weiter eine Herausforderung", sagte er. Frühestens in der zweiten Hälfte 2014 werde es auf dem für BMW nach wie vor wichtigsten Absatzmarkt wieder aufwärts gehen. Die Schuldenkrise könne Europa aber auch noch weitere drei bis fünf Jahre beschäftigen, sagte Reithofer.

Spionageverdacht in Paris

Getrübt wird die Freude über die Absatzzahlen durch einen Spionageverdacht gegen den Autobauer und eine für ihn tätige Beratungs- und Ingenieurgesellschaft. Mitarbeiter des Aachener Unternehmens P3 sollen sich in den vergangenen Wochen in Paris auf unzulässige Weise Informationen über das mit Elektroautos betriebene Carsharing-System Autolib' besorgt haben. Zwei von ihnen seien am vergangenen Donnerstag vorübergehend festgenommen und in Polizeigewahrsam vernommen worden, bestätigte die französische Justiz am Dienstag einen Bericht der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Sie hätten sich an einer der öffentlichen Ladestationen für die Elektroautos zu schaffen gemacht.

Der von dem französischen Konzern Bolloré belieferte Anbieter Autolib' erstattete wegen des Vorfalls Anzeige. Den P3-Mitarbeitern wird unter anderem vorgeworfen, auf unzulässige Weise in das Datenverarbeitungssystem eingedrungen zu sein. Der deutsche Autobauer und das Unternehmen P3 wiesen alle Vorwürfe zurück. Die vom Konzern veranlassten "Routine-Tests" sollten lediglich klären, ob die öffentlich zugänglichen Ladestationen auch für die Versorgung des eigenen Elektro-Kleinwagen vom Typ i3 geeignet seien, betonte BMW. Nach Angaben von P3 gab es keinerlei Eingriff in die Ladesäule. Das Unternehmen führe die sogenannten Ladeabsicherungstests im Auftrag verschiedener Automobilhersteller für Elektrofahrzeuge in Europa, China und den USA durch, hieß es.

Nach Angaben von BMW fanden die Untersuchungen für den i3 am 21., 22., und 26. August statt. Am Tag ihrer Festnahme sollen die P3-Mitarbeiter nicht für BMW im Einsatz gewesen sein. Der französischen Tageszeitung "Le Figaro" lag ein BMW-Schreiben an Bolloré-Chef Vincent Bolloré vor. In diesem bittet der für Frankreich zuständige Konzernvertreter um Verzeihung für die nicht angemeldeten Tests. Das Pariser Carsharing-System Autolib' gilt als ein weltweites Vorzeigeprojekt für Elektromobilität. Bis Ende 2013 sollen im Großraum der französischen Hauptstadt 3000 sogenannte Bluecars und 6600 Ladestationen verfügbar sein. Die Fahrzeuge haben laut Bolloré eine Reichweite von 250 Kilometern.(AG/dpa)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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