Reise-Enduros: BMW R 1200 GS als großes Vorbild

Umkämpfter Motorradmarkt

Die BMW R 1200 GS ist mit Abstand das erfolgreichste Motorrad in Deutschland © BMW

Die BMW R 1200 GS dominiert seit Jahren die Hitliste der beliebtesten Motorräder. An der Reise-Enduro der Münchner orientiert sich die Konkurrenz. Doch die rückt näher, wie beispielsweise Triumph mit der Tiger Explorer.

Seit Jahren schon dominiert die bayerische Reiseenduro BMW R 1200 GS die Hitliste der beliebtesten Motorräder nach Belieben – klar, dass sich andere Hersteller ein Scheibchen abschneiden wollen. Und so purzeln in diesem Jahr die Neuheiten auf den Markt: Angefangen bei Triumphs Tiger Explorer über Hondas Crosstourer bis hin zu Kawasakis Versys 1000. Höchste Zeit also für eine alphabetisch geordnete Übersicht.

GS ist das Maß der Dinge

Und auch hier hat die BMW die Nase vorn, da Aprilia kein solches Bike baut. Zur R 1200 GS ist eigentlich alles gesagt: zwei Zylinder in Boxeranordnung, 81 kW/110 PS, 229 kg Leergewicht, verstellbare Sitzhöhe und auf Wunsch expeditionstauglich („Adventure“). Die Münchner lassen sich fast jedes Jahr etwas einfallen, um die „GS“ aktuell zu halten, selten durch größere technische Eingriffe.

In diesem Jahr gibt es die Sonderserie Rallye mit spezieller weiß-blau-roter Lackierung. Gerne genommen wird die elektronische Fahrwerkverstellung ESA. Diese und diverse andere, kaum verzichtbare Zubehörfeatures treiben den Preis meist über den Einstandspreis von 13.300 Euro.

Ducati Multistrada eine Überraschung

Die Ducati Multistrada Ducati

Ein Überraschungserfolg wurde die vor wenigen Jahren gestartete Ducati Multistrada, die den Schwerpunkt mehr auf Sportlichkeit denn auf das lange Reisen legt. Letzteres ist freilich auch mit der Italienerin möglich. Der Clou des Konzeptes ist ein auf vier Mappings einstellbares Fahrwerk, das allerdings erst ab der S-Version eingebaut wird und Federbasis und Dämpfung von Gabel und Federbein sowie das Ansprechverhalten der Traktionskontrolle ändert.

Auch spricht das Gas unterschiedlich an. Unter dem Tank kommt das auf 150 PS gezähmte Testastretta-Triebwerk (V2) zum Einsatz und sorgt für reichlich Schub. Der Spaß beginnt bei 15.250 Euro, die S-Version schlägt mit 18.250 Euro zu Buche und „Sport“ kostet noch einmal 2.000 Euro mehr. ABS kostet nur bei der Basisversion Aufpreis.

Honda Crosstourer mit 129 PS

Die Honda Crosstourer
DIe Honda Crosstourer Honda

Nachdem Honda im vergangenen Jahr die multifunktionale Crossrunner auf den Markt gebracht hat, kommt in diesem Jahr die Crosstourer. Sie trägt den V4-Motor der VFR 1200 unter dem Kleid, bietet Kardanantrieb, Alurahmen und Einarmschwinge. Der Motor wurde auf 95 kW/129 PS gedrosselt und den Erfordernisses des Konzeptes angepasst. Recht hoch ist das Leergewicht von 275 Kilo, ebenso üppig das Zubehörprogramm mit allem, was des Weltenbummlers Herz begehrt.

ABS und Traktionskontrolle sind an Bord, und mit 13.490 Euro Basispreis rangiert die Honda Crosstourer auf einer Ebene mit der BMW. Für 1.000 Euro mehr gibt es übrigens das überarbeitete Doppelkupplungsgetriebe DCT.

Kawasaki Versys 1000 mit niedrigem Preis

Kawasaki Versys 1000 Kawasaki

Ganz anders geht Kawasaki mit der Versys 1000 an das Thema heran. Als einzige Marke verwendet man einen flüssig gekühlten Reihen-Vierzylindermotor – und zwar den aus der Z 1000, der auf 87 kW/118 PS eingebremst wurde. Diesen packt Kawa unter das um eine Nummer vergrößerte Kleid der kleinen Versys – voilá. Hohe Scheibe und viel Reisezubehör runden das Paket ab, das mit 239 Kilo Leergewicht zudem leichter ausfällt als das der Konkurrenten.

Schmankerl wie elektronisch einstellbares Fahrwerk, Kardan oder Einarmschwinge gibt es nicht, dafür bekommt man die Versys 1000 schon ab knapp 12.000 Euro, ABS inklusive.

KTM Adventure macht auf sportlich

Eine ganz eigene, natürlich sportliche Interpretation einer großen Reiseenduro bietet KTM. Das Konzept der 990 Adventure ist wohl der andere Pol zur GS, denn bereits der V2-Motor unterstreicht mit seiner fetzigen Charakteristik aus 85 kW/115 PS dieses Anliegen. Hinzu kommt das ebenfalls sportlich ausgelegte Fahrwerk sowie das niedrige Leergewicht von 227 Kilo.

Die R-Version lockt mit 265 Millimeter Federweg hinten und einer noch luftigeren Sitzhöhe. Mindestens 13.800 Euro muss man für die 990 Adventure hinblättern, die R, für die es kein ABS gibt, kostet 200 Euro mehr.

Moto Guzzi Stelvio wiegt 285 kg

Die uzzi Stelvio Moto Guzzi

Auch Moto Guzzi versucht seit 2008, der bayerischen GS-Übermacht Paroli zu bieten. Die Stelvio bietet den Guzzi-typischen V2-Motor mit seitlich am Tank herausragenden Zylindern, 1.151 Kubikzentimetern Hubraum und 77 kW/105 PS. Die hohe Scheibe erhöht den Reise- und Sitzkomfort, wartungsarm ist der Kardanantrieb. Sehr wendig ist die massig wirkende Stelvio nicht, bringt sie doch 285 Kilo Gewicht auf die Waage; in der NTX-Version mit viel Reisezubehör sind es sogar knapp 300 Kilo.

14.290 Euro muss man für den italienischen Freund zahlen, für die NTX werden knapp 16.000 Euro fällig. ABS ist Serie.

Triumph Tiger Explorer mit viel Dampf

Die Triumph Tiger Explorer Triumph

Den direktesten Angriff auf die GS fährt wohl Triumph mit der Tiger Explorer. Wie nicht anders zu erwarten befeuert ein Reihen-Dreizylinder mit 1.215 Kubik Hubraum die Engländerin, der mit 101 kW/137 PS den Boxer der GS überflügelt.

Viel Dampf und der individuelle Sound sollen die Käufer locken, aber auch Kardan, Einarmschwinge, Traktionskontrolle und die typisch windgeschützte Sitzposition sind Argumente für Weitreisende. Als Besonderheit bietet die Tiger Explorer das Ride-by-wire, also elektronische Gasannahme. Mit 260 Kilo ist die Triumph aber auch etwas schwerer als die BMW. Der Preis liegt mit 13.790 Euro knapp oberhalb der Konkurrentin; ABS ist Serie.

Yamaha XT 1200 Z Tenere hat 110 PS

Last but not least kommt von Yamaha ein direkter Konkurrent mit hohen Reise-Qualitäten: die XT 1200 Z Ténéré. Das sehr bequeme Reiseschiff bietet neben dem 81 kW/110 PS starken Reihen-Zweizylindermotor Kardanantrieb und ein Fahrwerk mit stoischem Geradeauslauf und guter Handlichkeit. Auch eine Traktionskontrolle sowie serienmäßiges ABS finden sich an Bord. Mit 267 Kilo ist aber auch die Yamaha kein Leichtgewicht. 13.800 Euro preisen sie dort ein, wo sie hingehört: in die Nähe der BMW R 1200 GS.

Viele Jäger sind des Hasen Tod, heißt es ja eigentlich. Doch diese Jäger, so lassen es die Zulassungszahlen 2012 vermuten, haben das Wild wohl noch nicht gesichtet. (SP-X)