Kennzeichen d: BMW-Werkstuner setzt auf Diesel

BMW M550d macht den Anfang

Der BMW-Werkstuner M GmbH setzt auf Diesel © BMW

Lange hat sich die M GmbH gegen den Einsatz von Selbstzündern der BMW-Modelle gestemmt. Allerdings verpackt der BMW-Werkstuner die Dieselfahrzeuge elegant unter einem neuen Label.

Von Benjamin Bessinger

Die M GmbH springt über ihren Schatten. Nachdem sich der BMW-Werkstuner lange gegen den Diesel gesträubt hat, bietet er bald Sportmodelle mit Selbstzündern an. Für den Genfer Salon hat Firmenchef Friedrich Nitschke deshalb jetzt gleich drei M-Fahrzeuge mit einem "d" im Typenkürzel avisiert: Limousine und Kombi des Fünfers sowie X5 und X6 wird es ab dem späten Frühjahr auch als Ölbrenner geben.

Tri-Turbo im BMW benötigt Allradantrieb

Angetrieben werden sie mit einem drei Liter großen Reihensechszylinder, der mehr bekommen hat, als nur einen neuen Chip und eine geänderte Elektronik: Denn binnen zweieinhalb Jahren haben die M-Ingenieure aus dem AG-Motor den ersten Tri-Turbo am Markt entwickelt. Mit zwei kleinen und einem großen Lader steigt die Leistung von bislang maximal 313 auf künftig 381 PS und das maximale Drehmoment gipfelt schon jenseits von 1500 Touren bei atemberaubenden 740 Nm. Damit ist der Sechszylinder so stark, dass laut Nitschke ohne Allradantrieb seine meiste Kraft in den elektronischen Regelsystemen verrauchen würde. Deshalb fährt neben X5 und X6 bei der M GmbH nun erstmals auch der Fünfer auf allen Vieren.

Die gewaltige Energie ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Effizienz, mit der die Dampfhammer-Diesel mindestens genauso beeindrucken wollen: Lediglich 6,3 Liter soll der Öl-Renner verbrauchen. Damit liegt er nicht einmal einen Liter über dem 535d aber 3,6 Liter unter dem aktuellen M5.

Druck auf AMG und Audi Quattro

Mit dem ersten Diesel eines Werkstuners bringt M-Chef Nitschke seine Konkurrenten bei Mercedes-Ablager AMG in Affalterbach und bei der Audi-Tochter Quattro in Neckarsulm womöglich in Zugzwang. Denn von beiden sind derzeit keine entsprechenden Planungen bekannt. Im Gegenteil: „Wir haben die Option immer wieder geprüft und uns dagegen entschieden“, kontert zum Beispiel AMG-Chef Ola Källenius: „Für uns ist der Diesel im Augenblick absolut kein Thema.“

Und Källenius weiß, wovon er spricht: Nicht umsonst hatte AMG Anfang des letzten Jahrzehnts im Sportcoupé der C-Klasse schon mal mit einem Diesel experimentiert. Auch Audi ist das Thema nicht neu. Denn erstens fahren die Herren der Ringe sehr erfolgreich mit dem Diesel bei den 24-Stunden von Le Mans, und zweitens gab es ja mal eine R8-Studie mit einem V12-TDI. Doch mit Blick auf Absatzerwartung und Imagepflege haben diese Projekte auf der Straße wenig Spuren hinterlassen.

Bestandsschutz für M-Modelle

Der BMW M550d ist noch verklebt BMW

Auch Nitschke weiß um die Gradwanderung mit dem für Sportfahrer noch immer alternativen Antrieb. Auf der einen Seite ist der Diesel wunderbar sparsam, passt perfekt zu Vielfahrern auf der Langstrecke und überzeugt Skeptiker mit seinem gewaltigen Drehmoment. Aber auf der anderen Seite eicht die M GmbH ihre Autos noch immer auf der Nordschleife des Nürburgrings, wo die Öltanker – Le Mans-Siege hin, Dakar-Triumphe her – für Puristen nichts zu suchen haben.

Deshalb zieht sich Nitschke mit einem eleganten Trick aus der Affäre: "Unsere Kernmodelle werden nicht angetastet", gibt er Fahrzeugen wie dem M3, dem M5 oder dem M6 absoluten Bestandsschutz und führt statt dessen eine komplett neue Linie ein: Sie heißt M Performance uns sortiert sich so ähnlich wie die S-Modelle von Audi zwischen der Großserie und den Spitzensportlern ein. Deshalb heißt der Fünfer auch nicht M5 sondern M550d.

Performance-Linie nicht auf Diesel beschränkt

Diese Linie beschränkt sich aber womöglich nicht auf Diesel-Modelle, räumt Nitschke ein. Selbst wenn der Sechszylinder auch in den X3 und den neuen Dreier passen sollte. Sondern überall dort, wo es kein reines M-Modell gibt, kann sich der M-Chef auch einen Performance-Benziner als Top-Modell vorstellen: Die Einser-Reihe, der Z4 oder der X1 zum Beispiel wären da ein guter Anfang. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.