Motorradmesse-Intermot immer eine Reise Wert

Rund 20 Zweirad-Neuheiten

Studien wie die Yamaha 01 GE dürfen auf der Intermot nicht fehlen.
Studien wie die Yamaha 01 GE dürfen auf der Intermot nicht fehlen. © SP-X

Zwischen der Intermot in Köln und der EICMA in Mailand liegen lediglich fünf Wochen. Viele Hersteller bevorzugen die Lombardei, doch auch die Messe in der Rheinmetropole ist keinesfalls unanttraktiver.

Es ist ein endloses Herumlavieren: Anfang Oktober Intermot, fünf Wochen später EICMA. Was zeigt man als Hersteller Neues am Rhein, was in der Lombardei? Belegt man überhaupt beide Messen? Nein, sagte der italienische Hersteller MV Agusta heuer und bleibt der Intermot fern. Das trauen sich die anderen nicht, auch wenn einige von ihnen am Rhein nur ein Amuse-Bouche auftischen, während sie das vielgängige Menü für Mailand noch vorbereiten. Der Piaggio-Konzern mit seinen Marken Aprilia und Moto Guzzi hält es so, Triumph ebenfalls und Harley-Davidson hat in Köln nur seinen „Regio“-Messestand aufgebaut und spart die die große Version für Mailand. BMW, Ducati, Kawasaki und KTM, so mutmaßt man, haben ihre Gunst fair gesplittet, Suzuki und Yamaha haben sich in Köln stark platziert. Die rund 20 Neuheiten alleine bei den Motorrädern sind die Reise nach Köln allemal wert.

KTM 1290 Super Enduro auf dem Weg zur Spitze

Bei den auf dem deutschen Markt besonders beliebten Reiseenduros sticht die Präsentation der KTM 1290 Super Enduro hervor. Bei ihr treibt der Hersteller sowohl die Leistungsausbeute wie auch die Elektronisierung im Segment der Reiseenduros auf die Spitze. Die neue KTM weist den hubraumgrößten (1301 ccm) und stärksten (160 PS) Zweizylindermotor aller Zweirad-SUVs auf; er wurde von der 1290 Super Duke R übernommen und auf mehr Durchzugskraft hin überarbeitet. Die Liste der elektronischen Helferlein wie auch der Komfort-Features ist beinahe unendlich: Mehr Assistenzsysteme bietet aktuell kein anderer Hersteller in diesem Segment. Nach dem Vorbild der erfolgreichen BMW R 1200 GS Adventure gibt KTM der Super Adventure auch einen auf 30 Liter vergrößerten Tank sowie eine komfortablere Sitzposition mit verbessertem Windschutz mit.

Auch Aprilia engagiert sich stärker beiden Reiseenduros. Die Italiener stellen ihrer im Verkauf nicht gerade explodierenden Reiseenduro Caponord mit der „Rallye“-Version eine Variante zur Seite. Der markanteste Unterschied liegt in der Optik, denn die Speichenräder zusammen mit dem von 17 auf 19 Zoll vergrößerten Vorderrad lassen die 125 PS starke Caponord Rallye wesentlich abenteuerlustiger wirken.

Optische Optimierungen von Suzuki und Kawasaki

Auch die Suzuki V-Strom 650 kann der BMW R 1200 GS nicht gefährlich werden.
Suzuki hat die V-Strom 650 optisch aufgefrischt SP-X

In der Reiseenduro-Mittelklasse tut auch die erfolgreiche Suzuki V-Strom 650 einen Schritt in die Zukunft; mit Speichenrädern und überarbeiteter Karosserie sowie einem neuen Gepäcksystem (Option) wirkt sie deutlich abenteuerlustiger. Ihr 69 PS leistender 645 ccm-V2 wurde zugunsten von mehr Drehmoment überarbeitet.

Konzeptionell nicht unähnlich ist der Suzuki die stark überarbeitete Kawasaki Versys 650; auch sie weist eine wesentlich ansehnlichere Optik auf, zudem sind der Gepäcktransport nunmehr deutlich verbessert und der Tank von 19 auf 21 Liter vergrößert worden. Ein stärkerer Heckrahmen erlaubt mehr Zuladung, ein „Dampfrad“ die leichtere Verstellung des Federbeins. Auch die bisher am Markt erfolglose Versys 1000 hat ihr Aschenputtelkleid abgelegt und kommt nun im Styling-Mainstream daher. Zudem wurde an der Versys 1000 die Fahrwerksabstimmung überarbeitet und sie erhält einen serienmäßigen Hauptständer.

Gute Chancen für Ducati Scrambler

Der Ducati Scrambler werden gute Chancen zugerechnet.
Die Scrambler Ducati wird vorgestellt SP-X

Auf den letzten Stand der Technik upgedatet hat Honda seine Mittelklasse-Reisemaschine Crossrunner; es erhält das stärkere 106 PS-V4-Triebwerk aus der VFR 800F mit mehr Durchzugskraft sowie ein deutlich schärfer gezeichnetes Styling. Dazu gehören Voll-LED-Scheinwerfer und eine neue LCD-Instrumenteneinheit mit Ganganzeige. Zum Lieferumfang gehören selbstrückstellende Blinker und eine Sitzhöhenverstellung. Das Zubehörangebot wird u.a. durch einen Schaltassistenten, einen Hauptständer und integrierte Seitenkoffer erweitert.

Gute Chancen am Markt räumen Branchen-Experten auch der in Köln erstmals präsentierten Scrambler-Ducati ein. Der italienische Hersteller, der bekannt für sehr sportliche Motorräder ist, hat dafür extra eine Sub-Marke gegründet und stellt den Herstellernamen deshalb hinten an. Die Scrambler im „Post-Heritage-Stil“ knüpft an ein Ducati-Modell vom Ende der 1960er Jahre an, gefällt durch Schlichtheit wie Pfiffigkeit in Design und Technik gleichermaßen. Die mit einem luftgekühlten 800 ccm-Zweizylindermotor mit 75 PS Leistung aus gerüstete Scrambler wird in vier verschiedenen Versionen geliefert; die Preise sollen bei rund 8.000 Euro beginnen, was man in der Branche für günstig hält.

Superbikes als Imageträger

Die Kawasaki H2R
Die Kawasaki Ninja H2R soll mit bis zu 300 PS ausgestattet sein SP-X

Weltweit weniger gefragt sind seit einigen Jahren die Supersport-Bikes; dennoch dienen sie weiterhin als wichtige Imageträger und Technologie-Speerspitzen der Hersteller. Diesbezüglich ganz vorne liegt seit ihrer ersten Präsentation 2009 die BMW S 1000 RR. In Köln wird die zweite Generation des Superbikes vorgestellt. Mit 199 statt bisher 193 PS bietet sie nicht nur mehr Spitzenleistung, sondern auch mehr Durchzugskraft. Besonderen Wert hat BMW auf eine weiter erhöhte Fahrbarkeit und ein um vier auf nur noch 204 Kilogramm verringertes Gewicht gelegt. Alle elektronischen Helferlein von der Traktionskontrolle bis zum Race-ABS wurden selbstverständlich upgedated.

Im Höchstleistungsbereich angesiedelt ist die Kawasaki Ninja H2, deren nicht homologierter Prototyp H2R für neue Leistungsdimensionen erreichen soll: Das Entwicklungsziel ist mit „bis zu 300 PS“ definiert gewesen. Dafür wurde extra ein Einliter-Vierzylinder-Reihenmotor mit Kompressor entwickelt. Wie stark die Ninja H2 als Serienbike – sie wird auf der EICMA in Mailand vorgestellt – wirklich ist, ist noch unbekannt. Auf jeden Fall soll es sich um das am schnellsten beschleunigende und auch um das schnellste Serienmotorrad der Welt handeln. Diskussionen sind garantiert.

Platz haben in Köln aber auch die ganz normalen Motorräder, Roadster, Nakedbikes oder auch schlicht Allrounder genannt. Technisch sehr anspruchsvoll ist die neue BMW R 1200 R mit dem wassergekühlten Zweizylinder-Boxermotor, technisch aufgewertet kommt 2015 die Moto Guzzi V7-Baureihe mit neu entwickeltem Sechsganggetriebe und ABS auf den Markt. Einer der wenigen Vertreter der Gattung „Sporttourer“ ist die neue BMW R 1200 RS, mit der Roadster-Version technisch eng verwandt. (SP-X)