Coronakrise: BMW schließt ebenfalls europäische Werke

Arbeiter im BMW-Werk in Leipzig. © dpa

Nach Daimler, VW, Opel und anderen Herstellern stoppt nun auch BMW die Produktion in seinen europäischen Werken. Wegen der Coronakrise geht der Autobauer von einer deutlichen Belastung des Kerngeschäfts aus.

Im laufenden Jahr dürfte die operative Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern im Automobilbau nur noch zwischen 2 und 4 Prozent liegen nach 4,9 Prozent im Vorjahr, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in München mit. Der Absatz von Autos wird vom Management nun deutlich unter dem Vorjahr erwartet, bisher ging BMW noch von einem leicht steigenden Absatz aus.


Dabei gehen die Münchener von einer Belastung der Marge von rund 4 Prozentpunkten durch die Ausbreitung des Coronavirus sowie die Maßnahmen gegen die Lungenkrankheit Covid-19 aus. Diese dürften vor allem das erste Halbjahr treffen, hieß es.

Stammaktie gab nach

Die BMW-Stammaktie rutschte am Vormittag nach Handelsbeginn auf ein weiteres Tief in der Coronakrise ab. Das Papier war bereits in den vergangenen Wochen mit dem Markt heftig unter Druck geraten, noch im Dezember war es im Hoch über 77 Euro noch fast doppelt so viel wert wie aktuell. Die Dividende für die Stämme hatte BMW bereits deutlich um einen Euro auf 2,50 Euro gekürzt.

Weil auch die Finanzdienstleistungen bei den Neuverträgen von der Krise betroffen sind, soll das gesamte Konzernergebnis vor Steuern 2020 noch einmal deutlich unter dem Vorjahr liegen. Deutlich bedeutet bei BMW einen Rückgang um mehr als 10 Prozent. Bereits 2019 war das Vorsteuerergebnis unter anderem wegen hoher Vorleistungen und einer milliardenschweren Kartellrückstellung um 26,1 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Im laufenden Jahr rechnet BMW-Finanzchef Nicolas Peter damit nur mit bis zu 6,4 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern.

BMW will auf die Krise mit einer frühzeitigen Anpassung der Produktion reagieren, dabei nutze der Konzern ein breites Spektrum an Instrumenten, hieß es. Das beinhalte sowohl Arbeitszeitkonten, Homeoffice und Kurzarbeit. Die meisten europäischen Autobauer haben einen Produktionsstopp angekündigt. „Wir stellen den Schutz und die Gesundheit unserer Mitarbeiter sicher und gewährleisten gleichzeitig eine bestmögliche Balance für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens“, sagte Vorstandschef Oliver Zipse laut Mitteilung.

BMW legt Werke still

BMW-Chef Oliver Zipse. Foto: dpa

Während die Münchener die chinesischen Werke zuletzt wieder hochgefahren und die Händler im wichtigsten Einzelmarkt zu großen Teilen wieder ihre Tore geöffnet haben, trifft es nun die Heimat von BMW wie auch bei den Rivalen. Volkswagen und Daimler hatten am Vortag weitgehende Werksstilllegungen für zwei Wochen auch zum Schutz der Belegschaft beschlossen. Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter. Die Produktionsunterbrechung wird voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant», sagte BMW-Chef Oliver Zipse. «Bei uns folgt die Produktion der prognostizierten Absatzentwicklung. Unser Produktionsvolumen passen wir flexibel der Nachfrage an», sagte Zipse.

BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch sagte, die Gesundheit der Mitarbeiter müsse geschützt und ihre Arbeitsplätze und Einkommen müssten abgesichert werden. Ein BMW-Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Mit Kurzarbeit, flexiblen Arbeitszeitkonten und Homeoffice werde BMW die Belegschaft sicher durch die Coronavirus-Krise steuern. (dpa)

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