Gewerkschaft hat Warnstreik bei Bahn beendet

Warnstreiks legten vorübergehend den Fernverkehr bei der Deutschen Bahn lahm. © dpa

Die Gewerkschaft EVG hat ihren Warnstreik bei der Deutschen Bahn beendet. Reisende müssen aber noch den ganzen Tag mit Einschränkungen im Fernverkehr rechnen.

„Die Wucht des Streiks macht deutlich, wie groß die Verärgerung der Kollegen darüber ist, dass weiter kein abschlussfähiges Angebot vorliegt“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Sobald die Bahn schriftlich ein verbessertes Angebot vorlege, sei die EVG bereit, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen.


Der vierstündige Warnstreik hatte am Morgen um 5.00 Uhr begonnen. ICE und Intercitys fuhren nicht, auch im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Einschränkungen, in einzelnen Bundesländern fuhr kaum ein Zug. Auch die Reisezentren wurden bestreikt. Reisende und Pendler wurden am Montagmorgen entsprechend auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Viele mussten auf das Auto oder andere Verkehrsmittel ausweichen. Die Bahn stellte den Fernverkehr bundesweit für mehrere Stunden ein. Im Regionalverkehr kam es zu erheblichen Behinderungen, in einzelnen Bundesländern fuhr kaum ein Zug. Auch die Reisezentren wurden bestreikt.

Reisen auf Dienstag verschieben

Die Bahn empfahl Reisenden ihre Reisen möglichst auf den Dienstag verschoben werden, empfahl die Bahn. Fernverkehrstickets behielten ihre Gültigkeit und könnten bis einschließlich Sonntag (16.12.) genutzt werden.

In mehreren Bundesländern war zudem der Regionalverkehr stark von den Streiks betroffen. In Bayern kam der Zugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Nur die Stammstrecke der S-Bahn in München sei in Betrieb, sagte eine Bahnsprecherin am Morgen. Auch in Nordrhein-Westfalen stand der Regionalverkehr weitgehend still. Es würden mehr als zwei Dutzend Stellwerke bestreikt, nur in einigen Landesteilen gebe es vereinzelt noch Zugverkehr, sagte ein Bahnsprecher. Der Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) traf auch den Südwesten. „Es kommt zu sehr starken Beeinträchtigungen im gesamten Regionalverkehr“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Im badischen Bereich ist der Regionalverkehr momentan mehr oder weniger eingestellt.“

Auch Einschränkungen bei Berliner S-Bahn

Auch der Zugverkehr in Hessen wurde weitgehend lahmgelegt. Nur vereinzelt seien Züge gefahren, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn mit. Der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) hatte schon am frühen Morgen den gesamten Betrieb für die neun S-Bahn-Linien eingestellt. Auch der Betrieb im Frankfurter Hauptbahnhof, einer der wichtigsten Bahnknotenpunkte bundesweit, wurde vorübergehend eingestellt.

Erhebliche Auswirkungen gab es auf die Berliner S-Bahn. Es gebe hier nur noch etwa ein Drittel des normalen Angebotes, sagte ein Sprecher. „Wir bemühen uns, während des Streiks ein Angebot aufrecht zu erhalten“, teilte das Unternehmen mit. Die Fahrgäste in der Hauptstadt wurden aufgefordert, auf U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse auszuweichen. Die S-Bahn in Berlin gehört zur Deutschen Bahn.

Im Fernverkehr sollen alle für Montag gekauften Tickets bis zum Sonntag gültig bleiben, wie die Bahn mitteilte. Für bestimmte Spartickets werde zudem die Zugbindung aufgehoben. Im Fall von Reiseabsagen wegen des Warnstreiks sind Erstattungen von Tickets und Reservierungen geplant. Am Samstag waren die Tarifparteien in Hannover ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die EVG nannte ein aus ihrer Sicht zu geringes Lohnangebot des Konzerns für rund 160.000 Beschäftigte als Anlass für die Warnstreiks. Die Bahn sprach hingegen von einer „völlig überflüssigen Eskalation“.

5,1 Prozent mehr Geld gebot

Zum Tarifangebot gehörten nach Bahn-Angaben eine Entgelt-Erhöhung von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung von 500 Euro. Anstelle der zweiten Stufe sollte den Mitarbeitern erneut die Möglichkeit eröffnet werden, mehr Freizeit zu wählen. Dies sollte nach Darstellung der EVG aber erst ab Anfang 2021 möglich sein.

Von Freitag auf Samstag hatte die Bahn die ganze Nacht hindurch mit der EVG sowie separat mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verhandelt. Beide Gewerkschaften hatten ursprünglich 7,5 Prozent mehr Geld gefordert. (dpa)

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