Autozulieferer haken Krise ab

Rekordjahr erwartet

Autozulieferer haken Krise ab
Der Auto-Zulieferer Leoni verzeichnete Rekordabsätze © dpa

Kurzarbeit und leere Hallen – die Krise hatte die Autozulieferer besonders hart getroffen. Davon ist nichts mehr zu spüren, längst haben viele Firmen ganz andere Probleme: Sie arbeiten an der Kapazitätsgrenze und kämpfen mit steigenden Rohstoffpreisen.

Der weltweite Autoboom füllt die Auftragsbücher der Zuliefererindustrie - nach guten Zahlen 2010 hofft die Branche in diesem Jahr auf Rekorde. Die Krise haben die meisten Firmen längst abgehakt. Den Unternehmen macht nicht mehr die fehlende Nachfrage zu schaffen. Im Gegenteil: vielerorts wird an der Kapazitätsgrenze gearbeitet. Sorgen bereiten den Managern vor allem die steigenden Rohstoffpreise. «Das sind große Unsicherheiten, die wir noch nicht abschätzen können», sagte ein Sprecher des bayerischen Sitzherstellers Grammer am Dienstag in oberpfälzischen Amberg.

Volle Auftragsbücher

Die Krise hatte bei vielen Zulieferern tiefe Spuren hinterlassen. Der Umsatz brach 2009 weltweit im Schnitt um ein Viertel ein, allein in Deutschland gingen mehr als 70 Betriebe in die Insolvenz. Davon ist kaum mehr etwas zu spüren. «In der Autoindustrie sieht es glänzend aus», sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Auftragsbücher seien voll. Vor allem in China und den USA sei die Nachfrage kräftig gestiegen. «2011 könnte zu einem Rekordjahr werden», sagte Dudenhöffer. Schon 2010 haben viele Firmen an die Zeit vor der Krise angeknüpft. So meldete etwa Leoni Rekorderlöse.

Der Nürnberger Kabel- und Bordnetzspezialist steigerte nach einem Umbauprogramm und Stellenstreichungen seinen Umsatz 2010 auf den Rekordwert von 2,96 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern seine eigenen Erwartungen deutlich. Neben den gestiegenen Preisen für Kupfer trieb vor allem die starke Nachfrage in den USA und den Wachstumsmärkten China, Russland und Brasilien den Umsatz. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Leoni mit weiteren Zuwächsen. Das Unternehmen will 2011 die Drei-Milliarden-Euro-Grenze knacken.

Überschuss nach Krisenjahr

Vor Zinsen und Steuern (EBIT) gab es 2010 einen Gewinn von 131 Millionen Euro - nach einem Minus von 116 Millionen Euro im Jahr 2009. Zum Überschuss machte Leoni bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen noch keine Angaben. Früheren Angaben zufolge soll ein Überschuss von rund 55 Millionen Euro angepeilt sein. Die vollständige Jahresbilanz will Leoni am 23. März vorlegen. Der Konzern hatte auf die Krise mit Umbaumaßnahmen reagiert und tausende Stellen gestrichen. Wegen der steigenden Nachfrage sei in der Zwischenzeit aber wieder Personal eingestellt worden.

Auch beim Sitzhersteller Grammer ging es im vergangenen Jahr steil nach oben. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um knapp 28 Prozent auf 929,3 Millionen Euro. Damit lag der Umsatz oberhalb der zweimal angehobenen Prognose. Im Krisenjahr 2009 waren die Erlöse um rund 28 Prozent auf 727 Millionen Euro eingebrochen. Nach einem Vorsteuerverlust 2009 von 23,9 Millionen Euro konnte Grammer 2010 auch operativ in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Vor Steuern und Zinsen verbuchte Grammer einen Gewinn von 32,7 Millionen Euro.

Rekordumsätze bei Bosch

Ähnlich gut lief es im vergangenen Jahr bei den Autozulieferern PWO und Rheinmetall. Auch sie übertrafen ihre Erwartungen deutlich. PWO steigerte seinen Umsatz 2010 um 57,8 Millionen auf 264,2 Millionen Euro. Beim Kolbenhersteller Rheinmetall legten die Erlöse um 30 Prozent zu.

Der Branchenprimus Bosch hatte im Januar ebenfalls Rekordumsätze vermeldet. Auch bei Continental und Schaeffler dürfte es 2010 gut gelaufen sein. Die verbandelten Firmen legen ihre Zahlen in den kommenden Wochen vor. (dpa)

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