Autoteile: Darauf sollten Kunden beim Kauf achten

Kontrolle der Bremsen in der Werkstatt. © Pro Motor

Der Handel mit Autoteilen boomt. Doch worauf müssen Kunden achten, wenn sie im Internet Teile für ihr Fahrzeug bestellen? Wir haben einige Tipps zusammen gestellt.

Dass der Handel mit Kfz-Teilen boomt, ist kein Wunder. Denn Jahr für Jahr werden in Deutschland rund drei Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Pkw liegt zwischen 10 bis 11 Jahre. Jedes Jahr braucht eine großer Teil der laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mehr als 47 Millionen Pkw eine kleine oder große Reparatur. Entsprechend müssen defekte Autoteile gegen neue Kfz-Teile ersetzt.


Routinemäßig muss beispielsweise der Ölfilter gewechselt werden. Schwierige Reparaturen am Motor werden allerdings – auch durch die Originalteile – schnell sehr teuer. Doch wie lassen sich die Ausgaben reduzieren? Beispielsweise durch die Bestellung der Kfz-Teile im Internet. Doch dabei ist Vorsicht geboten, denn es kursieren auch bei den Ersatzteilen Fälschungen, die selbst von Laien schwer zu erkennen sind.

Suche nach dem richtigen Ersatzteil

Wie finde ich das richtige Ersatzteil? Profis in den Autowerkstätten brauchen dafür meist nur wenige Augenblicke. Unerfahrene Halter tun sich mit der Suche deutlich schwerer. Was die Suche beim ersten Mal so zeitraubend macht: Viele Autoteile sehen sich sehr ähnlich. Anhand welcher Gesichtspunkte finde ich nun die passenden Kfz-Teile?

Prinzipiell lassen sich Auto-Teile nach folgenden Kritieren finden: Fahrzeugsuche, Schlüsselnummer beziehungsweise der Direktsuche. Die Direktsuche setzt voraus, dass Halter die Original-Teilenummer oder die Hersteller-Teilenummer kennen. Aufgrund dieser Tatsache ist diese Möglichkeit für eine Suche „ins Blaue“ ungeeignet.

Wer überhaupt keine Ahnung davon hat, welches Ersatzteil gebraucht wird, geht über das Fahrzeug. Im Rahmen der Fahrzeugsuche sind Hersteller, Modellreihe Fahrzeugtyp relevante Angaben, um die Kfz-Teile entsprechend zu filtern. Sind sich Halter bei einer der Angaben nicht ganz sicher, bleibt noch eine dritte Möglichkeit – die Schlüsselnummer. Hierbei handelt es sich um einen Code aus dem Fahrzeugschein/Zulassungsbescheinigung Teil I. Die HSN- und TSN-Nummer identifizieren das jeweilige Fahrzeug eindeutig.
Viele Händler und Online Shops arbeiten mit mindestens zwei der genannten Filterfunktionen. Für Laien sehr einfach in der Anwendung – und damit eine erhebliche Erleichterung – sind die Schlüsselnummern. Hierzu muss aber immer die Zulassungsbescheinigung Teil I vorliegen.

Welche Rechte bestehen bei Mängeln?

Ein Mechaniker kontrolliert das Hinterrad. Foto: SP-X

Wer beispielsweise nach einem Unfall mit Fremdverschulden sein Fahrzeug in der Werkstatt abgibt, der kann es innerhalb kurzer Zeit mit neuen Teilen unter der Haube wieder abholen. Kosten spielen in diesem Fall keine Rolle, da sie von der Gegenseite bzw. der Versicherung getragen werden.

Anders stellt sich die Situation dar, wenn das Auto defekt ist. Wer auf eigene Kosten das Auto reparieren lassen muss, schaut aufs Geld. Und versucht mitunter die Teile selbst zu besorgen. Was passiert, wenn diese einen Mängel aufweisen?

Prinzipiell greifen an dieser Stelle unterschiedliche Sachverhalte. Beispiel Ölwechsel-Kit aus dem Internet: Beim Entpacken des neuen Ölfilters ist ein Schaden direkt zu erkennen. Hier kann das Ganze sofort wieder eingepackt und unter Berufung auf das Widerrufsrecht zurückgesandt werden. In der Praxis sind bei mangelhafter Ware die rechtlichen Aspekte jedoch sehr viel interessanter. Die Gewährleistung ist ein vom Gesetzgeber verankerter Rechtsanspruch, der sich aus einem Mangel am Produkt ergibt. Mangel bedeutet, dass ein Ersatzteil nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat. Der Rechtsanspruch besteht aus: Nacherfüllung und Schadenersatz/Rückabwicklung.

Allgemein hat sich eingebürgert, dass Kunden zuerst eine Nacherfüllung – sprich die Lieferung eines einwandfreien Ersatzteils – in Anspruch nehmen. Die Rückerstattung des Kaufpreises, also eine Rückabwicklung, ist meist der zweite Schritt. Sofern es durch ein defektes Ersatzteil zu einem Schaden am Fahrzeug kommt, kann auch eine Schadenersatzforderung erhoben werden. Prinzipiell gilt an dieser Stelle: Schaden innerhalb 6 Monate – Defekt hat bei Kauf vorgelegen, Schaden nach 6 Monaten – Beweislastumkehr in Richtung Verbraucher.

Garantie ist auf der anderen Seite eine Erklärung zu einem bestimmten Handeln. Der Garantiegeber erklärt vorab, dass bei Eintritt bestimmter Ereignisse entsprechend reagiert wird. Im Handel mit Endverbraucher werden Garantieerklärungen oft in der Weise abgegeben, dass eine Mängelerfüllung – über die gesetzliche Gewährleistung – erklärt wird. Dies kann beispielsweise auf einen Bauteil-Ersatz bei Durchrosten innerhalb der ersten fünf Jahre gelten.

Achtung: Halter müssen sich immer mit den Garantiebedingungen auseinandersetzen, um Ansprüche nicht zu riskieren. Mitunter können die dortigen Regelungen etwas verwirrend formuliert sein.

Gefälschte Autoteile – was tun?

Das Internet ist heute der Weg, um günstig an Autoteile zu kommen. Darunter mischen sich auch viele kleine Shops. Halter, die sich über diesen Markt mit Ersatzteilen eindecken, werden mit verschiedenen Begriffen konfrontiert – und müssen sich zu einem Aspekt im Klaren sein.

Der riesige Autoteile-Markt lockt – wie der Zoll immer wieder erfahren muss – auch schwarze Schafe an. In Fabriken, wie beispielsweise in China oder Indien, werden zweit- und drittklassige Zubehörteile gefertigt. Diese sehen den Originalteilen verblüffend ähnlich (und tragen mitunter auch bekannte Markenzeichen). In Bezug auf die Qualität reichen die Kopien den Originalteilen nicht im Ansatz das Wasser. Das Problem: Viele Bauteile im Auto sind sicherheitsrelevant. Werden Fälschungen verbaut, kann es im Straßenverkehr lebensgefährlich werden. Woran lassen sich Fälschungen erkennen?

1. Der Preis:  Autoteile, die extrem billig angeboten werden, können sehr schnell eine Fälschung sein. In diesem Fall ist generell Vorsicht geboten.

2. Der Anbieter: Haben es Halter mit einem etablierten Ersatzteil-Lieferanten aus Deutschland zu tun oder einem windigen Webshop mit Sitz im Ausland? Der Anbietercheck muss zur Gewohnheit für Halter werden, die Ersatzteile online bestellen wollen. Ein Indiz kann in diesem Zusammenhang auch die Lieferzeit sein.

3. Verpackung und Gütesiegel: Sobald die Ersatzteile zu Hause liegen, ist ein prüfender Blick anzuraten. Kommt das Kfz-Teil in einer neutralen Verpackung? Fehlen vielleicht sogar Gütesiegel und Zertifikate? In diesem Fall ist das Vorliegen einer Kopie wahrscheinlich. Dies gilt auch für technische Gutachten, die nachzuweisen sind.

Wer sich als Halter unsicher ist, kann sich professionellen Rat einholen. Neben der Autowerkstatt des Vertrauens können auch die technischen Prüfdienste in diesem Zusammenhang weiterhelfen. Wie bei einer Fälschung verhalten? Wurde das Teil über einen Händler in Deutschland bezogen, kann im Rahmen der Gewährleistung bzw. des Widerrufs im Versandhandel auf die entsprechenden Original- oder zugelassenen Ersatzteile gepocht werden.

Original- und Nachbauteile

Übrigens: Im Handel mit Kfz-Teilen wird zwischen Original-, Ident- und Nachbauteilen unterschieden. Als Originalteile gehen Autoteile durch, welche vom/für den Kfz-Hersteller gefertigt werden und mit dessen Marke direkt in Verbindung stehen. Identteile stammen vom gleichen Dritthersteller, werden allerdings nicht unter der jeweiligen Automarke vertrieben. Nachbauteile sind Ersatzteile, die von Drittanbietern parallel produziert werden.

Käufer von Teilen sollten auch im Bereich der Legitimationsnachweise sensibel sein. Gibt es für die sicherheitsrelevanten Bauteile eine Teilegenehmigung (Allgemeine Betriebserlaubnis, Allgemeine Bauartgenehmigung, EG-Teiletypgenehmigung oder ein Teilegutachten)? Wer hier unsicher ist sollte einem Sachverständigen zu Rate ziehen. Liegt der angebotene Preis außerdem deutlich unter der sonst üblichen Preisspanne, gilt es vorsichtig zu sein. Auch wenn es banal klingt: Qualität hat ihren Preis.

Achtsamkeit beim Kauf von Kfz-Teilen

Der Autoteile-Markt hat ein Volumen von mehreren Milliarden Euro. Viele Autofahrer bekommen davon wenig mit – schließlich wird das Auto einfach in der Werkstatt abgegeben. Aber: Wer Teile fürs Auto kauft, muss in der Praxis auf sehr viele Details achten. Neben der Suche nach den passenden Teilen, was manchmal der Nadel im Heuhaufen gleicht, sind es auch Fragen zur Gewährleistung und Garantie. Leider werden beide Begriffe von einem Teil der Bevölkerung immer noch verwechselt.

Gewährleistung ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben – und erstreckt sich auf bis zu zwei Jahre. Achtung: Bei Gebrauchtteilen kann auch ein gewerblicher Händler seine Gewährleistungspflicht sehr deutlich einschränken. Aber auch das Thema Fälschung muss auf der Agenda stehen. Leider werden viele Auto-Teile kopiert – was mitunter auch zulasten der Sicherheit im Straßenverkehr gehen kann.

1 Kommentar

  1. Sehr guter Ratgeber! Besser ist die Teileidentifizierung allerdings über die VIN (Fahrgestellnummer), weil dann das Teil auch sicher passt. Die Schlüsselnummern (KBA, bzw. HSN/TSN) identifizieren die Ausstattung nicht mit und können unterschiedliche Teile als Ergebnis liefern, die nicht alle ins Fahrzeug passen.

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