Soundtuning für den Ford Focus

Akustik muss stimmen

Auch der Sound beim Ford Focus muss stimmen
Auch der Sound beim Ford Focus muss stimmen © Ford

Für viele ist der Sound bei einem Auto ein wichtiger Kaufgrund. Erst wenn der Motor sonor klingt, traut man ihm auch etwas zu. Deshalb wurde auch der neue Ford Focus entsprechend aufgemotzt

Von Susanne Kilimann

Unwahrscheinlich, dass sich Autofahrer eines Tages am sanften Flüstern ihres Elektromotors berauschen werden. Denn nur wenn sich der Motor beim kräftigen Tritt aufs Pedal mit sattem Sound meldet, stellen sich die richtigen Emotionen ein. Und weil das so ist, gehört Soundoptimierung inzwischen ebenso zur Modellpflege wie das Update in Sachen Design oder die Aktualisierung der Assistenzsysteme.

Sound-Check am Ford Focus-Motor

Beim Sound-Check der Motoren haben die Akustikspezialisten der Hersteller selbstverständlich nicht nur die Modelle der eigenen Marke, sondern immer auch die Konkurrenz im Ohr. Schon deshalb konnte man bei Ford mit der akustischen Performance des aktuellen Focus nicht zufrieden sein. Der Gesamteindruck sei zwar ganz passabel. "Doch bei starken Beschleunigungsmanövern mangele es dem aktuellen Focus an akustischem Charakter", bringt es Martin Hildebrandt auf den Punkt.

Hildebrandt gehört zu den Experten der Fachabteilung NVH ("Noise" (Geräusch), Vibration und "Harshness" (Widerstandsfähigkeit)) am Ford-Entwicklungsstandort in Köln-Merkenich. Hier wird der Sound für den neuen Focus kreiert, für das neue "Weltauto" des Konzerns, das auf drei Kontinenten gefertigt wird und Anfang kommenden Jahres gleichzeitig in Amerika, Europa und Asien auf die Straßen kommen soll.

Kräftig nachgebessert

Ford-Labor in Köln
Ein Labor von Ford in Köln Ford

In den NVH-Labors wurde also kräftig nachgebessert. Computergrafiken, die Klangentfaltung in Form von farbigen Feldern in Achsendiagrammen sichtbar machen, zeigen das Resultat schon einmal, bevor der Hersteller sein grunderneuertes Kompaktmodelle offiziell auf die Straße lässt. Über Computer und Kopfhörer geben die Entwickler auch erste akustische Kostproben. Wenn der Benzinmotor, der das Kompaktmodell künftig mit bis zu 180 kW/245 PS auf Trab bringen wird, seine volle Leistung entfaltet, liefert das Aggregat standesgemäße Begleitmusik.

Anders als beim aktuellen Focus, bei dem die Ohren lediglich kleine Unterschiede zwischen moderater Beschleunigung und Vollgas wahrnehmen können, werden beim Nachfolgemodell Vollgaspassagen mit entsprechender akustischer Power quittiert.

Zwecks Verbrauchsoptimierung werden bei Herstellern landauf landab Hubräume verkleinert und das Leistungsvermögen der Aggregate durch Turboladung gesteigert. Gerade die Turbolader aber zerstören den typischen Motorensound und stellen die Klang-Designer damit vor besondere Herausforderungen, erläutern Fords Sound-Experten.

Nachrüstung mit Sound-Symposern

Moderne Motoren werden deshalb mit sogenannten Sound-Symposern ausgerüstet. Ein Symposer erzeugt Schwingungen mit einer Membran und verstärkt durch präzise ausgetüftelte Technik genau die Klangfrequenzen, die von Autofahrern gemeinhin als besonders angenehm und anregend empfunden werden. Mit künstlichem Sound habe das gar nichts zu tun, wehren sich Fords Klangbastler gegen kritische Vorbehalte. Der Motor allein sei die Quelle der Geräusche.

Das Heck des Ford Focus Ford

Dem Zweiliter-Dieselaggregat, das im neuen Focus ebenfalls zum Einsatz kommen wird, haben die Kölner Spezialisten zudem das dieseltypische Klopfen abgewöhnt. Weitestgehend zumindest. Selbst bei ambitionierten Überholmanövern hört sich der Dieselmotor kaum anders an als ein Benziner, zeigen die Sound-Demonstrationen der NVH-Experten. Das gilt allerdings nur für den Innenraum des Autos, auf den bei der Soundentwicklung das Hauptaugenmerk gerichtet wurde. Von außen sind Unterschiede zwischen beiden Antriebsvarianten noch deutlicher auszumachen. Doch Passanten mit sensiblem Ohr dürften den neuen Focus künftig doch etwas weicher dieseln hören als das Vorgängermodell. (mid)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.