PS – die wöchentliche Abgasnachbehandlung

Kolumne

Frank Mertens © Foto: Susanne Dröge

Über klimafreundliche Elektroautos, Stromriesen, die auf ein Öko-Image hoffen und negative Auswirkungen von Sitzheizungen auf die Zeugungsfähigkeit.

Endlich, kann man da nur sagen. Das Fahren mit Elektroautos rückt nun auch in Deutschland immer näher. Der Autobauer Daimler und der Stromversorger RWE haben sich zu einer Elektroauto-Offensive zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen die Großkonzerne dafür sorgen, dass es in den europäischen Städten ausreichend Ladestationen für den Betrieb von Elektroautos gibt - im konkreten Fall für den Elektro-Smart.

500 Ladestationen in Berlin

Nachdem in London bereits seit Ende des vergangenen Jahres 100 Elektro-Smarts durch die Innenstädte düsen, sollen nun weitere Städte folgen - erst Berlin, dann andere Metropolen. Im Rahmen des «E-Mobility» genannten Projektes sollen in Berlin zunächst 500 Ladestationen errichtet werden, an denen 150 Elektro-Smarts auftanken können. Insgesamt plant Daimler in dieser Projektphase europaweit 1000 Elektro-Smarts zu platzieren.

Für die Umwelt ist das mit Blick auf die CO2-Bilanz eine prima Sache. Zwar ist ein Elektro-Smart nicht gänzlich schadstofffrei unterwegs - der Strom muss ja schließlich auch produziert werden - doch seine CO2-Bilanz liegt mit rund 60 Gramm pro Kilometer in einem glänzenden Bereich.

Kunden müssen aufpassen

Also kann eine solche Partnerschaft zweier Großkonzerne aus klimapolitischer Sicht nur begrüßt werden? Nicht ganz! Denn mit RWE hat sich Daimler einen Partner ausgesucht, dessen Chef Jürgen Großmann sich immer wieder vehement für eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken einsetzt und in einem Interview auch einen reinen Atomstromtarif nicht ausschloss, der mittlerweile jedoch vom Tisch zu sein scheint. Natürlich hat der Essener Stromriese auch Strom aus erneuerbaren Energien im Angebot, doch zum Großteil setzt RWE nun einmal zu rund 57 Prozent auf Kohlekraftwerke - bekanntlich beim CO2-Ausstoß die größten Dreckschleudern.

Es bleibt also abzuwarten, mit was für einem Strommix zukünftig ein Öko-Auto wie der Elektro-Smart unterwegs sein wird und wie sich seine CO2-Bilanz darstellt. Der Kunde muss also auch zukünftig weiter aufpassen, was ihm unter dem Deckmantel der Klimafreundlichkeit verkauft wird - und mit welchem Strom ein Elektroauto betankt wird.

Gefahr durch Sitzheizung

Bleiben wir noch ein wenig beim Strom und seinen möglichen Gefahren für Autofahrer. Die Meldung, die in dieser Woche aus Gießen und England kam, muss jeden Mann beunruhigen, der im Winter nicht auf seine Sitzheizung verzichten mag. Denn durch eine zu hohe Sitztemperatur kann die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Angesichts dieser Aussage der Wissenschaftler sollte man es sich also im Winter genau überlegen, ob man nicht doch lieber auf seine Sitzheizung verzichtet. Ein kurzzeitig kalter Hintern ist schließlich zu verschmerzen.

Angesichts gestiegener Spritpreise ist bei den Autofahrern endlich ein Bewusstseinswandel eingetreten. Sie achten beim Autokauf immer weniger auf die Motorleistung, sondern die wirklich wichtigen Dinge: So kam bei einer Umfrage im Auftrag des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) heraus, dass für zwei Drittel der Befragten der Spritverbrauch beim Autokauf am wichtigsten sei. Danach folgen die Sicherheit (42 Prozent) und die ökologische Sauberkeit (35 Prozent). Nur zwölf Prozent gaben an, dass die Motorleistung für sie das entscheidende Kriterium sei. Das sind doch Aussagen, die zum Wochenende zuversichtlich stimmen.