Natur-Rennstrecke im Teutoburger Wald

82 Hektar großes Gelände

Natur-Rennstrecke im Teutoburger Wald
Testgelände im Teutoburger Wald © Bilster Berg Resort

Der Bau läuft bereits. Im Teutoburger Wald entsteht gerade eine Test- und Präsentationsstrecke für Pkw. Sie soll auch Autobauern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt werden.

Eine Test- und Präsentationsstrecke für Kraftfahrzeuge entsteht derzeit im Teutoburger Wald. Auf einem 82 Hektar großen, ehemaligen Militärgelände nahe des nordrhein-westfälischen Kurortes Bad Driburg wird ein insgesamt 4,2 Kilometer langer Rundkurs gebaut, den Automobilhersteller und -zulieferer zur Erprobung neuer Technologien und Fahrzeugmodelle nutzen können. In Betrieb genommen wird die Strecke voraussichtlich im Herbst 2011.

Natur-Rennstrecke

Das sogenannte "Bilster Berg Drive Resort" wird eine Natur-Rennstrecke, die trotz deutlich geringerer Distanz bei den Ansprüchen an Fahrer und Autofan die legendäre Nordschleife des Nürburgrings erinnert. Sie ist auf dem Bilster Berg gelegen, die Streckenführung wird den natürlichen Gegebenheiten angepasst. Beim Kreiseln rund um den Kurs muss der Fahrer insgesamt 70 Höhenmeter bewältigen. Das maximale Gefälle beträgt 9,5 Prozent, die höchste Steigung liegt bei zehn Prozent. Durch die extremen Bedingungen können Fahrzeuge und Komponenten auf jegliche Widrigkeiten geprüft werden, Fahrer und Passagiere gehen an ihre Grenzen.

Motorsport-Veranstaltungen à la Formel 1 sind auf dem 4,2 Kilometer langen Rundkurs nicht angedacht. Die Strecke dient ausschließlich Erprobungszwecken und Veranstaltungen. Neben den Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Autoindustrie können einzelne Markencups sowie gezielte Fahr- und Sicherheitstrainings auf der Strecke stattfinden. Der Rundkurs kann dafür auch in zwei kleinere Teilstücke aufgesplittet werden, so dass mehrere Veranstaltungen parallel durchgeführt werden können. Die 2,4 Kilometer lange Ostschleife verfügt dann über die Start-Ziel-Geraden mit den dazugehörigen Boxengassen und Veranstaltungsräumen, beim 600 Meter kürzeren Westkurs ist ein Klubhaus die zentrale Anlaufstelle für die Teilnehmer und Besucher.

Mit Geländeparcours

Neben der klassischen Rennstrecke wartet das Areal auch mit zwei Gelände-Parcours auf. SUV und andere Allradfahrzeuge lassen sich auf einem 950 Meter langen, künstlich angelegten Geländekurs und in einem vier Hektar großen, naturbelassenen Waldgebiet auf Herz und Nieren prüfen. Eine 250 Meter lange Fahrdynamikfläche erlaubt zudem eine Simulation von Gefahrensituationen wie Aquaplaning. Eine hydraulische Schleuderplatte versetzt das Fahrzeug, so dass das Heck ausbricht.

Der Fahrer kann so im Rahmen von Sicherheitstrainings erlernen, wie er das Auto im Ernstfall abfängt und einen Unfall verhindert. Auch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP lässt sich dort erproben. Darüber hinaus soll die Strecke für die Verkehrsmedizin und -psychologie genutzt werden, Unfallopfer werden durch Fahrtraining wieder in den Straßenverkehr eingegliedert. Für Sicherheit sorgen die FIA-Standards und ausreichend Auslaufzonen. Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus privaten Mitteln, das Gesamt-Investitionsvolumen für Planung und Streckenbau beträgt insgesamt rund 34 Millionen Euro.

Die Idee für den zentral in Deutschland gelegenen Rundkurs ist von dem ortsansässigen Unternehmer Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff gekommen. Der bekennende Autoliebhaber will durch das Test-Gelände dafür sorgen, dass Deutschland eine der führenden Automobil-Nationen bleibt. Denn den Herstellern fehle es derzeit an ausreichend Teststrecken für neue Technologien in Deutschland, oftmals müss eauf ausländische Areale ausgewichen werden, so der Graf. Mit der neuen Strecke soll sich dies ändern. Unterstützt wird er dabei unter anderem von dem Streckenarchitekten Hermann Tilke sowie dem Rallye-Experten Walter Röhrl. (mid)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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