GM verdreifacht Finanzierungszusage

1,9 Milliarden Euro für Opel

Opel-Chef Nick Reilly
Opel-Chef Nick Reilly © Foto: dpa

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel bekommt von GM eine deutlich höhere Finanzzusage für die Restrukturierung als bislang in Aussicht gestellt. Der Mutterkonzern stellt dafür nun 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung.

Von Frank Mertens
 
Der Opel-Mutterkonzern wird sich mit 1,9 Milliarden Euro am Zukunftsplan von Opel beteiligen. Das gab Opel am Dienstag auf dem Autosalon in Genf bekannt. Nachdem sich GM bislang mit nur 600 Millionen Euro an dem europäischen Zukunftsplan in Höhe von 3,3 Milliarden Euro beteiligen wollte, stellt der Mutterkonzern nun mehr als das Dreifache dafür zur Verfügung.

"Klares Bekenntnis"

"Das ist ein klares Bekenntnis zum europäischen Geschäft, das für GM von entscheidender Bedeutung ist", sagte GM-Chef Ed Whitacre. "Neben den rein finanziellen Aspekten ist es auch ein wichtiger Schritt, um Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft von Opel zu schaffen – für unsere Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Gewerkschaften, Händler und auch für die europäischen Regierungen", fügte der GM-Boss hinzu. Opel-Chef Nick Reilly zeigte sich mit der Erhöhung der Finanzzusage ausgesprochen zufrieden. "Die 1,9-Milliarden-Finanzierungszusage von GM ist genau die richtige Maßnahme für Opel. Sie signalisiert die Entschlossenheit, unser Geschäft wieder auf eine solide Basis zu stellen."
 
Nachdem sich GM an der Restrukturierung von Opel nun mit einem deutlich höheren Beitrag beteiligt, hofft das Unternehmen darauf, dass das die Entscheidung der Bundesregierung und der Länder befördert, sich mit Steuermitteln an den insgesamt notwendigen Kosten von 3,3 Milliarden Euro zu beteiligen. "Wir haben diese Entscheidung der Europäischen Kommission und den beteiligten Regierungen auf Bundes- und Landesebene mitgeteilt. Jetzt hoffen wir, dass dieses deutliche Signal als ein wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen gesehen wird, mit Hilfe von Bürgschaften die noch ver­bleibende Finanzierungslücke überbrücken zu können", fügte Reilly hinzu.

Keine Liquiditätsprobleme für dieses Jahr

Bislang hatten die europäischen Regierungen das Ansinnen von Opel auf Bürgschaften angesichts des geringen GM-Beitrages von 600 Millionen Euro abschlägig beschieden und einen höheren Betrag eingefordert. Diese Hürde für Staatshilfen dürfte mit dieser Finanzzusage überwunden sein. Durch die nun zur Verfügung gestellten 1,9 Milliarden Euro ergibt sich eine Verringerung der bei den europäischen Regierungen erbetenen Kredit- und Bürgschaftszusagen von 2,7 Milliarden auf unter zwei Milliarden Euro. Durch die Finanzzusage sind alle Liquiditätsprobleme von Opel in diesem Jahr behoben.

Verhaltene Freude bei Franz

Mit verhaltener Freude reagierte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz auf die Finanzierungszusage. "Jetzt ist das Gerede von einer drohenden Insolvenz erst einmal vom Tisch", sagte Franz. Zugleich warnte der Arbeitnehmervertreter aber vor Euphorie. Dafür sei man zu häufig von GM enttäuscht worden. "Natürlich erleichtert diese Finanzzusage der Bundesregierung und den Ländern die Entscheidung, über den Antrag von 1,5 Milliarden Euro für Opel zu entscheiden", fügte Franz hinzu.
 
Nun sei es aber wichtig, dass GM sich auch zu einer Arbeitsplatzsicherung der Beschäftigten bekennt und sicherstellt, dass sie den Abfluss von möglichen Staatshilfen ins Ausland verhindert.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.