Autoknacker haben neue Vorlieben

Gestellte Szene: Ein Autoknacker macht sich an einem Fahrzeug zu schaffen. © Foto: press-inform

Bei Autoaufbrüchen hat sich in den letzten Jahren ein neuer Trend entwickelt. Besonders die Ausstattung der Fahrzeuge weckt bei Dieben Begehrlichkeiten.

Von Heiko Haupt

Für Autofahrer ist ein Navigationsgerät ein nützliches Extra, das die Wegfindung erleichtert und das mühsame Suchen auf Straßenkarten erspart. Kriminelle dagegen interessieren sich für derartige Vorzüge denkbar wenig. Sie sehen in Navigationsgeräten und weiteren elektronischen Extras vor allem eine interessante Einnahmequelle. Das hat zur Folge, dass mancher Autoknacker sich spezielle Fähigkeiten aneignet, um schneller und besser an die wertvolle Ware zu kommen - während Polizei und Versicherer vor einem neuen Problem stehen.

Ausmaß unbekannt

Dass sich derzeit etwas tut in Sachen Diebstahl aus dem Auto, das ist in Fachkreisen schon bekannt und sorgt für Unruhe. Nur weiß man immer noch nicht so genau, mit welchem Ausmaß man es zu tun hat. «Wir wissen, dass solche Dinge immer mehr entwendet werden», bestätigt Christan Weishuber, Sprecher der Allianz Versicherung in München. «Das Problem ist, dass wir keine Zahlen haben.»

Auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin steht man vor dem Problem fehlender Zahlen. Denn laut GDV-Sprecher Klaus Brandenstein werden statistisch nur Bereiche wie «Radio/Phono» oder «Sonstiges» erfasst - eine genauere Differenzierung wird noch nicht gemacht. «Aber man weiß, dass es ein Problem ist.» Das ist allerdings eben noch recht neu, so dass man sich nun Wege überlegen muss, solche Diebstähle genauer zu erfassen.

Diebesgut oft wertvoll

Bei der Polizei Hamburg zeigt zumindest die Kriminalstatistik des Jahres 2005, was Kriminelle derzeit bevorzugen. Insgesamt freut die Behörde sich zwar, dass mit 22.331 Fällen von Diebstahl aus Autos die niedrigste Zahl seit 1981 erreicht wurde. Doch wenn etwas gestohlen wurde, war es oft wertvoll: An erster Stelle liegt bei entwendeten Auto-Teilen mit 31,4 Prozent weiter das Autoradio. Auf dem zweiten Platz jedoch folgt laut Polizeisprecherin Karina Sadowsky bereits der Bereich der Navigationsgeräte. «Der Anteil liegt bei 15,5 Prozent - im Jahr davor waren es noch weniger als 10 Prozent.» Auch die nächsten Plätze zeigen, dass Diebe es auf Elektronisches abgesehen haben: Platz drei belegen laut Sadowsky mit 9 Prozent Handys, danach kommen mit 5 Prozent Laptops - und Airbags mit 4,5 Prozent.

Einen großen Anteil an entwendeten Navigationssystemen dürften die immer weiter verbreiteten mobilen Geräte haben. «Diese Geräte sind von außen meist sehr gut sichtbar untergebracht», sagt Johann Novicki, Experte für Elektroniksysteme beim ADAC in München. Hinzu kommt, dass die Geräte nicht fest im Auto montiert werden, da sie ja auch mobil sein sollen. Novicki rät daher, ein mobiles Navigationsgerät beim Verlassen des Fahrzeugs auf jeden Fall aus dem Sichtbereich zu nehmen - schon die Unterbringung im Handschuhfach ist besser als das zur Schau stellen hinter der Windschutzscheibe.

Auch Erstausstattung im Visier

Auch vor fest installierten Systemen wird kein Halt gemacht. Foto: dpa

Während die recht einfach zu entwendenden Mobilgeräte laut Nowicki eher ein Fall für Kleinkriminelle sind, vermutet der Experte hinter einem anderen Bereich bandenmäßig organisierte Kriminalität: «Wir bekommen immer wieder Meldungen, dass auch Teile der Erstausrüstung eines Fahrzeugs entwendet werden.» Dabei handelt es sich in der Regel um zentral angebrachte Elemente in der Mittelkonsole - und die enthalten nicht nur das Navigationssystem. «Da ist das ganze Entertainment drin, vom Radio über den CD-Player und das Navigationssystem bis hin zur Steuerung der Klimaanlage.»

Eine solche komplexe Anlage ist natürlich recht wertvoll. Während Laien sie kaum demontieren könnten, wissen die professionell agierenden Banden genau, wie sie so ein Bauteil heraus bekommen. Für den Autofahrer selbst ist es schwer, die Tat zu verhindern. «Eine Alarmanlage könnte vielleicht etwas abschrecken», meint Klaus Brandenstein vom GDV. «Aber oft geht so ein Diebstahl recht schnell vonstatten.» Gefordert sind daher auch die Hersteller der Fahrzeuge. «Wir plädieren dafür, dass gerade so hochwertige Teile in einem Auto besser vor Diebstahl gesichert werden.»

Code-System weiter verbessern

Ein Weg dazu könnte laut Brandenstein sein, dass nicht mehr so viele wertvolle Komponenten an einem Ort gebündelt werden. Johann Nowicki hat noch eine zusätzliche Forderung: «Es geht auch darum, eine Entcodierung zu verhindern, so dass die Geräte nicht mehr in einem anderen Fahrzeug eingesetzt werden können.»

Die Autofahrer selbst sollten schon aus eigenem Interesse gerade bei mobilen Geräten auf den Diebstahlschutz achten - solche Teile sind nicht mitversichert. «Versichert ist, was fest im Fahrzeug eingebaut ist», erklärt Christian Weishuber von der Allianz. Doch auch bei einem gestohlenen Werksgerät, das fest mit dem Auto verbunden ist, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Zwar gibt es Geld für die Montage und ein Ersatzgerät von der Versicherung. «Es wird aber nicht der Neuwert, sondern der Zeitwert ersetzt», warnt Johann Nowicki. Wer sich dann auf die Suche nach Ersatz in vergleichbarem Zustand und Alter macht, stößt unter Umständen bei Online-Auktionshäusern auf ein Gerät, das dem entwendeten nicht von ungefähr täuschend ähnlich sieht. (dpa)