Aufbruchstimmung bei Chevrolet

Europa-Chef Wyane Brannon

Aufbruchstimmung bei Chevrolet
Europa-Chef Wayne Brannon © Chevrolet

Vor fünfeinhalb Jahren wurde in Deutschland aus Daewoo Chevrolet. Wayne Brannon, Europa-Chef der GM-Tochter, hält nicht nur wegen des Elektroautos Volt den Durchbruch für geschafft. Allerdings sieht er noch Handlungsbedarf beim Image der Marke.

Von Thomas Flehmer

Die Skepsis im Jahr 2005 war groß, als am 19. Februar der Namenswechsel von Daewoo zu Chevrolet vollzogen wurde. Da Chevrolet damals nur PS-lastige Produkte im Angebot hatte, begann der Einstieg in die kleinen Segmente mit koreanischen Autos. Sie genossen seinerzeit nicht den besten Ruf. "Viele Leute waren damals misstrauisch, aber wir haben dieses Misstrauen mit harter Arbeit aus der Welt schaffen können. Wir verdoppelten das Geschäft. Bis 2008 konnten wir 500.000 Autos in Europa verkaufen", sagt Wayne Brannon, Europachef von Chevrolet rückblickend.

Durchbruch geschafft

Die koreanischen Erzeugnisse mit dem Chevrolet-Kreuz auf dem Kühlergrill schafften in den Anfangszeiten in Deutschland immerhin einen Marktanteil von 0,5 Prozent. Während in den ersten drei Jahren eine halbe Million der neuen Chevrolet/Daewoo-Fahrzeuge verkauft wurden, waren es allein 300.000 Einheiten von Januar bis August, was einem Marktanteil in Europa von 2,5 Prozent verspricht. "Wir haben erneut ein gutes Jahr, obwohl der Markt im Vergleich zu 2009 zurück gegangen ist", sagt Brannon. Mittlerweile peilt die GM-Tochter in Deutschland einen Marktanteil von einem Prozent an.

Den Erfolg der Marke Chevrolet, immerhin die viertgrößte weltweit, sieht Brannon besonders in der Verbesserung der Produkte. "Wir haben neue Voraussetzungen für Chevrolet. Wir haben einen neuen Standard von Fahrzeugen bezogen auf Sicherheit, Interieur und Motoren." In den Anfangsjahren noch von vielen belächelt, sieht Brannon die Marke längst als vollwertiges Konkurrenzprodukt an. "Es ist ein Durchbruch für uns."

Besetzen neuer Segmente

Der Orlando kommt im nächsten Jahr Foto: Chevrolet

Besonders die Mittelklasse-Limousine Cruze, die 2009 auf den Markt kam, sowie in diesem Jahr die Einführung des Kleinwagen Spark, sind Eckdaten für Brannon, die auf die Konsolidierung der Marke hinweisen. Und die Zukunft scheint weitere gute Zeiten zu versprechen. Für das kommende Jahr sind sieben Neuheiten geplant, darunter das Elektroauto Volt, das Ende 2011 kommen wird und Chevrolet von technischer Seite aus gut zu Gesicht stehen wird.

Ebenso wichtig wie das Elektroauto sind für Brannon der Einstieg in das Segment der Familienvans mit dem Orlando sowie das Fließheckmodell des Cruze. "Wir betreten mit dem Orlando ein neues Segment und haben mit dem Cruze Hatchback höhere Chancen als mit dem Viertürer. Immerhin machen die Fließheckmodelle in diesem Segment rund 90 Prozent aus."

"Gewaltige Renaissance"

Neues Image mit dem Spark Foto: Chevrolet

Die Verbreiterung des Angebots soll das Image Chevrolets als amerikanische Spritfresser verändern. Bisher ist die Marke gerade in 25 Prozent aller Segmente vertreten. In zwei Jahren will Chevrolet laut dem Manager, der seit dem 1. Januar 2006 an der Spitze der europäischen Abteilung steht, "50 bis 75 Prozent aller Segmente abdecken. "Selbst wenn wir nur 50 Prozent der Segmente abdecken, verdoppeln wir unser Angebot. Ich gehe aber davon aus, dass wir besser sein werden."

Der Mittfünfziger spricht von einer "gewaltigen Renaissance, wie ich sie in meinen 40 Jahren in dem Business noch nie erlebt habe." Trotz des Neuheiten-Feuerwerks sieht Brannon noch viel Arbeit vor sich - das Image drückt. "Unsere größte Herausforderung ist nicht das Produkt, das Händlernetz, sondern die Geschichte der Marke zu erzählen. 85 Prozent der Kunden sagen, es ist eine amerikanische Marke, die hauptsächlich SUV und Sportwagen herstellt. Aber den Spark zum Beispiel kennen sie nicht."

Kampf gegen die Vergangenheit

Mit dem Camaro verbinden viele den Namen Chevrolet Foto: Chevrolet

Frei nach dem ersten pastoraltheologischen Gesetz, den Menschen dort abzuholen, wo er steht, will Brannon die neuere Geschichte von Chevrolet öffentlich machen. "Wir müssen die Kunden ansprechen im Fernsehen oder über Social Media wie Facebook. Das Wichtigste ist, nicht zu erzählen, dass Chevrolet eine amerikanische Marke mit Vergangenheit ist, sondern welche Produkte wir heute anbieten." Gerade in der virtuellen Welt seien die jungen Leute erreichbar, die sich auch die vergleichsweise preisgünstigen Produkte leisten könnten. Doch Brannon weiß, dass es ein langer Weg ist, bis die potenziellen Kunden erreicht werden.

So erwartet der Manager für 2011 trotz der Einführung von sieben neuen Fahrzeugen auch keinen großen Aufschwung, aber einen weiteren Zugewinn von Marktanteilen. "18 Millionen Autos werden in Europa im Jahr verkauft. Wenn wir davon einige Hunderttausend abbekommen, wären wir schon zufrieden."

"Nachrichten von gestern"

Der Volt soll die Marke voranbringen Foto: Chevrolet

Ein Hinderniss ist aber bereits nach fünf Jahren völlig verschwunden, der Name Daewoo. "Daewoo ist fünf Jahre her", sagt Brannon, "wir verkaufen keine Daewoos mehr. Selbst in Korea nicht mehr. Das sind Nachrichten von gestern." Und auch die Skepsis ist weitgehend gewichen - über die Marke gelächelt wird auch nicht mehr." Was die Kunden zu erwarten haben, wird gerade auf dem Autosalon Paris gezeigt. Dort stehen die Autos, die im kommenden Jahr auf den Markt kommen werden. Da ist der Orlando, der Cruze Hatchback, der Aveo oder auch der Captiva, der neue Motoren bekommt.

Wer die Autos auf dem Messestand von Chevrolet stehen sieht, kann erahnen, dass für Chevrolet eine neue Ära begonnen hat. Die GM-Tochter ist mit diesen Produkten zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten geworden. Auf die Kundenresonanz im kommenden Jahr kann man gespannt sein.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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