Immer weniger Privatkunden kaufen Neuwagen

Neuer Negativrekord

Die Rabatte für Neuwagen sind zurück gegangen. © dpa

Für die Autobauer sind die Zahlen erschreckend: Seit 1990 geht die Zahl der Privatkunden bei den Neuwagenkäufen zurück. Damit verlieren die Hersteller ihr ertragreichstes Klientel. Das Problem sei indes selbstgemacht, so der Autoexperte Dudenhöffer.

Die Autobauer verlieren nach und nach immer mehr Privatkunden und damit ihre ertragreichste Klientel. Wie aus einer aktuellen Analyse des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hervorgeht, wurden in den ersten 10 Monaten des Jahres lediglich 940.280 neue Pkw von Privatkunden zugelassen. Damit kommt diese Gruppe bei den Pkw-Neuzulassungen auf einen Anteil von gerade einmal 36,8 Prozent. Seit 1990 wurden damit noch nie so weniger Neuwagen von Privatkunden zugelassen wie in diesem Jahr. In diesem Jahr wird mit 1,10 Millionen Neuwagen von Privatkunden gerechnet.

Fünf Trends für Rückgang ausgemacht

Als Grund für diese Negativentwicklung hat Dudenhöffer fünf Gründe ausgemacht. Dazu gehören laut dem Wissenschaftler der nach der Wiedervereinigung mittlerweile gedeckte Bedarf an Neuwagen. Während im Jahr 1990 der Pkw-Bestand in der Bundesrepublik bei 35,5 Millionen Fahrzeuge lag und damit auf 1000 Einwohner 449 Pkw kamen, waren es in den neuen Bundesländern nur 293 Pkw. „Bereits im Jahre 1995 war der Fahrzeugbestand in den neuen Ländern auf 443 Pkw pro 1000 Einwohner gewachsen. Die neuen Länder bewegten sich damit schon auf ein „Markt-Sättigungsniveau“, stellte der Wissenschaftler fest.

Daneben machte Dudenhöffer als weiteren Grund die private Nutzung von Dienstwagen aus, die in den vergangenen 25 Jahren anstiegen. „Der Trend zu privat-genutzten Firmenwagen erklärt allerdings weniger als 10 Prozent des Rückgangs der Privatkäuferanteile.“ Deshalb sorgt auch die Nutzung von Alternativen für einen Rückgang des Privatkundengeschäfts. Dazu zählen Carsharing-Angebote ebenso wie schnelle und preisgünstige Flug- und Zugverbindungen. „In den Städten wurden in den letzten 20 Jahren weiterhin die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ausgebaut. Die Jahreskilometerleistungen der privaten Fahrzeughalter sinken. Da Fahrzeuge nach dem Tacho altern und nicht unbedingt nach der Zeit, reduziert sich der jährliche Ersatzbedarf der Privatkäufer.“

Eigenzulassungen als Problem

Als weitere Gründe führt Dudenhöffer den Bedeutungsrückgang des Autobesitzes bei jungen Menschen in Großstädten an. „Diese Entwicklung wird sich mittel- und langfristig in stärkeren Rückgängen der Neuwagenverkäufe auswirken.“ Zudem steigt das Angebot an Tageszulassungen und jungen Dienstwagen. So werden nach der Analyse mittlerweile mehr als 29 Prozent aller Neuwagen in Deutschland als Eigenzulassungen in den Markt gebracht. Lässt man das Abwrackprämienjahr 2009 außen vor, dann seien in den zurückliegenden „sieben Jahren pro Jahr im Durchschnitt mehr als 860.000 Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern getätigt. Diese Fahrzeuge kommen als Tageszulassungen und junge Dienstwagen mit hohen Nachlässen nach kurzer Zeit in den Wiederverkauf und verdrängen damit den klassischen Neuwagen.“

Damit würden die Autobauer sich quasi ihren eigenen Markt kaputt „schießen“, wie der Wissenschaftler feststellt. „Es sind also zu einem größeren Teil hausgemachte“ Probleme, die den Deutschen die Lust am richtigen Neuwagen verderben.“ (AG/FM)