Immer weniger Unfälle durch Alkohol

Illegale Rauschmittel nehmen zu

Alkohltest durch die Polizei © dpa

Durch Alkohol im Straßenverkehr kommen in Deutschland immer weniger Menschen ums Leben. Sorgen macht den Experten allerdings die Entwicklung im Zusammenhang mit illegalen Rauschmitteln.

Auf den ersten Blick ist die Nachricht überraschend: «Grundsätzlich ist es so, dass sich die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss rückläufig entwickelt», erläutert Erwin Grosse vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS) in Hamburg. «In Hinblick auf den Drogenkonsum am Steuer ist festzustellen, dass die Zahl der erwischten Fahrer und auch die Zahl der Unfälle zunimmt.» Doch während sich das eine nach Entwarnung und das andere nach drohender Gefahr anhört, zeigen die reinen Zahlen ein anderes Bild - denn in der Negativ-Statistik hat das Problem Alkohol immer noch einen beachtlichen Vorsprung.

Rund 50 Tote jährlich durch Drogen-Unfälle

Aber immerhin: Bei den Alkoholunfällen mit Personenschaden hat es in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang um etwa ein Drittel gegeben. Wie Sven Rademacher, Sprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Bonn berichtet, kam man im Jahr 1996 noch auf 34.468 Alkoholunfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen. Im Jahr 2000 waren es 27.375, im Jahr 2005 sank die Zahl weiter auf nun 22.004.

Doch während bei den Unfällen im Zusammenhang mit Alkohol Fortschritte erzielt werden, steigt auf der anderen Seite die Anzahl der Drogen-Unfälle - wenn auch auf niedrigerem Niveau: «Im Jahr 1995 gab es laut Statistik 607 Unfälle unter dem Einfluss so genannter anderer berauschender Mittel, bei denen Personen zu Schaden kamen», so Sven Rademacher. In Zahlen bedeutet das: Im Jahr 2000 wurde bei 1015 Unfällen Drogenkonsum bei einem der Fahrer festgestellt. 2004 erreichte die Zahl mit 1521 ihren bisherigen Höchststand und sank dann im Jahr 2005 wieder auf 1373.

Bei den Getöteten entwickelten sich die Zahlen entsprechend: Bei Unfällen unter Drogeneinfluss starben 1995 laut Statistik 17 Menschen, im Jahr 2000 waren es 55 und im Jahr 2005 dann 51. Unfälle unter Alkoholeinfluss führten 1996 noch zu 1472 Todesopfern, 2005 waren es 603.

Drogen-Erkennung noch Neuland

Allerdings sind sich die Experten nicht einig darüber, was die Entwicklungen ausgelöst hat: «Dass die Zahl der Fahrer unter Drogeneinfluss steigt, heißt im Endeffekt nur, dass man bei den Kontrollen mehr erwischt hat», sagt Bastian Roet, Verkehrssoziologe des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Denn während die Alkoholkontrolle seit langer Zeit zum Standard-Sortiment der Polizei gehört, ist die Verfolgung von Drogendelikten im Straßenverkehr immer noch Neuland - auch wenn man recht schnell dazu gelernt hat.

«Bei Drogenkontrollen ist man darauf angewiesen, dass die Polizisten auf diesem Gebiet gut geschult sind», erklärt Erwin Grosse. Dies sei tatsächlich immer öfter der Fall, so dass entsprechende Vergehen auch häufiger festgestellt werden. Hintergrund ist zum einen die «Früherkennung der Pupillen» - also die Fähigkeit, an den Pupillen der Fahrer Verdächtiges in Hinblick auf Drogeneinfluss wahrzunehmen. Zum anderen sind auch verstärkt Testgeräte im Einsatz, die schnell entsprechende Werte feststellen können.

Unbeantwortet ist nach Ansicht der Experten immer noch die Frage, ob die Zahl der Fahrten unter Drogeneinfluss tatsächlich zunimmt, oder ob die besseren Kontrollmethoden lediglich öfter solche Verkehrssünder auffliegen lassen. Beim Alkohol dagegen lässt sich die Entwicklung einfacher nachvollziehen. «Als die Grenze von 0,8 Promille galt, war jedem klar, dass er ein paar Gläser trinken konnte. Bei 0,5 Promille dagegen ist das Risiko größer, die Grenze zu überschreiten», meint Erwin Grosse. «Ideal wäre aber ein Grenzwert von 0,0 Promille - dann gäbe es auch keine Nachweisschwierigkeiten.»

'Sichere' Regionen für Alkohol-Fahrer

Einig sind sich die Fachleute in einem Punkt: «Generell haben Alkohol und Drogen im Straßenverkehr gar nichts zu suchen», fasst Bastian Roet zusammen. Die Frage sei allerdings, ob stärkere und bessere Kontrollen der beste Weg sind. «Ebenso wichtig ist die Einsicht der Leute.» Es sei also wichtig, Autofahrer weiter über die Gefahren durch Drogen und Alkohol am Steuer aufzuklären. Daneben müsse man ihnen das Gefühl geben, dass sie im Falle eines Verstoßes tatsächlich Gefahr laufen, erwischt zu werden. «Fakt ist, dass es auch heute noch Regionen gibt, in denen einem Fahrer klar ist, dass ihn auf der Straße im Falle eines Verstoßes ohnehin niemand erwischt.»

Erfolge kann es aber auch durch neue Ideen geben. So weist Roet auf ein Projekt aus Schweden hin, mit dem man speziell junge Fahrer ansprach: «Es wurde für die Idee geworben, dass eine Gruppe jeweils einen Fahrer auswählt, der verspricht, an dem Abend keinen Alkohol zu trinken», so Roet. Im Gegenzug zahlten dann die restlichen Mitglieder der Gruppe ihrem Fahrer zum Beispiel den Eintritt in den Club oder die Disko und kamen auch für dessen - nicht alkoholische - Getränke auf. «Das Projekt hatte Erfolg. Wenn man so etwas bei uns versucht, sagt vielleicht schon mal jemand wegen der zu erwartenden Vorteile freiwillig «heute fahre ich».»