MPU: Gut vorbereitet in den «Idiotentest»

MPU: Gut vorbereitet in den «Idiotentest»
Eine Alkoholkontrolle der Polizei an der Autobahn. © dpa

Das Bundesverwaltungsgericht hat den Promillegrenzwert für den so genannten «Idiotentest» abgesenkt. Damit kann er bereits ab 1,1 Promille angeordnet werden.

Jedes Jahr müssen sich in Deutschland mehrere zehntausend Menschen einem medizinisch-psychologischem Eignungstest unterziehen, wenn sie ihre Fahrerlaubnis zurückbekommen wollen. Gründe für den MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) genannten Test sind Drogen- und Medikamentenmissbrauch, ein volles Punktekonto in Flensburg und vor allem Alkohol am Steuer.


Der Anteil der Alkoholauffälligen von aktuell über 40 Prozent bei der MPU könnte in nächster Zeit weiter zunehmen, denn ein im März 2021 vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gefälltes Urteil hat den Promillegrenzwert abgesenkt. Lag bislang die Grenze für die Anordnung einer MPU bei 1,6, können Straßenverkehrsämter alkoholisierte Autofahrer künftig schon ab 1,1 Promille zu der im Volksmund „Idiotentest“ genannten Untersuchung verpflichten. Betroffene müssen sich dann gut vorbereiten und zudem auch einiges investieren, um die Prüfung zu bestehen.

Hohe Durchfallquote

Die Durchfallquote bei der MPU gilt jedenfalls als vergleichsweise hoch. In den letzten Jahren wurde im Schnitt rund ein Drittel der Geprüften als „ungeeignet“ eingestuft. Dann rückt die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis erstmal in ziemlich weite Ferne. Deshalb sollten Betroffene im Vorfeld nichts dem Zufall überlassen. Unter denjenigen, die sich frühzeitig informieren und professionelle Beratung in Anspruch nehmen, sollen nach Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) immerhin vier von fünf Probanden die MPU auf Anhieb bestehen.

Um sich über Ablauf und Inhalt sowie über die Möglichkeiten einer seriösen Vorbereitung schlau zu machen, empfiehlt sich zunächst der Besuch kostenloser Informationsabende, die verschiedene Organisationen anbieten. Bei dieser Vorbereitung geht es vor allem darum, die eigene Einstellung zu überdenken. Dafür ist gegebenenfalls professionelle Unterstützung nötig, die aber kostet: Bei einem individuellen Coaching kann es leicht vierstellig werden, denn 10 einstündige Beratungsgespräche für jeweils rund 100 Euro müssen es schon sein. Alternativ bieten sich Gruppenberatungen an, die um 600 Euro kosten. Zusammen mit dem Berater erstellt der Betroffene einen Fahrplan, wie er den Weg zurück zum Führerschein meistern kann.

Tipps des ADAC

MPU-Vorbereitungskurse kann im Prinzip jeder durchführen, denn diese müssen nicht offiziell anerkannt sein. Doch woran erkennt man einen seriösen MPU-Coach? Als Qualifikation benennt der TÜV beispielhaft ein Diplom oder einen Master in Psychologie sowie eine verkehrspsychologische Ausbildung. Zudem sollte sich der Berater in der Diagnostik zu Alkohol- und Drogenkonsum sowie im Straßenverkehrsrecht auskennen. Einen seriösen Berater erkennt man außerdem daran, dass dieser Unterlagen wie frühere Gutachten oder die Korrespondenz mit der Führerscheinstelle einfordert, sich während der Beratung Aufzeichnungen macht und am Schluss ein Beratungsergebnis oder eine Teilnahmebescheinigung ausstellt.

Anbieter, die versprechen „die richtigen Antworten“ auf die „Fragen in der MPU“ zu trainieren, Schauspielunterricht anbieten oder eine „Erfolgs- oder Geld-Zurück-Garantie“ anbieten, gelten hingegen als unseriös, warnt der TÜV Süd. Ein guter Berater sollte zudem den Betroffenen nicht dazu nötigen, zurechtgebastelte Geschichten auswendig zu lernen.

Trinkverhalten prüfen

Wer sich einer MPU aufgrund von Alkoholauffälligkeit unterzieht, muss übrigens nicht unbedingt vollkommen abstinent werden: Oft genügt es, das eigene Trinkverhalten auf den Prüfstand zu stellen und weniger beziehungsweise kontrollierter zu konsumieren. Wer alkoholabhängig ist, muss aber auf jeden Fall eine Therapie machen und ein Jahr lang Abstinenznachweise liefern. Bei Drogen ist eine dauerhafte Abstinenz nachzuweisen. Je nach Einzelfall, Schwere- und Gefährdungsgrad müssen diese Nachweise über sechs bis zwölf Monate erbracht werden.

Die MPU selbst wird in Deutschland von Trägern wie den TÜV-Gesellschaften oder der Dekra durchgeführt. Auch hier fallen weitere Kosten an. Liegt als Grund eine Alkoholauffälligkeit vor, muss der Betroffene zunächst einen Abstinenznachweis per Haaranalyse durchführen, der gut 150 Euro kostet. Außerdem gibt es eine Gebührenordnung für die Untersuchung selbst, deren Preis vom Untersuchungsgrund abhängig ist. Rund 240 Euro sind es bei einer Untersuchung aufgrund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen. Für eine Drogen-MPU werden hingegen knapp über 400 Euro berechnet.

Mehrere Tests

Ein Alkoholtester bietet eine Orientierung. Idealerweise sollte man aber nüchtern Auto fahren. Foto: Seat

Der zwischen zwei bis drei Stunden dauernde „Idiotentest“ teilt sich in eine medizinische Untersuchung, bei der zum Beispiel Blut abgenommen werden kann, einen Reaktionstest und ein psychologisches Gespräch. Der MPU-Gutachter prüft dabei, ob der Betroffene aus seinen Fehlern gelernt und sein fehlerhaftes Verhalten verändert hat. Hier sollte man unter anderem erklären können, was man falsch und warum man es so und nicht anders gemacht hat.

Auch wie eine Verhaltensänderung zustande gekommen ist und wie der Betroffene sicherstellen will, dass es nicht wieder zu früheren Fehlern kommt, will der Gutachter klären. Im Gespräch sollte man offen und ehrlich sein, schließlich sind die Gutachter sehr erfahren und merken, wenn jemand versucht, etwas vorzuspielen. Am Ende der Untersuchung können die Gutachter bereits andeuten, ob man bestanden hat. Das endgültige Ergebnis erhält der Prüfling in der Regel allerdings erst zwei Wochen nach dem Termin. (SP-X)

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