Alfa Romeo Giulietta: Rassige Italienerin

Attraktiver Fünfsitzer

Alfa Romeo lockt mit einem speziellen Angebot für die Giulietta © Alfa Romeo

Der Name allein ist vielversprechend: Alfa Romeo Giulietta. Doch hält er auch, was er verspricht. Unser Testbericht gibt Aufschluss über Stärken und Schwächen.

Von Benjamin Palm

Mit Italien verbindet der deutsche Urlauber gemeinhin drei Dinge: gutes Essen, Sonne und Adria sowie sportliche Autos. Aus dem Hause Alfa Romeos gibt es beispielsweise den kompakten Giulietta, der mit 170 PS-Turbobenziner nicht nur sportlichen Flair, sondern das wahre italienische Lebensgefühl verspricht.

Bereits der Name steckt voller Leidenschaft: "Giulietta" weckt bewusst den Gedanken an eine rassige Südländerin. Unabhängig vom Geschlecht des Fahrzeugs lässt sich die automobile Schönheit nicht verleugnen, die aus eleganter Linienführung und gefälligen Kurven resultiert. Attraktiv am Heck ist das rundlich vorgewölbte Popöchen; der kecke Wimpernaufschlag der rundlichen Scheinwerfer-Augen sowie der lasziv weit aufgerissene Dreieckskühlergrill-Mund tun ihr Übriges.

Bequemer Einstieg

Doch wahre Schönheit kommt bekanntlich von innen. Voller Vorfreude geht es deshalb in den Innenraum, in den tatsächlich vier und nicht nur zwei Türen hineinführen. Die Griffe für die Fondtüren sind allerdings im Fensterrahmen eingelassen und somit auf dem ersten Blick unsichtbar. Einmal Platz genommen, fühlen sich selbst großgewachsene Insassen vorn auf den gut konturierten und langstreckentauglichen, aber recht harten Sitzen wohl.

Die Materialien im Cockpit hinterlassen einen guten Eindruck, trotz großer Spaltmaße wirkt alles aus einem Guss. Die Griffe für das Start-Stopp-System und die Nebelscheinwerfer sind einem Flugzeugcockpit nachempfunden und lockern nicht nur optisch auf, sie erwecken auch den Spieltrieb im Mann.


Die Mittelkonsole in der Giulietta von Alfa Alfa

Sobald der Fahrzeuglenker sich wieder beruhigt hat, kann die Fahrt losgehen. Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit 125 kW/170 PS bringt Feuer ins Herzen des italienischen Kompaktklässlers. Mit dem Drehen des Zündschlüssels schnurrt der gleichmäßig arbeitende Vierzylinder wie ein Kätzchen und ist von unten weg durchzugsstark. Schnell kommt er auf Touren, in 7,8 Sekunden wird die 100er Marke passiert, ehe es weiter geht bis 218 km/h. Und das unter einem betörend kernigen Sound, der eine wahre Ode an die Freude ist - weder störend noch zu laut, sondern genau richtig für einen "echten" Sportler.

Straffes Fahrwerk

Die Seitenlinie der Giulietta Alfa

Dank sportlich-straffen Fahrwerks liegt das Fahrzeug auch bei diesen hohen Geschwindigkeiten satt auf der Straße. Geschaltet wird über ein Sechsgang-Handgetriebe, das in den unteren Gängen aneckt und regelrecht "reingehämmert" werden muss. Die genormten 5,8 Liter Super auf 100 Kilometer reichen naturgemäß nicht aus, in der Praxis schluckt der Alfa laut Bordcomputer rund zwei Liter mehr.

Würde die eigens für typische Großstädte ins Ausstattungsprogramm gehobene Start-Stopp-Automatik einwandfrei funktionieren, könnte dieser Wert zweifelsohne niedriger ausfallen. Trotz Aktivierung der Spritspartechnik schaltet sich der Motor beim Auskuppeln aber nicht immer ab, außerdem ist die Verzögerung beim Neustart recht lang - um einem Gehupe an der grünen Ampel zu entgehen, verzichtet man besser auf die Nutzung.

Doch mit typisch italienischem Lebensgefühl im Blut spielt der Kraftstoffverbrauch sowieso eine untergeordnete Rolle - und auch die Kfz-Steuer, die sich pro Jahr auf 56 Euro beläuft. Vielmehr kommt es auf die Vielseitigkeit an, die der Giulietta mit sich bringt.

Attraktiver Preis

Das Heck sieht schnittig aus Alfa

Der Fünfsitzer eignet sich sowohl für die entspannte Kurvenfahrt als auch für die Urlaubstour. Eine schnell gefahrene Kehre weckt den Sportler im Fahrzeug: Scharf angebremst, schnell heruntergeschaltet und mit Vollgas wieder hinaus, ohne Neigung und präzise der direkten Lenkung folgend geht es um das nächste Eck. Wer mit der Familie in die Ferien fahren will, hat zugleich genügend Platz: Auf der Rückbank sitzen Großmama und ihre beiden Enkel, der geräumige Kofferraum nimmt standardmäßig vier Reisetaschen und Wegesproviant auf. Für die Sicherheit ist das normale Standardequippment aus ESP und Airbags an Bord.

Sportlich-entspannt geht der Alfa Romeo Giulietta zu Werke. Der in der Werbung unter dem Slogan "Ohne Herz wären wir alle nur Maschinen" angebotene Italiener versprüht Spritzigkeit wie ein Großer und sieht dabei auch noch verteufelt gut aus. Der Preis von 24 200 Euro kann sich für einen Sportler durchaus sehen lassen, auch wenn er mit ein wenig mehr Ausstattung schnell in die Höhe schießt. (mid)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.