Probleme für ADAC beim Parkhaus-Test

Zahlreiche Absagen für Tester

Die Tiefgarage Goetheplatz in Frankfurt/Main siegte beim letzten ADAC-Test
Die Tiefgarage Goetheplatz in Frankfurt/Main siegte beim letzten ADAC-Test © ADAC

Am Donnerstag veröffentlicht der ADAC die Ergebnisse seines Parkhaustests. Dabei wurden die Verantwortlichen und Tester von zahlreichen Absagen einiger Betreiber überrascht.

Von Thomas Flehmer

Die Absage kam sehr spät und zugleich überraschend. Eine Woche vor dem Beginn des ADAC-Parkhaustest Ende September vergangenen Jahres verweigerte mit Contipark einer der drei größten privaten Parkhausbetreiber den Testern den Zugang zu den zuvor ausgewählten Testobjekten. „Wir hatten im Vorfeld das Okay erhalten und waren deshalb über die späte Verweigerung überrascht“, sagte der verantwortliche Projektleiter Nicolas Adunka auf Anfrage der Autogazette.

Neben Contipark erhielt der Verkehrsclub von weiteren 18 Betreibern eine Absage, die jeweiligen Parkhäuser unter die Lupe zu nehmen. Dass dadurch der diesjährige Test weniger aussagekräftig ist, glaubt Adunka jedoch nicht. „Sicher hat es Auswirkungen auf den Test. Wenn ein Contipark als einer der größten Betreiber verweigert, hat es einen anderen Durchschlag als bei einem Einzelunternehmen. Aber auch Contipark hat nur einen Marktanteil im kleinen einstelligen Bereich bei immerhin rund 200 Parkhausbetreibern aller Coleur.“

Insgesamt 50 Absagen an die ADAC-Tester

Insgesamt bei 50 Parkhäusern wurde den Testern die Einwilligung verweigert. Die Kriterien des ADAC, die vier am nächsten ums Rathaus befindlichen Objekte zu testen, konnte so in einigen Städten nicht vollzogen werden.

Die Liste der auszuwählenden Objekte wurde im September in einem vom ADAC einberufenen Fachbeirat im Beisein des Bundesverbandes Parken (BVP) sowie der drei größten privaten Betreiber Apcoa, Q-Park und halt Contipark. Eine Anfrage der Autogazette an den Parkhausbetreiber Contipark blieb bisher unbeantwortet.

Betreiber erhalten Möglichkeit zum Kommentieren

Sehr lange befinden sich Autofahrer auf der Suche nach Parkmöglichkeiten
Ein Parkhaus in Wien gehörte 2013 zu den Testverlierern ADAC

Auch Gerhard Trost-Heutmekers wurde von der Absage überrascht. „Ich kenne die Gründe nicht.“ Der Geschäftsführer des BVP sagte auf Anfrage der Autogazette, dass bei den letzten Tests einige Betreiber verärgert waren, weil Schwächen der Parkhäuser gelistet wurden, obwohl darauf hingewiesen wurde, dass diese Schwächen restauriert oder saniert werden sollten.

Adunka selbst kennt diese Vorwürfe nicht, da er beim Parkhaustest zum ersten Mal involviert ist. Allerdings sei der Test, den die fünf Tester zwischen Ende September und Anfang Dezember 2015 in Zweier-Teams durchgezogen haben, eine so genannte Stichtagserhebung. „Da können nicht Pläne, die irgendwann umgesetzt werden, in die Ergebnisse miteinfließen“, so der diplomierte Geograph.

Allerdings erhalten die Betreiber die Chance, die Ergebnisse, die ihnen im Februar zugesandt wurden, zu kommentieren. „Die Betreiber haben diese Möglichkeit auch zahlreich genutzt. Der Kommentar wird dann auch eingeblendet, hat aber keine Auswirkungen auf die Ergebnisse“, sagt Adunka, der zuvor Leiter Sicherheit und Qualität beim ADAC Postbus war.

Test mit Acht-Augen-Prinzip

Um von vornherein jegliche Manipulationsvorwürfe zu entkräften – der ADAC ist dabei ein gebranntes Kind – gilt bei dem Test das Vieraugenprinzip der beiden Tester. Hinzu kommt eine Überprüfung durch den Partner LK Argus aus Berlin, einem Unternehmen aus der Stadt- und Verkehrsplanung, welches aus einem Vier-Augen- ein Sechs-Augen-Prinzip macht. Schlussendlich werfen auch noch die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) einen Blick auf die Ergebnisse und vervollständigen das Acht-Augen-Prinzip.

Dass die Tester die Verweigerung der Betreiber nicht einfach umgehen können, erklärt Trost-Heutmekers. „Der ADAC kann nur anfragen. Das ist eine freiwillige Angelegenheit.“ Bei einer Umgehung der Verweigerung würde dem Verkehrsclub eine „Klage wegen Hausfriedensbruch nach Paragraph 123 Strafgesetzbuch“ ins Haus flattern, weiß Adunka.

Und letztendlich werden die Macher einen neuen Versuch starten. „Wir werden die Verweigerer beim nächsten Mal wieder einladen“, so Adunka. Auch Contipark erhält dann wieder einen Brief aus München. Die gute Bewertung des Parkhauses "Kurhaus" in Wiesbaden als "Benutzerfreundliches Parkhaus" beim letzten ADAC-Tests im Jahr 2013 hat der Betreiber weiterhin auf seiner Webseite zu stehen.