Autopreis «Gelber Engel» jahrelang manipuliert

Deloitte legt weitere Prüfergebnisse vor

Dem ADAC droht möglicherweise ein neuerlicher Skandal.
Dem ADAC droht möglicherweise ein neuerlicher Skandal. © dpa

Der Autopreis «Gelber Engel» des ADAC wurde seit Jahren manipuliert. Wie die vom ADAC beauftragten Prüfer von Deloitte mitteilten, wurden dabei nicht nur die Zahlen der teilnehmenden Personen gefälscht.

Die am Montag vorgelegten Ergebnisse stellen keine große Überraschung mehr dar: Laut den Prüfern von Deloitte wurde nicht nur beim letzten vergebenen Autopreis «Gelber Engel» des ADAC manipuliert, sondern es wurden auch in den Jahren 2009 bis 2013 sowohl die Teilnehmerzahlen als auch die Rangfolge gefälscht. «Für sämtliche Jahre, die wir auswerten konnten, können wir eindeutig belegen, dass sowohl die Teilnehmerzahlen als auch die Stimmergebnisse bei der Wahl zum ‚Lieblingsauto’ des ‚Gelben Engels’ umfangreich manipuliert wurden», sagte Deloitte-Prüfer Frank Marzluf. Durch diese bewussten Veränderungen sei bei dem Preis eine größere Markenvielfalt erreicht worden, zitiert der Autoclub aus dem Bericht der externen Prüfer von Deloitte.

Größter Sprung für VW Up

Besonders frappierend waren die Manipulationen zur Wahl 2010. Das erstplatzierte Audi A5 Cabrio wurde auf den vierten Platz gesetzt und die eigentlich nur an Nummer vier gewählte E-Klasse von Mercedes als Sieger ausgerufen.

Den größten Sprung machte der VW Up zwei Jahre später. Eigentlich auf Nummer zwölf platziert wurde der Kleinstwagen der Wolfsburger auf Platz fünf gesetzt. Die Autohersteller haben mittlerweile die gewonnenen Preise zurückgegeben. Die Autokonzerne reagierten empört. «Die Untersuchungsergebnisse des ADAC zeigen: Hersteller und Öffentlichkeit wurden getäuscht. Damit haben die Platzierungen beim "Gelben Engel" keinen Wert», kommentierte ein Opel-Sprecher. VW schickte direkt seine Trophäen zurück. «Die 19 ersten Plätze sind alle in einem einzigen Paket auf dem Weg», meldete der Wolfsburger Konzern. Auch andere Hersteller hatten eine Rückgabe der Preise angekündigt, hatten sie dem ADAC doch immer vertraut. «Wir hatten in den vergangenen Jahren keinerlei Grund, an der Ehrlichkeit des ADAC zu zweifeln», hieß es etwa bei VW.

Weitere Kategorien des «Gelben Engels» auf dem Prüfstand

Für frühere Jahre war eine Prüfung laut ADAC nicht mehr möglich, weil dazu nicht mehr ausreichende Daten vorhanden sind. «Die Ergebnisse lassen vermuten, dass einzelne Personen offenbar bereits seit Jahren bei der Preisverleihung die Hersteller und die Öffentlichkeit systematisch getäuscht haben», sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Vergangene Woche hatten die Prüfer bereits Manipulationen bei der diesjährigen Wahl bestätigt. Weitere Kategorien des «Gelben Engels» sind noch auf dem Prüfstand.

Nach den bekannt gewordenen Manipulationen und den nach sich ziehenden Rücktritten von ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter sowie dem ADAC-Präsidenten Peter Meyer hat sich der Verkehrsclub ein Zehn-Punkte-Programm aufgestellt, um die Glaubwürdigkeit ebenso herzustellen wie eine Transparenz gegenüber den fast 19 Millionen Mitgliedern. Gegen Ramstetter werden zudem rechtliche Schritte vorbereitet.

Weitere personelle Konsequenzen lehnte der Club bis dato ab und verwies auf seine Hauptversammlung im Mai und auf einen Zehn-Punkte-Plan, mit dem der Neuanfang gelingen soll. Zudem holte sich der Automobilclub mit bundesweit rund 19 Millionen Mitgliedern prominente Unterstützung: Neben dem UNICEF-Deutschland-Chef Jürgen Heraeus ist nun auch Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Bundesverfassungsgerichtspräsident, als Berater tätig.(AG/dpa)