11. November 2013

Fahrbericht Preis beginnt bei rund 16.000 Euro Elektrobike Zero DS: Stiller Dynamiker

Die Zero DS wird von einem Elektromotor angetrieben.
Die Zero DS wird von einem Elektromotor angetrieben. © Zero

Die Zero DS sorgt für Aufsehen. Doch das liegt nicht an ihrem satten Sound, sondern am genauen Gegenteil: denn bei der Zero DS handelt es sich um ein Elektro-Bike.




Es gehört schon eine Menge dazu, um Passanten in München den Kopf zu verdrehen. Fahrzeuge vom Schlage eines Rolls Royce, Ferrari oder einer getunten und lautstarken Harley-Davidson sind dazu vielleicht in der Lage. Mit Sicherheit aber: Die Zero DS. Und das, gerade weil sie aus dem Stand nahezu lautlos abzischt wie von einem unsichtbaren Expander gezogen. Seinen atemberaubenden Antritt verdankt das Elektro-Motorrad von der Westküste einem Permanentmagnetmotor, der ab der kleinsten Drehung am rechten Handgriff seine vollen 92 Nm Drehmoment zum Hinterrad leitet.

Vergleichbar mit dieser spontanen Schubkraft sind agile Fahrmaschinen wie eine KTM 990 SM R, die jedoch fürs volle Drehmoment erst auf Touren kommen müssen. So ist die Zero DS ein absolutes Spaßgerät, das allerdings auch seinen Preis hat: 15.995 Euro sind für den dynamischen Strom-Boliden fällig. Immerhin ist dieser vom Drehmoment und weiteren Leistungsdaten her mit Vertretern der 10.000 Euro-Klasse vergleichbar.


Geringe Wartungskoste der Zero DS

Wie gut, dass Wartungskosten etwa für Ölwechsel beinahe völlig entfallen. Und: Alle 10.000 km holt die Zero DS im Vergleich zu einer konventionellen Maschine mit 6 Litern Praxisverbrauch rund 850 Euro Spritkosten wieder herein. Ihre 11,4 kWh starken Akkus reichen im optimalen Fall laut Hersteller für 203 km im Stadtverkehr – bei höheren Geschwindigkeiten sinkt die Restreichweite rapide. Dennoch wird sich dies in der Praxis bei rund 150 km einpendeln – ein guter Wert für diese Art von Motorrädern irgendwo zwischen Naked Bike und Supermoto. Sie sind nicht für die lange Tour, sondern für kurze, fahrspaßintensive Turns gedacht.

Das Cockpit der Yero DS
Das Cockpit der Yero DS © Schütze/SP-X

Sind die Akkus leer, so dauert das komplette Aufladen an einer Haushaltssteckdose acht Stunden. Mit CHAdeMO-Schnellladung vergehen dafür 1,5 Stunden, und nach einer Stunde sind 95 Prozent Ladung erreicht. Die Stromspeicher sollen laut Hersteller nach 457.000 km noch 80 Prozent ihrer Leistung aufweisen. Das klingt beruhigend für eine Fahrzeug-Kategorie, die pro Jahr in der Regel keine 10.000 km bewegt wird. In der Kennenlernphase melkt zwar der Elektro-Neuling den vermeintlichen Gasgriff derart und permanent, dass die Reichweite schon mal auf 120 km sinken kann. Aber auf Dauer werden die ständigen Beschleunigungsorgien immer seltener, und die Reichweite erhöht sich wieder.

Fast schwereloses Fahrvergnügen

Lautlos unterwegs auf der Zero DS
Lautlos unterwegs auf der Zero DS © Zero

Die Lust am Aufdrehen kommt von der stillen Dynamik der Zero DS, die selbst dem erfahrenen Biker ein völlig neues, fast schwereloses Fahrvergnügen beschert. Anscheinend konzentrieren sich wegen des stillen Leistungskicks alle Sinne umso mehr auf die brachiale Beschleunigung. Man vermisst nicht wirklich den Sound eines bollernden V2 oder das Kreischen eines hochdrehenden Vierzylinders. Trotz aller Begeisterung für die neuartige Fahrdynamik ist die die Zero DS aus Santa Cruz auch gewöhnungsbedürftig. So fehlen auf der linken Seite Kupplungs- und Schalthebel, denn wie an einem Gummiband gezogen rast das Elektro-Bike in einer Gangstufe von null bis 153 km/h.

Und da beim Bremsen Energie in die Akkus fließt – sogenannte Rekuperation – schiebt die Maschine beim Verzögern spürbar nach. Das hat der Neuling im Sattel einer Elektromaschine aber ebenso schnell intus wie den leicht eingeschränkten Federungskomfort. Und so genießt er letztlich wieder die sportliche, nach vorne gerichtete Sitzposition.

Hohe Wendigkeit

Entsprechend der zur Front hin leicht abfallenden Linienführung der Maschine rutscht der Pilot zum breiten, nahezu geraden Lenker hin, mit dem er alles fest im Griff hat. Ein besonders steiler Lenkkopfwinkel bringt vom ersten gefahrenen Meter an hohe Wendigkeit, ohne dass die Zero DS bei höherem Tempo besonders nervös wäre. Im Stadtverkehr bis etwa 50 km/h ist für Fahrer und verdutzte Außenstehende das dezente Säuseln des Elektromotors zu hören.

Darüber wird es vom Fahrtwind und Abrollgeräuschen überlagert oder von den Verbrennungsmotoren jener Fahrzeuge, die der Zero DS-Pilot gerade wieselflink hinter sich lässt. Ideal erscheint das Stromkatapult als Stadtfahrzeug, das zum Beispiel den Weg an die Arbeitsstätte zum Ziel macht. Schon die ersten Meter aus der Garage heraus bringen Fahrspaß, und nicht erst langgezogene Landstraßenkurven weit außerhalb der Stadt. Aber auch dort fühlt man sich im Sattel der Zero DS sehr wohl.

Die Zero DS hängt am Ladekabel
Die Zero DS hängt am Ladekabel © Schütze/SP-X

Wer mehr Wert auf Reichweite als auf maximalen Schub legt, stellt per Kippschalter während der Fahrt den Modus
von „Sport“ auf „Eco“ und ist auch damit noch sehr flott unterwegs. Eingestuft wird die DS in die 48 PS-Einsteigerklasse A2, ist also geeignet für Führerschein-Neulinge oder für ältere Quereinsteiger, die diese Lizenz relativ leicht erwerben können. Beide Zielgruppen tun sich mit dem niedrigen Fahrzeuggewicht von 179 kg ebenso leicht, wie mit dem kupplungsfreien Direktantrieb ohne nötige Gangwechsel.

Alte Motorrad-Hasen dagegen brauchen Eingewöhnungszeit. Haben auch sie sich ins neue, elektrische Fahrgefühl eingelebt, gehören Vorbehalte wegen mangelnder Reichweite, Akkulebensdauer oder fehlendem Sound schnell der Vergangenheit an. Zudem darf man gespannt sein, was die nächsten Jahre an weiteren Fortschritten für Elektrobikes wie die Zero DS bringen. (SP-X)






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